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US-Präsidentschaftswahlkampf Auch als Unternehmer will Michael Bloomberg der Anti-Trump sein

Der US-Milliardär will bei einem Wahlsieg seinen Konzern verkaufen, und nicht nur treuhänderisch übergeben. Prominente Kaufinteressenten gäbe es.
19.02.2020 - 19:16 Uhr Kommentieren
Der Unternehmer will wieder Politiker werden – und ausschließlich sein. Quelle: AFP
Michael Bloomberg

Der Unternehmer will wieder Politiker werden – und ausschließlich sein.

(Foto: AFP)

New York Entweder US-Präsident oder Unternehmer: Im Falle eines Wahlsiegs will der Milliardär Michael Bloomberg seinen nach ihm benannten Finanzdaten- und Medienkonzern verkaufen. Noch ist Bloomberg nicht einmal in den offiziellen Vorwahlkampf der demokratischen Partei eingestiegen, die Wahlen in Iowa und New Hampshire hat er ausgelassen. Die Ankündigung des 78-jährigen Bewerbers um die Präsidentschaftskandidatur befeuert dennoch Spekulationen über mögliche Käufer für das Geschäft mit den Finanzdaten.

Der ehemalige Bürgermeister von New York könnte mit einem Verkauf die Weichen für die zukünftige Ausrichtung des von ihm aufgebauten Konzerns regeln. Mit einem Umsatz von zehn Milliarden Dollar und rund 20.000 Mitarbeitern weltweit ist Bloomberg L. P. immer noch extrem erfolgreich. Doch das Umfeld wird schwieriger.

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Bloomberg operativ aus dem Unternehmen verabschiedet. Schon zu seiner Zeit als Bürgermeister lag das Unternehmen, um Interessenkonflikte zu vermeiden, in einer sogenannten blinden Treuhand, auf die er keinen Zugriff hatte. Über einen Verkauf des Unternehmens denkt er bereits länger nach. „Wenn ein Verkauf in meinem Alter möglich wäre, dann würde ich das tun“, sagte Bloomberg bereits 2018 in einem Interview.

Entsprechend wird auch seit längerem über mögliche Käufer spekuliert, zumal Bloomberg selbst nicht das erste Mal mit dem Amt des Präsidenten liebäugelt. Als Möglichkeit gilt etwa, dass eine Gruppe von Private-Equity-Firmen sich zu einem sogenannten „Club-Deal“ zusammenschließen und den Finanzdienstleister übernehmen könnte. Die Branche sucht händeringend nach neuen Beteiligungen.

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    Bloomberg-Konkurrent Reuters etwa verkaufte vor zwei Jahren die Mehrheit seiner Anteile für 17 Milliarden Dollar an den Finanzinvestor Blackstone. Branchenschätzungen zufolge könnte Bloomberg LP bis zu 60 Milliarden Dollar wert sein. Die Beratungsfirma Burton-Taylor schätzt die Umsätze für 2019 auf 10,5 Milliarden Dollar, ein plus von knapp sechs Prozent. Die Gewinnmarge soll bei 37 Prozent liegen.

    Auch Technologie-Konzerne wie Microsoft und die Google-Mutter Alphabet wurden in der Vergangenheit als mögliche Käufer genannt. Mit Bloomberg könnten die für ihren großen Datenschatz bekannten Unternehmen ihr Angebot um globale Finanzinformationen erweitern. Aber auch Börsenbetreiber könnten Interesse an den Finanzdaten haben.

    Daten als Rohstoff der Finanzindustrie

    Die Anfänge der Bloomberg L.P. liegen knapp vier Jahrzehnte zurück. Michael Bloombergs Startkapital war eine Abfindung in Höhe von zehn Millionen Dollar als Partner bei Salomon Brothers. Die erhielt er 1981, als die Investmentbank übernommen wurde.

    Heute hält er 88 Prozent am privaten Unternehmen Bloomberg L.P. Unter der Marke Bloomberg verkauft das Unternehmen vor allem Finanzdaten, betreibt aber auch eine gleichnamige Nachrichtenagentur, einen Fernsehsender und gibt Zeitschriften wie die Business Week heraus.

    Bloomberg hat schon früh erkannt, dass Daten der wichtigste Rohstoff der Finanzwelt sind. Mit seinen Computerstationen aus Monitor und bunter Tastatur, die in Echtzeit Finanzdaten selbst von den entferntesten und spezialisiertesten Märkten aufleuchten lassen, hat sich Bloomberg in Finanzhäusern schnell als Muss etabliert.

    Die Terminals sind mit ihren Tastenkombinationen nicht unbedingt einfach zu bedienen, genießen aber einen gewissen Kultstatus unter Finanzprofis. Banker finden dort alles von Anleihekursen über Positionen von Öltankern oder Waldbränden bis hin zu Informationen von Lieferketten bestimmter Unternehmen.

    Das Geschäftsmodell hat seinen Reiz: Wenn das Terminal einmal beim Kunden steht, fließt regelmäßig Geld. Die Monatsmiete liegt bei 20.000 Dollar pro Terminal. Laut Medienberichten nutzen 325 000 Kunden die Daten. Lange war der Bloomberg-Terminal auch für seine Chat-Funktion beliebt – die Protokolle der Unterhaltungen wurden jedoch seit der Finanzkrise mehrfach genutzt, um eine ganze Reihe von Finanzskandalen aufzuspüren.

    Der Konkurrenzdruck steigt

    Mittlerweile ist das Kerngeschäft in die Jahre gekommen. Schon vom Design her wirken sie Jahrzehnte alt. Sie bieten zwar immer noch einen sehr großen und gut aufbereiteten Datenfundus Aber die Konkurrenz drängt von allen Seiten heran.

    Ein Bankenkonsortium um Goldman Sachs investierte in das kalifornische Start-up Symphony, das sich vor allem auf bessere und verschlüsselte Chats konzentrierte. Symphony ist nach der jüngsten Finanzierungsrunde mit 1,4 Milliarden Dollar bewertet, plant jedoch frühstens im kommenden Jahr einen Börsengang, wenn das Unternehmen profitabel ist.

    Auch wegen der Entwicklung in der Bankenbranche könnte das Geschäft schwieriger werden. Die Finanzinstitute bauen derzeit zehntausende Stellen ab. Damit wird auch der Bedarf an Terminals sinken. Über  die Jahre gab es immer wieder Klagen gegen Bloomberg wegen sexueller Belästigung und Diskriminierung von Frauen. Der Unternehmensgründer hat die Vorwürfe stets bestritten. „Ich wäre nicht da wo ich heute bin, ohne die vielen talentierten Frauen um mich herum“, schrieb Michael Bloomberg noch vergangene Woche auf Twitter.

    Mit dem angekündigten Verkauf will sich Bloomberg auch von dem anderen New Yorker im Weißen Haus abheben – Donald Trump. „Mike Bloomberg wird seine Steuererklärungen veröffentlichen. Er wird auch Bloomberg LP verkaufen. Es wird keine Unklarheiten darüber geben, dass irgendeine seiner Finanzbeteiligungen die Trennlinie zwischen Staatsdienst und persönlichem Profit verwischt“, erklärte Bloomberg-Sprecher Tim O’Brien am Dienstag im Sender CNN. „Wir werden es bei diesen Themen um 180 Grad anders machen als Donald Trump, der ein wandelnder finanzieller Interessenkonflikt ist“, sagte O’Brien.

    Mehr: Allein gegen alte Herren – Wie Pete Buttigieg (38) US-Präsident werden will.

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