HDE-Konsumbarometer: Sorge vor Arbeitslosigkeit – Verbraucher sind mutlos
Düsseldorf. Die Deutschen halten ihr Geld zum Jahresauftakt lieber beisammen und konsumieren wenig. Zwar verbesserte sich die Stimmung für den Februar leicht, doch der Einbruch vom Januar wurde damit keineswegs wettgemacht. Das HDE-Konsumbarometer belegt den Trend: Mit 95,31 Zählern notiert der Index zwar 0,32 Punkte höher als im Vormonat, liegt aber dennoch auf dem zweittiefsten Wert seit einem Jahr.
Im Vergleich zum Vormonat verschlechterten sich die Konjunkturerwartungen der Verbraucher weiter, was die geringe Anschaffungsneigung begründen dürfte. Darüber hinaus dämpfen die teils deutlich gestiegenen Lebensmittelpreise die Kaufkraft der Verbraucher.
Etwas günstiger bewerteten die Befragten dagegen ihre eigenen Einkommensperspektiven. Und die Sorgen vor steigenden Zinsen verringerten sich.
Das HDE-Konsumbarometer basiert auf einer repräsentativen Befragung von rund 1600 Haushalten. Es setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, die entsprechend ihrer Bedeutung in den Index einfließen. Das Barometer wird monatlich vom Handelsblatt Research Institute für den Handelsverband HDE berechnet.
Eine ganze Liste mäßiger Konjunkturdaten
Der Verlauf des HDE-Konsumbarometers reiht sich ein in die Liste mäßiger Konjunkturdaten der vergangenen Tage. So stiegen etwa der Ifo-Geschäftsklimaindex und HCOB-Einkaufsmanager ebenfalls leicht an, signalisieren aber weiterhin eine schrumpfende Wirtschaft.
Zudem meldete das Statistische Bundesamt, dass die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal des vergangenen Jahres etwas stärker geschrumpft ist, als zuvor erwartet worden war. Technisch ausgedrückt liegt die Startrampe für 2025 damit noch etwas niedriger. Die Bundesregierung revidierte ihre Konjunkturerwartungen deutlich nach unten.
Stärkere Sorgen machen sich auch viele Verbraucher über die aktuelle Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Denn zahlreiche Großunternehmen haben angekündigt, massiv Personal abzubauen. So gehen nach Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in der Industrie jeden Monat rund 10.000 Arbeitsplätze verloren.
Hinzu kommt der Trend, dass viele Mittelständler um ihre Existenz kämpfen – was nicht immer erfolgreich ist. Es gibt einen deutlichen Anstieg bei der Anzahl der Konkurse: Nach Berechnungen des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) gab es im vierten Quartal so viele Firmenpleiten wie seit der Finanzkrise vor 15 Jahren nicht mehr.
Die Chefin der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, bestätigte am Freitag den Negativtrend: „Zum Jahresbeginn haben Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung, wie in diesem Monat üblich, deutlich zugenommen.“ Mit 2,99 Millionen lag die Arbeitslosenzahl im Januar nur noch hauchdünn unter der magischen Marke von drei Millionen – zuletzt hatte die Arbeitslosigkeit im Februar 2015 über dieser Schwelle gelegen.
Das Handelsblatt Research Institute geht davon aus, dass im Gesamtjahr 2025 die Arbeitslosigkeit knapp über drei Millionen liegen dürfte. Saisonbereinigt sind mittlerweile gut 660.000 mehr Personen arbeitslos gemeldet als während der Tiefststände im Frühjahr 2019.
Auch die Frühindikatoren für den Arbeitsmarkt weisen weiter nach unten. So liegt das Ifo-Beschäftigungsbarometer weiterhin deutlich unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Nahezu alle Industriezweige wollen mit weniger Mitarbeitern auskommen.
Das IAB-Arbeitsmarktbarometer signalisiert, dass die Arbeitslosigkeit im dritten Jahr hintereinander steigen dürfte. Die Bundesregierung geht in ihrem Jahreswirtschaftsbericht vom gleichen Verlauf des Trends aus.
Ein kräftiges Plus von real fünf Prozent verbuchte der Internet- und Versandhandel
Der deutsche Einzelhandel bekommt deutlich zu spüren, dass die Verbraucher verunsichert sind. Zwar stiegen 2024 die Umsätze real um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zum Jahr 2021, als der Einzelhandel den bisher höchsten Umsatz seit Beginn der Zeitreihe (1994) erzielte, lag der reale Jahresumsatz 2024 jedoch um 2,9 Prozent niedriger.
Gemessen am Vor-Corona-Niveau des Jahres 2019 erzielte der Einzelhandel 2024 einen real 2,3 Prozent höheren Umsatz. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Einwohnerzahl seit 2019 um rund 400.000 Personen auf 83,6 Millionen gestiegen ist. Besonders schlecht liefen im vergangenen Jahr die Geschäfte mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren. Hier sank der reale Umsatz um 3,2 Prozent.
Leicht rückläufig war auch der reale Umsatz im Facheinzelhandel mit Lebensmitteln. Ein kräftiges Plus von real fünf Prozent verbuchte hingegen der Internet- und Versandhandel. Auch die Umsätze von Apotheken – Verkäufe von kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkten – stiegen real um 3,7 Prozent. Etwas besser als der Durchschnitt entwickelten sich ebenfalls die realen Umsätze von Tankstellen.