Bilanzcheck: Die Rache des Rotstifts: Infineon zahlt einen hohen Preis für seine Sparsamkeit
Der Chiphersteller hat sich in dem am 30. September beendeten Geschäftsjahr in allen wesentlichen Kennzahlen verbessert.
Foto: HandelsblattMünchen. Mit der neun Milliarden Euro teuren Übernahme des US-Konkurrenten Cypress vor knapp zwei Jahren suchte Infineon-Chef Reinhard Ploss den Befreiungsschlag: Größer und vor allem profitabler sollte Deutschlands führender Chipkonzern werden.
Doch die Übernahme erweist sich nun, wie der Geschäftsbericht zeigt, als nicht ganz so erfolgreich wie geplant. Der Grund: Die angebliche Stärke von Cypress, sehr viel mehr als Infineon mit Auftragsfertigern zusammenzuarbeiten und so hohe Investitionen zu vermeiden, kehrt sich seit Monaten ins Gegenteil um.
Die sogenannten Foundries, wie die Fremdfertiger branchenweit genannt werden, kommen mit den Bestellungen nicht hinterher und verlangen nun sogar Anzahlungen von den Münchenern. Ansonsten würden sie nicht liefern. Die Folge: Hunderte Millionen an Umsatzausfall und enttäuschte Kunden weltweit.
Ploss verabschiedet sich von den Aktionären auf der Hauptversammlung an diesem Donnerstag zwar mit einem Rekordgewinn. Makellos ist die Bilanz des Franken nach zehn Jahren an der Spitze aber nicht. Zu schwer lasten seit Monaten die von den Auftragsfertigern ausgelösten gewaltigen Lieferschwierigkeiten auf den Münchenern. Es ist die Rache des Rotstifts, die Ploss in seinen letzten Monaten auf dem Chefsessel verfolgt.