Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Quartalszahlen Werbegeschäft von Google leidet – doch andere Bereiche sorgen dennoch für Gewinn

Die Coronakrise lässt die Werbeeinnahmen von Google einbrechen. Doch andere Unternehmensbereiche profitieren. Die Aktie steigt nachbörslich steil an.
29.04.2020 Update: 29.04.2020 - 07:00 Uhr Kommentieren
Die Suchmaschine hat im März 2020 weniger durch Werbung eingenommen. Quelle: dpa
Google

Die Suchmaschine hat im März 2020 weniger durch Werbung eingenommen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, San Francisco Die Google-Mutter Alphabet hat ungeachtet der Coronakrise im ersten Quartal Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert. Der Umsatz legte im Jahresvergleich 13 Prozent auf 41,2 Milliarden Dollar zu. Beim Gewinn gab es ein Plus von 2,6 Prozent auf 6,84 Milliarden Dollar. Die Zahlen waren von Beobachtern gespannt erwartet worden, weil sie einen Ausblick auf das gesamte Werbegeschäft bieten.

„Wir stehen bedeutend besser da als in der Krise 2008“, sagt Sundar Pichai, Chef von Google und der Muttergesellschaft Alphabet, zu Beginn des Analystengesprächs am Dienstag in Kalifornien. Zwar wurde das Werbegeschäft der Suchmaschine aus Mountain View im März des laufenden Jahres schwer von der Coronakrise getroffen. Inzwischen hat sich der Konzern aber breiter aufgestellt, unter anderem mit dem 2008 noch gar nicht existierenden Cloudgeschäft.

Beim Cloud-Computing stieg der Quartalsumsatz im Jahresvergleich um satte 50 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar. Und auch das Geschäft mit Android-Apps und Youtube kann die Anzeigenflaute kompensieren: Bei Letzterem stiegen die Werbeerlöse im Vergleich zum Vorjahr um 33,4 Prozent auf 4,04 Milliarden Dollar.

Trotzdem versuchten Pichai und Finanzchefin Ruth Porat, allzu große Hoffnungen zu dämpfen. Es sei nicht klar, wie das laufende zweite Quartal am Ende aussehen werde. Schließlich sei nur das Märzgeschäft mit voller Wucht von der Wirtschaftskrise getroffen worden. Januar und Februar seien noch gut gelaufen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Das sieht Nicole Perrin vom Analysehaus eMarkter auch so: „Die Zahlen rechtfertigen einen vorsichtigen Optimismus fürs zweite Quartal. Aber insgesamt wird das Wachstum schlechter ausfallen als im ersten Quartal.“

    Forrester-Analyst Collin Colburn stimmt zu: „Wir gehen davon aus, dass die Ausgaben für Werbung 2020 in den USA um 23 Prozent einbrechen werden“, so Colburn. Plakate und Printprodukte seien dabei noch stärker betroffen, aber Ausgaben für Werbung, die an Suchbegriffe im Internet geknüpft ist, würden ebenfalls deutlich sinken.

    „Unternehmen wie Hilton kaufen überhaupt keine Schlüsselwörter mehr, viele andere Unternehmen außerhalb der Reisebranche haben ihre Budgets bis zu 75 Prozent gekürzt“, sagt Colburn. Große Reiseportale wie Expedia haben schon angekündigt, ihre Werbeausgaben im Milliardenbereich kürzen zu wollen. Reiseanbieter sind mit die wichtigsten Kunden von Google.

    Stellenaufbau vorerst gestoppt

    Zugute kommt Google das Fehlen jeglichen Chinageschäfts. Bei Apple oder Microsoft ist das anders. Den größten Beitrag zu den starken späten Kursgewinnen bei Google dürften aber Ankündigungen von Finanzchefin Porat geleistet haben, Google werde im weiteren Verlauf die „Effizienz“ steigern, was rigorose Kostendämpfungen beinhalte. Nach Jahren des starken Wachstums sei dafür viel Spielraum.

    Google werde die Investitionen auf ein Niveau unter dem von 2019 herunterfahren. Schon zuvor war durchgesickert, dass die ehrgeizigen Einstellungspläne für 2020 erst einmal auf Eis gelegt werden, ebenso Kauf oder Anmietung neuer Büroimmobilien. Die Wall Street feierte diese Aussagen mit einem nachbörslichen Plus von bis zu neun Prozent.

    Jetzt hoffen die Anleger darauf, dass andere Onlineriesen ebenfalls als Gewinner aus dem Wirtschaftsdesaster hervorgehen werden. Google ist Marktführer bei Onlinewerbung weltweit, gefolgt von Facebook. Der Konzern wird am heutigen Mittwoch nach Börsenschluss die Quartalszahlen vorlegen, die Kurse zogen am späten Dienstag bereits nachbörslich an.

    Die Nummer drei im digitalen Werbegeschäft ist mittlerweile Amazon mit seiner derzeit boomenden Versandhandelsplattform. Als Marktführer im Bereich Cloud gilt Amazon bereits vor der Präsentation seiner Zahlen als größter Krisengewinner.

    Microsoft ist im Cloudgeschäft noch vor Google die Nummer zwei und mit „Office“ Marktführer bei Bürosoftware. Pichai betonte am Dienstag, dass Googles Konkurrenzprodukt, die „G Suite“, durch verstärktes Homeoffice ebenfalls enorm an Nutzern gewonnen habe. In Deutschland hat sich das Angebot bisher aber nicht durchgesetzt.

    Kostenlose Werbeplätze

    Nicht nur Analysten, auch Werbekunden sollten Kriseneffekte bei Google aufmerksam verfolgen. Google versteigert seine Werbeplätze nämlich in einem intransparenten Verfahren. Weil viele Firmen gerade kaum Geld für Marketing ausgeben, sind oft auch niedrige Gebote erfolgreich. In vielen Kategorien ist Werbung derzeit also besonders günstig – oder sogar kostenlos.

    Eine wichtige Änderung in der Krise kündigte Bill Ready, bei Google „President Commerce“, bereits vor wenigen Tagen an: Ab dieser Woche würden in den USA „Suchergebnisse im Google-Shopping-Reiter vorrangig aus freien Einträgen“ bestehen. „Google Shopping“ ist das Google-eigene Vergleichsportal. Für gewöhnlich zahlen Firmen dafür, ihre Produkte dort listen zu können. Andere Anbieter kommen nicht in das Ranking.

    Künftig sollen nicht bezahlte Anzeigen abhängig von ihrer Relevanz und Qualität ebenfalls angezeigt werden. Die freien Anzeigen sollen bis Jahresende weltweit umgesetzt werden. Laut Google war die Öffnung des Portals lange geplant, um die Suchmaschine zum Shoppingziel zu machen. Laut Forrester-Analyst Collin Colburn geht es darum, dabei besser mit Amazon konkurrieren zu können. „Amazon ist Googles größte Bedrohung bei Anzeigen für Konsumgüter“, sagt Colburn.

    Der Konzern stellt das Konzept nach eigenen Angaben nun zügig um, um krisengebeutelten Händlern entgegenzukommen – hilft sich möglicherweise aber auch selbst aus der Patsche. Denn wenn es in einigen Produktkategorien kaum Anzeigenkunden gibt, kann Google Nutzern auch keine Produktauswahl zeigen.

    Eine völlig offene Frage blieb am Dienstag bei Alphabet noch die nach sogenannten „Other Bets“. Das sind Zukunftsprojekte wie „Waymo“, die selbstfahrenden Autos, oder „Verily“, ein Life-Science-Unternehmen, das zum Beispiel das Altern stoppen will. Die „anderen Wetten“ mussten nicht nur einen Umsatzrückgang von 170 auf 135 Millionen Dollar im Jahresvergleich verbuchen. Der operative Verlust summierte sich zudem auf atemberaubende 1,12 Milliarden Dollar.

    Da werden die Aktionäre im weiteren Jahresverlauf noch mehr Fragen haben. Wie Ruth Porat sagte: Beim Thema Effizienz ist viel Spielraum.

    Mehr: Google und Apple wollen zusammen die Coronavirus-Ausbreitung bekämpfen.

    Startseite
    Mehr zu: Quartalszahlen - Werbegeschäft von Google leidet – doch andere Bereiche sorgen dennoch für Gewinn
    0 Kommentare zu "Quartalszahlen: Werbegeschäft von Google leidet – doch andere Bereiche sorgen dennoch für Gewinn"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%