Wagniskapital: Die neue Macht der Gründer: Warum die Start-up-Szene sich massiv verändert
Die Verhandlungsmacht der Gründer gegenüber Investoren ist groß wie nie.
Foto: Trade Republic, Y42, Getty ImagesLissabon, Berlin. In Europas Start-up-Szene haben sich die Machtverhältnisse zwischen Gründern und Investoren verschoben. Wie sehr, das hat Nicolas Julia erst kürzlich eindrucksvoll erlebt. Als der Gründer bei der Finanzierungsrunde für seine Blockchain-Firma Sorare eine Präsentation öffnen wollte, sei er direkt gestoppt worden, berichtete der Franzose am Rande der Lissaboner Websummit-Konferenz. „Nein, nein“, habe der Investor zu ihm eilig gesagt: „Wir zeigen Ihnen unser Pitch Deck.“
2021 müssen Gründer wie Julia keine Investoren mehr suchen. Sie können sich welche aussuchen.
Sorare ist nur eines von vielen gehypten Start-ups in einem heiß gelaufenen Markt. Abseits von Start-ups finden Anleger kaum noch Renditechancen. Das gibt Gründern Verhandlungsmacht – und treibt Finanzierungssummen und Bewertungen in immer neue Höhen. Julias Plattform für digitale Fußballsammelkarten wird mit 3,7 Milliarden Euro bewertet. 581 Millionen Euro kamen bei der zweiten großen Finanzierungsrunde im September zusammen. Das hatte bis dato kein europäisches Start-up so schnell geschafft.
Eine Auswertung des Wagniskapitalgebers Earlybird für das Handelsblatt zeigt: Der Trend gilt für alle Start-ups. In der frühen Wachstumsphase, der sogenannten Series B, sammeln die jungen Firmen heute im Schnitt fast dreimal so viel Geld ein wie vor fünf Jahren. Und bei alldem müssen Gründer sogar noch weniger Firmenanteile abgeben. „Jetzt ist die beste Zeit, um in Europa Gründer zu sein“, konstatiert Earlybird-Investor Andre Retterath.