Coronavirus: So soll die Impfstrategie digital unterstützt werden
Die Zentren wie jenes in Düsseldorf sollen digital unterstützt werden.
Foto: ImagoDüsseldorf. Die Bundesregierung will von Anfang an eine Smartphone-App als Teil ihrer Impfstrategie etablieren. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das dem Bundesgesundheitsministerium untersteht, habe diese Anwendung bereits entwickelt, teilte eine Ministeriumssprecherin Handelsblatt Inside mit.
Über ein Jahr lang würden damit unerwünschte Nebenwirkungen nach Corona-Impfungen sowie trotz Impfung auftretende Covid-19-Infektionen nachverfolgt werden. „Die Teilnahme an der Studie und die Nutzung der App ist freiwillig und soll mit Beginn der Impfungen zur Verfügung stehen“, so die Sprecherin.
Nur Erwachsene dürften teilnehmen. Notwendig sei zudem ein Smartphone mit mindestens den Betriebssystem-Versionen IOS 12 beziehungsweise Android 5.0. Das Ministerium betont, dass die Auswertung anonym laufe: „Das PEI kann weder die Meldung nachverfolgen, noch erfährt es Namen oder die Mobilfunknummer.“
Darüber hinaus soll ein elektronisches Register die Wirkung der anstehenden Impfkampagne dokumentieren. Das hatten Bund und Länder bereits vergangene Woche beschlossen. Man müsse wissen, „wie gut Deutschland vor Corona geschützt ist“, erklärte nun die Ministeriumssprecherin.
Dazu würden nicht-personenbezogene Daten zu erfolgten Impfungen – Alter, Geschlecht, Land-/Stadtkreis, Impf-Indikation, Ort der Impfung, Impfdatum, Impfstoff-Produkt und verabreichte Dosis – aus den Impfzentren direkt an das Robert-Koch-Institut übermittelt.
Fraglich ist, ob individuelle Lockerungen für das öffentliche Leben aus dem Impfregister hervorgehen könnten. Dagegen spricht, dass es sich um nicht-personenbezogene Daten handeln soll. Das Ministerium verwies dabei auf eine Rechtsverordnung, die aktuell noch erarbeitet wird. In dieser werde festgelegt, „wer geimpft wird und wie das überprüft werden kann“.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte, Ulrich Kelber, sagte der Zeitung „Welt“, er sei beim Impfregister grundsätzlich nicht skeptisch. Ein solches Register lasse sich datenschutzkonform ausgestalten, erklärte er. „Wir werden genau hinschauen, welche Daten erhoben werden, ob die Erhebung notwendig ist und mit wem sie geteilt werden.“
116117 als Termin-Standard
Digital unterstützt werden sollen die Impfzentren zudem bei der Terminvergabe. Bund und Länder hatten beschlossen, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ein standardisiertes Modul zur telefonischen und digitalen Terminvereinbarung für alle Impfzentren entwickeln müsse.
Die Ministeriumssprecherin präzisierte, dass das auf den Strukturen der Telefon-Hotline 116117 aufbauen werde: „Durch standardisierte Konzepte soll eine strukturierte und einheitliche Abwicklung ermöglicht werden.“
Die 116117 stellt den ärztlichen Bereitschaftsdienst dar, den die KBV und ihre 17 Landesorganisationen darstellen. Es handelt sich um eine Hotline und digitale Möglichkeiten zur Beratung und Terminvereinbarung. Ob die Länder das Angebot nutzen, so die Sprecherin, bleibe ihnen aber selbst überlassen.