Windkraft: Aktie von Orsted bricht nach Abschreibung ein
Düsseldorf. Orsted hat am Donnerstag bei der Präsentation seiner Halbjahreszahlen schlechte Nachrichten verkündet: Der dänische Windkraft-Konzern verbucht eine Wertminderung von umgerechnet 523 Millionen Euro.
Die Mitteilung kam bei Anlegern nicht gut an: Die Orsted-Aktien fielen in Kopenhagen um bis zu 9,3 Prozent. Es ist für das Unternehmen der größte Kurssturz seit einem knappen Jahr.
Gründe für die hohen Abschreibungen sind eine stornierte Anlage für grünen Wasserstoff in Schweden und Verzögerungen beim Bau eines Offshore-Windparks in den USA, der jetzt erst 2026 statt 2025 ans Netz gehen soll. Ursache dafür ist kontaminierter Boden auf dem Gelände, auf dem das Umspannwerk des Windparks entstehen soll. Der Strom, den Windräder erzeugen, wird mithilfe von Umspannwerken auf die richtige Stromspannung gebracht, um weitertransportiert zu werden.
Orsted musste bereits im vergangenen Jahr zwei große Projekte in den USA absagen, nachdem Verzögerungen und Probleme in der Lieferkette zu unüberschaubaren Kosten geführt hatten.
„Es ist frustrierend und unbefriedigend“, sagte Orsted-Chef Mads Nipper am Donnerstagmorgen in einem Telefonat mit Journalisten. „Das Risiko ist ein integraler Bestandteil von Projekten. Der US-Markt in der Frühphase ist härter betroffen als andere Märkte.“
Die Abschreibungen sind ein weiterer Rückschlag für das Unternehmen, das 2023 einen Rekordverlust verbuchen musste und einen Abbau von 800 Arbeitsplätzen ankündigte. Dennoch stieg der operative Gewinn den Angaben zufolge im zweiten Quartal überraschend deutlich um 59 Prozent auf 591 Millionen Euro. An seinem Gewinnziel für das Gesamtjahr hielt Orsted trotz der Probleme in den USA fest. Allerdings würden die Investitionen etwas zurückgefahren.
Probleme auch bei Turbinenbauer Vestas
Die Bedingungen für die Windkraftbranche sind derzeit schwierig, wie sich auch bei anderen Akteuren zeigt. Zu Beginn der Woche hatte der weltgrößte Windturbinenbauer Vestas aus Dänemark seine Prognose für das Gesamtjahr eingeengt und verkündet, dass der Service-Bereich eine Sonderbelastung von 300 Millionen Euro verbuchen werde. Die Aktie verlor zeitweise über sieben Prozent an Wert.
Ursache für die Belastung sind laut Vestas höhere Kosten durch die Inflation, steigende Reparaturen und operative Schwächen.
Am Mittwoch hat Vestas ebenfalls Zahlen fürs erste Halbjahr vorgelegt. Das Unternehmen weitete aufgrund des Preisdrucks seine Verluste aus, erwartet aber Besserung im weiteren Verlauf des Jahres. Operativ erreichte das Minus vor Sonderposten nach ersten Berechnungen 185 Millionen Euro nach einem Fehlbetrag von 70 Millionen vor Jahresfrist. Der bereinigte Gewinn erreichte derweil 19 Millionen Euro nach einem Verlust von 175 Millionen.
Vestas-Chef Henrik Andersen erklärte, der Preis und die Rentabilität der Projekte hätten sich verbessert. „Die Aufträge, die wir heute erhalten, deuten darauf hin, dass wir eine Gewinnmarge von zehn Prozent erreichen werden“, sagte er. Zudem sei der Auftragseingang im Quartal um 54 Prozent auf 3,6 Gigawatt (GW) gestiegen.
Mit Agenturmaterial.