Homo oeconomicus: Was die wirtschaftliche Selbstblockade für Deutschland bedeutet
Die Welt verändert sich rasant – geopolitisch wie technologisch. Doch in Deutschland wirkt es, als habe die Platte einen Sprung. Dieselben Empfehlungen, dieselben Auseinandersetzungen – doch nichts geht voran. Das Ergebnis ist politische Selbstblockade in einer Zeit, in der Stillstand Machtverlust bedeutet.
Ein Blick in die Welt macht das besonders deutlich. China treibt Hochtechnologie, Energieinfrastruktur und Künstliche Intelligenz mit enormem Engagement voran. Die Vereinigten Arabischen Emirate investieren ihre Rohstofferlöse systematisch in Technologie, Digitalisierung, erneuerbare Energien und globale Beteiligungen. In vielen Schwellenländern – insbesondere in Asien und im Nahen Osten – gelten Bildung und Leistungsbereitschaft als zentrale Voraussetzung für künftigen Wohlstand.
Der Westen verliert schon länger an Gewicht. Der Anteil Europas und der USA an der globalen Wirtschaftsleistung ist seit den 1960er-Jahren von rund 60 auf etwa 40 Prozent gefallen. Zuletzt verschärfte sich der technologische Wettbewerb, insbesondere zwischen China und den USA – mit Künstlicher Intelligenz als zentralem Machtfaktor der Zukunft. Für Deutschland und die EU mit ihren regulatorischen Fesseln ist das eine strukturelle Herausforderung – wir werden zunehmend abgehängt.
Die USA forderten aufgrund der sich verändernden Kräfteverhältnisse spätestens seit der Präsidentschaft Barack Obamas von ihren europäischen Partnern mehr Eigenverantwortung in der Sicherheitspolitik. Bündnisse funktionieren nur, wenn Lasten geteilt und an neue Realitäten angepasst werden. Bleibt dies aus, verlieren sie an Stabilität. Die aktuelle machtpolitische Zuspitzung mag irritieren, spiegelt aber eine Realität wider: Die Phase unangefochtener US-Hegemonie ist vorbei. Unter Druck wird mit härteren Bandagen gekämpft – das war im Kalten Krieg nicht anders. Dort sind wir wieder.
Wenn Deutschland und Europa in einer neuen Weltordnung mitgestalten wollen, müssen sie sich behaupten – nicht durch Appelle, sondern durch wirtschaftliche Stärke und belastbare Allianzen. Strategische Autonomie setzt voraus, dass Europa beiträgt und ein attraktiver Partner ist, nicht, dass es geschützt werden muss.
Ein zentraler Hebel ist der Abbau von Regulierung
Stärke entsteht nur durch dynamisches Wachstum. Ein zentraler Hebel ist der Abbau von Regulierung. Will man technologisch führend sein, so kann Politik die Zukunft nicht planen – sie muss Bedingungen schaffen, unter denen aus Hochtechnologieforschung Wertschöpfung vor Ort entsteht – durch Freiräume für Unternehmen und Talente.
Dafür ist auch eine Repriorisierung der Staatsausgaben unumgänglich, denn der stetige Anstieg konsumtiver Staatsausgaben blockiert Zukunftsinvestitionen. Ohne wirksame Reformen und konsequente Ausgabenkritik fehlen mittelfristig die finanziellen Spielräume für Verteidigung, Infrastruktur und Bildung.
Deutschlands Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg oder auch der Wiedervereinigung zeigt: Erneuerung gelingt, wenn die politische Führung Realitäten anerkennt, Zumutungen offen benennt und den Menschen Verantwortung zutraut.