Vertrag läuft aus: Berentzen tauscht Pepsi gegen Sinalco
Pepsi-Palette: Die Limonade kommt künftig von Radeberger statt Berentzen und anderen Konzessionären.
Foto: apDüsseldorf. Der Schnapsbrenner Berentzen hat eine Stütze für sein Geschäft mit alkoholfreien Getränken gefunden: Statt Pepsi-Cola hat die Tochter Vivaris künftig Sinalco im Angebot. Damit endet eine mehr als fünfzigjährige Partnerschaft. Seit 1960 hatte Berentzen Pepsi-Cola vertrieben, zuletzt in elf Bundesländern. An zwei Standorten füllte Berentzen die verschiedenen Limonaden des US-Konzerns ab.
Zum Ende des Jahres 2015 sollte der Vertrag mit Pepsi auslaufen, jetzt wird das Aus ein Jahr vorgezogen auf Ende 2014. Gleichzeitig zahlt Pepsi eine Entschädigung in „mittlerer siebenstelliger Höhe“. Die Lohnabfüllung im Auftrag bleibt im brandenburgischen Grüneberg aber bestehen. Der zweite Vivaris-Betrieb produziert am Berentzen-Sitz in Haselünne künftig keine amerikanische Cola mehr, dafür aber Sinalco. Die Existenz beider Standorte sei jetzt weiterhin gesichert, so Berentzen.
In die von Pepsi aufgerissene Lücke springt Sinalco, der mittelständische Getränkehersteller aus Duisburg. Das Unternehmen erhoffe sich einen Absatzanstieg in der Gastronomie. Etliche Betriebe im Vivaris-Vertriebsgebiet dürften von Pepsi auf Sinalco umstellen, so ein Sprecher.
Über die finanziellen Details des Vertrags gaben weder Berentzen noch Sinalco am Dienstag Auskunft. „Das Drei-Säulen-Konzept aus Konzession, Entwicklung der eigenen Marken und Lohnfüllung stellt Vivaris breit und sicher auf“, sagte Berentzen-Chef Frank Schübel. Die Einigung mit beiden Marken bedeute leicht reduzierte Umsätze, aber weiterhin einen positiven Beitrag zum Konzernergebnis, ergänzte ein Sprecher.
Im Juni 2013 hatte Pepsi die regionalen Konzessionäre mit der Entscheidung überrascht, deutschlandweit nur noch auf einen Partner zu setzen. Der Beschluss sei ein „Schock“ gewesen, so Berentzen. Den Zuschlag für den Pepsi-Vertrieb an Gaststätten erhielt die Radeberger Gruppe, die zum Lebensmittel-Riesen Oetker gehört.
Für Berentzen kam die Kündigung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Im ersten Halbjahr 2013 hatte das Unternehmen operativ gerade so einen Gewinn machen können. Die Kündigung brachte Abschreibungen mit sich und so gab es zunächst einen Verlust zu verkraften. Unter dem Strich stand im ersten Halbjahr 2013 ein Minus in Höhe von 5,7 Millionen Euro.
Berentzen kämpft schon lange mit einem Rückgang der Nachfrage nach Spirituosen. Die Eignerfamilien hatten 2008 die Firma mehrheitlich an den Finanzinvestor Aurelius verkauft. Der sanierte den Betrieb und baute kräftig Stellen ab – von 700 auf 500. Das Geschäft mit alkoholfreien Getränken steuert etwa ein Drittel zum Umsatz bei und sollte eigentlich die Probleme beim Schnapsabsatz abfedern.
Der Sinalco-Deal bringt jetzt Hoffnung, dass es nicht ganz so schlimm kommen wird, wie zunächst befürchtet. Die Anleger zeigten sich am Dienstag jedenfalls positiv überrascht. Die Aktie legte am Vormittag um fast fünf Prozent auf zwischenzeitlich 4,88 Euro zu.