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  4. Firmenzusammenschluss – Zeitungsbericht: Diagnostikkonzerne Qiagen und Bio-Rad sprechen über Fusion

DiagnostikkonzerneBericht über mögliche Fusion treibt Qiagen-Aktie in die Höhe

Die Konsolidierung in der Diagnostikbranche schreitet voran. Der Dax-Konzern Qiagen gilt nicht zum ersten Mal als Fusionskandidat.Felix Holtermann, Maike Telgheder, Arno Schütze 11.10.2022 - 16:05 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Im Vergleich zu milliardenschweren Diagnostikkonzernen wie Roche, Abbott oder Thermo Fisher rangiert das Unternehmen im Mittelfeld.

Foto: dpa

New York, Frankfurt. Ein Bericht über Fusionsgespräche mit dem US-Wettbewerber Bio-Rad Laboratories hat den Aktien des Diagnostikkonzerns Qiagen am Dienstag in Frankfurt zu einem zwischenzeitlichen Kurssprung von mehr als sechs Prozent verholfen. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ vom Montagabend würden die Gespräche seit einiger Zeit geführt, schrieb das Blatt unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Eine Einigung sei jedoch nicht in den nächsten Wochen zu erwarten. Möglicherweise könnten die Gespräche auch scheitern, so die Wirtschaftszeitung. Qiagen wollte den Bericht auf Nachfrage nicht kommentieren.

Bei dem Unternehmen, das seit vergangenem Jahr im Leitindex Dax vertreten ist, gab es in der Vergangenheit immer wieder Fusionsgerüchte. Nach dem gescheiterten Übernahmeversuch des US-Konzerns Thermo Fisher im Jahr 2020 soll Qiagen laut Branchenkreisen unter anderem mit dem französischen Konkurrenten Biomerieux und dem US-Diagnostikspezialisten Quidel über einen möglichen Zusammenschluss gesprochen haben.

Auch mit Bio-Rad soll es bereits Gespräche gegeben haben, die nun anscheinend fortgeführt werden. Ob diese zu einem Ergebnis führen, ist laut Branchenkreisen offen.

Beide Konzerne sind etwa gleich groß. Qiagen mit operativem Sitz in Hilden bei Düsseldorf kommt an der Börse derzeit inklusive Schulden auf einen Unternehmenswert von 10,6 Milliarden Dollar, Bio-Rad auf 11,1 Milliarden Dollar.

Qiagen erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,25 Milliarden Dollar und einen bereinigten Nettogewinn von 508,4 Millionen Dollar, während Bio-Rad bei Erlösen von 2,9 Milliarden Dollar rund 452 Millionen Dollar verdiente. Im Vergleich zu milliardenschweren Diagnostikkonzernen wie Roche, Abbott oder Thermo Fisher rangieren beide Unternehmen jedoch im Mittelfeld.

Qiagen wie Bio-Rad verfügen jeweils über eine breite Palette an Produkten, die sich in einigen Bereichen ergänzen. Zum Teil bieten die Unternehmen aber auch vergleichbare Lösungen an.

Qiagen ist auf molekulare Diagnostik fokussiert und vertreibt Materialien, die für die Vorbereitung der Proben benötigt werden, sowie Tests und Analysegeräte. Bio-Rad ist bei Produkten für Life-Science-Labore breiter aufgestellt und bietet beispielsweise in der klinischen Diagnostik immunologische Tests oder auch Diabeteskontrolle an. Kundengruppen beider Unternehmen sind Universitäten und Forschungsinstitute, Pharma- und Biotech-Firmen sowie kommerzielle Labore und solche in Krankenhäusern.

Ende des Coronabooms sorgt für Rückgänge

Wie viele andere Anbieter hat auch Qiagen in der Coronapandemie stark von der zusätzlichen Nachfrage nach Covid-19-Tests und Reagenzien profitiert und konnte im vergangenen Jahr bei Umsatz und Gewinn um mehr als ein Fünftel zulegen.

Ein Effekt, der sich in diesem Jahr so nicht wiederholt. Laut Bloomberg erwarten Analysten 2022 einen Umsatzrückgang um 5,6 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar, beim Nettogewinn soll Qiagen laut Prognosen allerdings leicht über dem Vorjahr abschließen. Auch bei Bio-Rad gehen Beobachter wegen geringerer coronabedingter Verkäufe von einem etwas niedrigeren Umsatz sowie auch Gewinn aus.

Das Unternehmen ist in der deutschen Branche kein Unbekannter. Bereits seit vielen Jahren ist Bio-Rad ein maßgeblicher Aktionär beim Göttinger Laborausrüster und Pharmazulieferer Sartorius. Aktuell halten die Amerikaner hier rund 38 Prozent der Stammaktien.

Anfang August hatte Bio-Rad für rund 170 Millionen Dollar den polnischen Diagnostikspezialisten Curiosity Diagnostics übernommen. Dieser ist dabei, ein Diagnostiksystem für PCR-Schnelltests auf den Markt zu bringen.

Ein erfolgreicher Deal zwischen Qiagen und Bio-Rad wäre die jüngste in einer Reihe von Fusionen auf dem Markt für Medizindiagnostik. In der Branche schreitet die Konsolidierung seit Jahren voran. Erst im vergangenen Jahr bezahlte das US-Unternehmen Illumina mehr als sieben Milliarden Dollar für den Anbieter Grail, der Bluttests zur Erkennung von Krebs vertreibt. Die staatliche Aufsicht FTC hatte versucht, die Übernahme aus Wettbewerbserwägungen zu verhindern, was vor Gericht scheiterte.

Wachsender Markt für Medizindiagnostik

Vor zwei Jahren war eine zehn Milliarden Dollar schwere Übernahme von Qiagen durch den US-Laborausrüster Thermo Fisher gescheitert. Der aktivistische Investor Davidson Kempner Capital Management hatte Qiagen als unterbewertet bezeichnet; die Aktionäre lehnten den Plan ab.

Sollten die jüngsten Fusionsgespräche Früchte tragen, so wäre dies eine der größten Transaktionen der letzten Monate. Gesundheitskonzerne gelten als vergleichsweise rezessionsresistent. Steigende Zinssätze, die hohe Inflation und die Sorge vor einem Wirtschaftsabschwung hatten dennoch auch im Biotech-Bereich zu gesunkenen Bewertungen und fehlenden Finanzierungsquellen für Übernahmen geführt.

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Die auch in den USA notierten Aktien von Qiagen waren am Montag an der Wall Street nach dem Pressebericht zwischenzeitlich um acht Prozent in die Höhe geschossen, während die Anteilscheine von Bio-Rad um knapp zehn Prozent einbrachen. Zum Handelsstart am Dienstag gaben beide Papiere die Gewinne zum Teil wieder ab.

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