Rohstoffe: Planänderung – Glencore wird seine Kohlesparte behalten
Firmenchef Gary Nagle wird in einem Statement mit den Worten zitiert: „Der Verwaltungsrat von Glencore hat unter Berücksichtigung von Risiko- und Chancenszenarien die Beibehaltung des Kohle- und Kohlenstoffstahlgeschäfts anstelle einer Abspaltung befürwortet.“ Bei den Aktionären kam die Entscheidung gut an: Die Glencore-Aktie legte am Mittwoch zeitweise um rund zwei Prozent zu.
Nagle vollzieht damit innerhalb von weniger als einem Jahr eine strategische Kehrtwende: Im vergangenen November hatte Glencore die Mehrheit an den Stahlkohleminen des kanadischen Konkurrenten Teck Resources übernommen und dafür 6,9 Milliarden Dollar gezahlt.
Der Deal sollte den Anfang vom Ende des Kohlegeschäfts bei Glencore einläuten. Denn in einem zweiten Schritt, so hieß es damals, wollte der Konzern das fusionierte Kohlegeschäft abspalten und separat an die Börse bringen.
Der Schweizer Rohstoffkonzern wollte sich auf die Förderung und den Handel von Kupfer und anderen für die Energiewende benötigten Industriemetallen fokussieren. Die Abspaltungspläne hatte Glencore den Aktionären erstmals im Mai vergangenen Jahres präsentiert. Damals verfolgte Nagle noch den Plan, den gesamten Teck-Konzern zu übernehmen, inklusive der Kupferminen.
Glencore: Aktionäre stützen Erhalt des Kohlegeschäfts
Nagle hatte den Teck-Aktionären 23 Milliarden Dollar in Glencore-Aktien geboten. Damit wäre Glencore zu einem der vier größten Kupferproduzenten der Welt aufgestiegen. Doch dieses Vorhaben scheiterte am Widerstand des kanadischen Bergbaupatriarchen Norman Keevil, der die Mehrheit der Stimmrechte an Teck kontrolliert.
Nachdem klar geworden war, dass die Kupferminen von Teck nicht zum Verkauf stehen, hielt Nagle trotzdem an der Fusion der Kohlesparten beider Konzerne fest. Im Anschluss an das Closing des Kohledeals startete Glencore einen Dialog mit Investoren, um herauszufinden, ob diese das schmutzige, aber profitable Geschäft lieber weiterführen oder abspalten wollen. Nagle fügte hinzu, der Konzern habe mit Investoren gesprochen, die zwei Drittel der Stimmrechte auf sich vereinen.
Das Resultat: „Die überwältigende Mehrheit hat sich für einen Erhalt des Kohlegeschäfts innerhalb von Glencore ausgesprochen.“ Noch im vergangenen Jahr sah sich Nagle zunehmenden Forderungen von aktivistischen Investoren ausgesetzt, das Kohlegeschäft auszugliedern. Nun hat sich die Meinung vieler Aktionäre offensichtlich geändert – Profit vor Klimaschutz.
Der Unternehmenschef erklärt den Sinneswandel der Aktionäre so: „Der Markt hat sich stark verändert und erkennt an, dass die Welt nach wie vor auf Kohle angewiesen ist.“
Immer weniger Investoren würden dagegen Kohle-Investments aufgrund von ESG-Kriterien, also Nachhaltigkeitskriterien, ausschließen. „Das Pendel bei ESG schwingt in die Gegenrichtung“, sagt Nagle. Zudem seien die Aktionäre ebenso wie das Glencore-Management überzeugt, dass es auch für die Umwelt besser sei, das Kohlegeschäft in Eigenregie nach einem festgelegten Plan schrittweise abzubauen.
Glencore produzierte 2023 47 Millionen Tonnen Kraftwerkskohle
Im abgelaufenen Jahr produzierte Glencore den am Mittwoch veröffentlichten Zahlen zufolge mehr als 47 Millionen Tonnen Kraftwerkskohle zur Energieproduktion sowie 3,4 Millionen Tonnen Hüttenkohle für die Stahlproduktion. Das Kohlegeschäft machte mit einem bereinigten Vorsteuerergebnis von 1,8 Milliarden Dollar im abgelaufenen Halbjahr knapp ein Drittel des Gesamtergebnisses aus.
Ein Teil der Profite aus dem Kohlegeschäft wolle Glencore in den Ausbau der Produktion von kritischen Industriemetallen wie Kupfer investieren. Zudem soll ein Teil der Gewinne in Form von Aktienrückkäufen und Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Daher, ist Nagle überzeugt, sei der Erhalt des Kohlegeschäfts sowohl für die Aktionäre als auch die Umwelt die beste Strategie.