Umsatzprognose: MTU drohen Belastungen durch Triebwerk-Rückruf
Stärkster Umsatzbringer für MTU war das Geschäft mit neuen Triebwerken für Zivilflugzeuge, das um 40 Prozent anzog.
Foto: dpaMünchen. Dem Münchner Triebwerks-Hersteller MTU macht ein Rückruf von 1200 Getriebefan-Triebwerken seines Partners Pratt & Whitney zu schaffen. „Während des Getriebefan-Inspektionsprogramms werden wir Gegenwind für unseren Free Cashflow spüren“, sagte Finanzchef Peter Kameritsch am Mittwoch. „Wir werden unser stringentes Cash-Management konsequent weiter ausbauen, um die Auswirkungen bestmöglich zu begrenzen.“
MTU-Chef Lars Wagner sprach von moderaten Auswirkungen, welche der Rückruf auf die mittelfristige Ergebniserwartungen habe. Es werde wohl noch etwa sechs Wochen dauern, bis das Problem genau eingegrenzt sei und damit auch die Kosten feststünden.
Pratt & Whitney hatte am Dienstag angekündigt, wegen Problemen mit einem Metall Triebwerke in die Werkstätten zurückzubeordern, an denen auch MTU beteiligt ist. Bei den Triebwerken kommt ein Pulvermetall zum Einsatz, bei dem es zu Einschlüssen kommen könne, sagte Wagner. Das Material sei ein Pratt & Whitney-Werkstoff, den MTU selbst nicht verwende. Er betonte, dass es sich nicht um ein Triebwerks-Design-Problem handle. „Die Produktion von neuen Triebwerken und Ersatzteilen ist davon nicht betroffen.“
MTU hält an Prognose fest
An seiner Prognose für das laufende Jahr hält MTU fest. Triebwerkshersteller weltweit profitieren derzeit vom anziehenden Flugverkehr nach dem Ende der Corona-Pandemie. MTU steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr um ein Viertel auf 3,1 Milliarden Euro. Der Gewinn zog um 45 Prozent auf 300 Millionen Euro an. Allein bei der jüngsten Luftfahrtmesse in Paris sammelten die Münchner Aufträge von mehr als einer Milliarde Dollar ein.
Stärkster Umsatzbringer war das Geschäft mit neuen Triebwerken für Zivilflugzeuge, das um 40 Prozent anzog. MTU baut unter anderem Triebwerke für die Airbus-Bestseller A320neo. Dazu kommt das Geschäft mit Ersatzteilen und Wartung: Weil die Flugzeugbauer Airbus und Boeing mit ihrer Produktion nicht hinterherkommen, sind viele Maschinen bei den Fluggesellschaften länger in Betrieb als eigentlich geplant.
Auch der britische Triebwerksbauer Rolls-Royce profitiert von der anziehenden Luftfahrt sowie dem stärkeren Militärgeschäft und hob seine Prognose deutlich an. Der Betriebsgewinn werde im Gesamtjahr zwischen 1,2 und 1,4 Milliarden Pfund liegen - 45 Prozent mehr als bislang vorhergesagt und mehr als von Analysten erwartet. Rolls-Royce-Chef Tufan Erginbilgic sagte, das Sparprogramm zeige Erfolge.
Schon im ersten Halbjahr liege der Gewinn von Rolls-Royce rund doppelt so hoch wie am Markt mit 328 Millionen Pfund erwartet. Ein großer Teil des Gewinns bei dem Triebwerksbauer hängt von den Flugstunden ab - in der Pandemie bekam das das Unternehmen stark zu spüren, inzwischen profitieren die Briten aber wieder von diesem Modell. An der Börse kam die höhere Prognose gut an: Die Aktien schnellten um mehr als ein Fünftel nach oben.