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Erneuerbare EnergienWie Unternehmen Geld sparen und Emissionen reduzieren können

Immer mehr Mittelständler nutzen langfristige Stromlieferverträge mit Erneuerbare-Energie-Anlagen. Worauf sie dabei achten müssen und wo sie Hilfe bekommen.Stefan Terliesner 23.08.2024 - 09:45 Uhr Artikel anhören
Windrad: Bis 2030 sollen 80 Prozent des produzierten Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Quellen kommen. Foto: Boris Roessler/dpa

Köln. Im niedersächsischen Einbeck ragen neun Windenergieanlagen 240 Meter in die Höhe. Der produzierte Strom wird über den Dienstleister Engie Energy Management Solutions an Industriebetriebe vertrieben.

Einen Großteil kauft das Familienunternehmen Rehau Group. „Es ist uns ein großes Anliegen, die im Unternehmen verursachten Emissionen deutlich zu reduzieren. Das geht nicht von heute auf morgen, aber mit Projekten wie eigenen Photovoltaikanlagen oder dem Strombezug aus dem Windpark kommen wir Schritt für Schritt voran“, sagt Kristina Eschenbacher, Category Manager Energy bei Rehau Industries.

Rehau steht für einen Trend. Denn immer mehr Unternehmen schließen Verträge mit einem Betreiber von Erneuerbare-Energie-Anlagen. Im Fachjargon heißen diese Verträge Power Purchase Agreements, kurz PPAs. Sie läuten eine neue Ära auf dem Strommarkt in Deutschland ein.

„Nach großen Industriekonzernen nutzen zunehmend auch Mittelständler diese Abkommen, um günstigen Ökostrom zu beziehen“, sagt David Budde, Gründer und Geschäftsführer von Trawa. Das Start-up begleitet Unternehmen dabei, nachhaltigen Strom zu beschaffen.

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Ein weiteres Beispiel ist der Kunststoffverarbeiter Ensinger aus Nufringen in Baden-Württemberg. Er hat eigenen Angaben zufolge einen Strombezugsvertrag über zehn Jahre mit dem Energiekonzern RWE abgeschlossen. Künftig werde fast die Hälfte des jährlichen Strombedarfs der deutschen Werke mit Energie aus Windkraft gedeckt. Den Grünstrom liefere der RWE-Windpark vor der Küste Helgolands.

Weitere Beispiel für Unternehmen, die PPAs nutzen, sind der Spezialglasproduzent Gerresheimer, der Holzwerkstoffhersteller Sonae Arauco, der Anbieter von E-Ladelösungen Allego, der Anbieter von Kunststoffrohrsystemen Aliaxis, der Fachhändler Futterhaus und der Zementhersteller Opterra.

Auf Anfrage bestätigt ein Sprecher von PNE, einem Projektierer und Betreiber von Windparks, „eine steigende Nachfrage von kleinen und mittleren Unternehmen nach langfristigen Stromabnahmeverträgen“.

Rasantes Wachstum

Laut „PPA-Marktanalyse Deutschland 2023“ der Deutschen Energieagentur (Dena) verzeichnet der deutsche PPA-Markt „ein rasantes Wachstum“. Von 2022 auf 2023 habe sich die Anzahl der Abschlüsse mit 42 fast verdoppelt. Die Kapazitäten an erneuerbaren Energien, die 2023 mit Stromabnahmeverträgen vermarktet wurden, hätten sich auf 3,6 Gigawatt mehr als vervierfacht.

Unverändert dominierten Solar- und Windanlagen den PPA-Markt. Erste bilaterale Abkommen zur Produktion von grünem Wasserstoff seien unterzeichnet worden.

Die Autoren der Dena-Studie erwarten, dass „die geplante Wasserstoffproduktion in Kombination mit den Regelungen der EU zur Produktion von grünem Wasserstoff die PPA-Nachfrage weiter kräftig ankurbeln wird“. Ein weiterer Treiber sei die Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, im EU-Fachjargon Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) genannt. Damit steige der Druck auf Unternehmen, Emissionen zu reduzieren.

Unverändert dominierten Solar- und Windanlagen den PPA-Markt. Foto: imago images/Shotshop

Ein Kennzeichen von PPAs ist, dass Energielieferanten und Unternehmen die Konditionen frei aushandeln. Das erfordert Wissen über die Funktionsweise des Strommarktes, schafft im Gegenzug aber Planbarkeit.

PPAs bieten den Beteiligten Klarheit in Bezug auf Preise, Mengen und andere Faktoren. „Sie lassen sich flexibel an die Bedürfnisse der Abnehmer anpassen“, sagt Markus W. Voigt, CEO des Erneuerbare-Energien-Investors Aream Group. Und mithilfe der PPAs könnten Firmen ihre Nachhaltigkeitsziele verfolgen, ohne selbst investieren zu müssen. „Das macht PPAs zu einer günstigen Variante bei der Umstellung auf Grünstrom“, betont Voigt.

Über die Herkunftsnachweise für erneuerbare Energie wird das Nachhaltigkeitsimage und -rating eines Unternehmens verbessert. Der Strom könne direkt zum Abnehmer transportiert werden oder indirekt über das öffentliche Netz. Interessant findet Voigt auch PPA-Lösungen auf dem eigenen Werksgelände – zum Beispiel eine Solaranlage auf dem Dach des Industriekunden. Die Investitionskosten dafür übernimmt der Entwickler.

Komplexer Markt

Ein Kinderspiel ist der Stromeinkauf für mittelständische Unternehmen allerdings nicht. Wie Trawa-Geschäftsführer Budde ausführt, „fehlen ihnen oft die personellen Ressourcen und die Expertise, um sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen“. Zudem mangele es Mittelständlern häufig an Einblick in relevante Daten und Informationen über den Strommarkt.

Dienstleister könnten helfen, diese Herausforderungen zu bewältigen. Mithilfe einer Analyse könnten Unternehmen ihren individuellen Strombedarf analysieren und darauf aufbauend eine Einkaufsstrategie entwickeln.

Die Analyse gebe Auskunft über den zeitlichen Verlauf des Stromverbrauchs und sei eine wichtige Grundlage, um das optimale Stromeinkaufsportfolio zu bestimmen. Hier entscheide sich, ob PPAs sinnvoll sein können. Neben Trawa bietet zum Beispiel First Climate PPA-Consulting an.

Wer ein PPA für sein Unternehmen in Erwägung zieht, sollte sich in jedem Fall von einem Akteur mit entsprechender rechtlicher Erfahrung beraten lassen.
Deutscher Mittelstands-Bund

Der Deutsche Mittelstands-Bund (DMB) weist in einem Fachbeitrag darauf hin, dass rechtliche Beratung wichtig ist: „Wer ein PPA für sein Unternehmen in Erwägung zieht, sollte sich über die verschiedenen Möglichkeiten und die passende Ausgestaltung eines solchen Liefervertrags in jedem Fall von einem Akteur mit entsprechender rechtlicher Erfahrung beraten lassen.“

Relevante Informationen finden Interessierte auch bei der Marktoffensive Erneuerbare Energien, einem Zusammenschluss von rund 50 Unternehmen, die dazu beitragen wollen, dass Deutschland seine Energiewendeziele erreicht.

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Die Marktoffensive Erneuerbare Energien hat einen PPA-Standardvertrag veröffentlicht. Das Muster bietet insbesondere kleinen Unternehmen und Stadtwerken die Möglichkeit, „auch ohne vertiefte Kenntnisse über PPA-Vertragsarten und Strommarkteffekte einen Liefervertrag abschließen zu können“, wie die Initiative mitteilt. Der Text des Mustervertrags lässt sich anpassen.

Schwankungen in der Erzeugung innerhalb dieser vertraglich vereinbarten Lieferung müssten nicht über entsprechende Vertragsoptionen geregelt werden, sagt Tibor Fischer, Sprecher der Marktoffensive Erneuerbare Energien: „So öffnen wir den PPA-Markt für kleine Abnehmer.“

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