Motel One: „Wir haben immer mal überlegt, wie klein man ein Zimmer noch machen kann“
Frau Schelle-Müller, Herr Müller, damals, als Sie Motel One ersonnen haben, haben Sie Stellwände geschoben, bis Sie das richtige Maß hatten, exakt 15,8 Quadratmeter. Haben Sie je in einem perfekten Hotelzimmer übernachtet?
Müller: Ich glaube, das gibt es nicht.
Warum nicht?
Müller: Weil jeder Gast andere Ansprüche hat – auch abhängig von seiner jeweiligen Situation. Wenn der Anspruch ist, in der Stadt zu übernachten, günstig, aber dennoch mit einer guten Atmosphäre, kann man diesen Anspruch erfüllen. Aber sobald das ein bisschen abweicht, wird es schwieriger. Bleibt jemand länger, kommt ein Partner mit oder ohne Kinder – jedes Mal haben Sie eine andere Situation.
Eine unmögliche Mission?
Schelle-Müller: Man kann immer nur versuchen, sich der Erwartung und der Situation so weit wie möglich anzunähern.
Luxushotelketten bauen Mock-up-Zimmer, in denen die Mitarbeiter vorher Probe wohnen müssen, um möglichst vieles korrekt hinzubekommen.
Müller: Das musste bei uns keiner.
Wie war das denn bei Ihrem neuen Luxushotel, dem Chiemgauhof – das ist ja eine ganz andere Liga als Motel One. Hatten Sie da eine klare Vorstellung, was die Zimmer dieses Haus können sollen?
Schelle-Müller: In der Tat war die Herangehensweise hier im Chiemgauhof anders. Hier stand das Gesamtkonzept, das Gasterlebnis am See, im Vordergrund. Mit 28 Suiten sind wir – im Gegensatz zu Motel One – ein richtiges Boutique-Hotel. Die Suiten sollten alle Seeblick haben und der Gast die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen. Ein Gast wird hier während seines Aufenthalts durchaus Zeit im Zimmer und auf dem Balkon verbringen und hat daher auch andere Erwartungen, auf die wir eingehen.