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Firmenstart von „Wax in the City“Was weiblichen Gründern entgegenschlägt

Wenn Frauen ein Unternehmen aufziehen wollen, stoßen sie nicht selten auf Vorurteile. Das mussten auch die Gründerinnen von „Wax in the City“ erfahren. Denn viele Banken zeigen immer noch großes Misstrauen.Anja Müller 28.06.2012 - 20:11 Uhr Artikel anhören

Die Gründerinnen von „Wax in the City“: Christine Margreiter (l.) und Sibylle Stolberg.

Foto: Pressebild

Düsseldorf. Es ging um 70 000 Euro. Der Businessplan hatte die Bürgschaftsbank überzeugt, die Zusage lag vor, und der Mietvertrag für das erste Waxing-Studio war bereits unterschrieben. Da machte die Hausbank von Christine Margreiter und Sibylle Stolberg einen Rückzieher: "Wir zweifeln am wirtschaftlichen Erfolg der Branche", hieß es bei der Bank, die seitdem nicht mehr die Hausbank der beiden Berliner Gründerinnen ist.

Damals, im Jahr 2004, war Haarentfernung unter den Achseln, an den Augenbrauen oder in der Bikinizone eine diskrete Sache, über die frau nicht sprach. Sie fand bei Kosmetikerinnen statt, tat weh und war nicht immer professionell, erinnert sich Christine Margreiter.

Ihrem Unmut darüber machte sie bei einem Austernessen unter Freunden Luft. Neben ihr schlürfte Sibylle Stolberg. Die gelernte Mikrobiologin, die als Unternehmensberaterin gearbeitet hatte, entwickelte noch am selben Tag mit der Marketingmanagerin Margreiter die Idee für ihre eigenen Waxing-Studios.

Sie sollten architektonisch weit von der Kosmetikerinnenkabine entfernt sein - und sich auf die Haarentfernung mit Warmwachs in den großen Städten spezialisieren.

Als Margreiter den Begriff "Waxing-Studio" damals in die Google-Internet-Suchmaschine eintippte, gab es null Treffer. Doch beide Frauen, die sich bis dahin nur flüchtig kannten, recherchierten, flogen nach Brasilien ins Mutterland des Waxings und konnten sich mit jedem Tag besser vorstellen, wie das Geschäft mit gut geschulten Mitarbeiterinnen laufen könnte. Schließlich hatten sie ein Bedürfnis ausgemacht, das sie mit vielen Frauen teilten.

Aus Sicht ihrer Hausbank aber passten Margreiter und Stolberg offenbar gleich in mehrere Muster weiblicher Gründerinnen. Das erste besagte: Frauen arbeiten zwar viel, verdienen aber wenig. Bestätigt wird dies jetzt auch von einer Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM), die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Sie belegt: In der obersten Verdienstliga der Selbstständigen spielen wesentlich weniger Frauen als Männer. Nur 17 Prozent der weiblichen Unternehmerinnen verdienen pro Monat 3 200 Euro und mehr. Zum Vergleich: Bei den männlichen Selbstständigen liegt der Anteil bei rund 30 Prozent und ist damit fast doppelt so hoch (siehe Grafik).

Ein Studiobeispiel von „Wax in the City“.

Foto: Pressebild

In das typische Muster deutscher Gründerinnen passte auch das Alter der beiden Frauen, die kurz vor ihrem 40. Geburtstag standen. Dies sei eine Phase, in der viele Frauen ganz pragmatisch ein Unternehmen gründen, weiß Carlotta Köster-Brons, Geschäftsführerin des Verbands der Unternehmerinnen. Denn bei vielen gelinge nach der Elternzeit der Wiedereinstieg in den Beruf nicht mehr.

Tatsächlich aber war all dies bei den Gründerinnen von Wax in the City anders. Christine Margreiter war noch nie angestellt gewesen. Sie hatte zuvor Kulturveranstaltungen in Österreich organisiert und Immobilienentwickler in Berlin beraten, wenn es um Marketingfragen ging. Sibylle Stolberg bekam gerade ihr erstes Kind.

Der dritte Grund, der gegen die Gründerinnen von Wax in the City sprach, war aus Sicht der Bank die Branche. Frauen gründen häufig Dienstleistungsunternehmen, Einzelhandelsgeschäfte oder bieten Gesundheits- oder soziale Dienste an. In allen diesen Branchen verdient man wenig, weiß Köster-Brons.

Außerdem stellt eine Mehrheit von Gründerinnen den wirtschaftlichen Erfolg Ihres Unternehmens nicht genug in den Vordergrund, hat Köster-Brons festgestellt. Manche Unternehmerinnen fänden es sogar moralisch bedenklich, viel Geld zu verdienen, "Viele Frauen betonen, dass ihnen die Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit wichtiger sei."

Das bestätigt Dagmar Braun. Sie führt mit ihrem Ehemann die Braun-Beteiligungsgruppe, die zu den 100 größten Unternehmen in Ostdeutschland zählt. Das Unternehmen ist mit Pharmaprodukten wie Baldrian Dispert und Gelosil bekannt geworden und hat seit der Gründung 1973 Beteiligungen in der Lebensmittel- und Metallverarbeitungsbranche zugekauft.

"Mein Mann hat sich früher immer mehr ausgezahlt als ich", erinnert sie sich, "aber er hat auch mehr gearbeitet." Außerdem habe sie sich nicht über Gehalt und Autos definiert. "Das ist mir einfach nicht so wichtig." Braun ist überzeugt, dass viele Frauen nach ganz anderen Kriterien gründen als Männer. Letztere starteten häufig aus einer leitenden Position heraus, sagt sie. "Eine Frau fragt: Wovon kann ich leben?"

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Margreiter und Stolberg aber wollten nicht nur davon leben, sie wollten expandieren. Sie dachten gleich von Anfang an groß: Sie hatten bereits bei der Geschäftsidee weit über die Stadtgrenzen hinausgeblickt. Sie waren bereit, ein hohes unternehmerisches Risiko zu tragen.

Das Startkapital bekamen die beiden 2005 schließlich von ihren Familien und Freunden "gepumpt". Den Break-even erreichte Wax in the City im zweiten Jahr nach der Gründung.

Jedes Jahr stiegen Umsatz und Zahl der Studios deutlich. Heute betreiben sie insgesamt 18 Studios, 150 Mitarbeiter in Großstädten von Deutschland, Österreich, der Schweiz und Irland setzten 2011 knapp sieben Millionen Euro um. Noch immer aber ist Margreiter nicht zufrieden - will heißen, sie sieht vor allem eines: Potenzial.

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