Mittelstand: Immer mehr Unternehmen zahlen ihre Rechnungen zu spät
Düsseldorf. Immer mehr Unternehmen in Deutschland begleichen ihre Rechnungen verspätet – und das, obwohl Lieferanten längere Zahlungsfristen einräumen.
Knapp zwölf Prozent der Unternehmen – etwa 360.000 Firmen – zahlten im ersten Halbjahr 2025 mit Verzug. Das zeigt eine Analyse der Wirtschaftsauskunftei Crif (vormals Bürgel) zum Zahlungsverhalten im Geschäftsverkehr für das Handelsblatt. Im Vorjahreszeitraum gehörten acht Prozent der Unternehmen zu den „Zu-spät-Zahlern“.
Besonders spät zahlen die Branchen Gastgewerbe, Maschinenbau, Gesundheits- und Sozialwesen sowie das Baugewerbe. Nach Bundesländern betrachtet ist der Anteil der Unternehmen mit überfälligen Rechnungen in Hamburg mit 17,1 Prozent und in Niedersachsen mit 16,1 Prozent besonders hoch.
Drei Jahre ohne Wachstum, höhere Kosten, eine flaue Nachfrage und geopolitische Unsicherheiten bringen immer mehr Unternehmen in Zahlungsverzug. Frank Schlein, Unternehmenschef von Crif, sagt: „Je länger eine Rezession andauert, desto stärker geraten viele Unternehmen in Liquiditätsengpässe.“ Die Lage sei angespannt.
Verspätete Zahlungen seien nicht nur ein betriebswirtschaftliches, sondern auch ein ernstes volkswirtschaftliches Problem. „Sie schwächen die Investitionskraft und gefährden Beschäftigung. Außerdem führen sie zu Kettenreaktionen, die das Finanzsystem belasten und eine wirtschaftliche Erholung verzögern oder verhindern können“, sagt der Bonitätsexperte.