Carsten Maschmeyer und Cum-Ex-Deals: Der ahnungslose Milliardär
Angeblich kein Finanzprofi.
Foto: dpaDüsseldorf. Er habe eine gewisse Gabe, sagt dieser Mann über sich selbst. „In unserer Branche, im Finanzwesen, kann ich Märkte riechen.“ Wenn Carsten Maschmeyer dann Zweifel in den Augen seines Zuhörers entdeckt, richtet der 57-Jährige sich mit seinen 1,90 Meter Körpergröße auf, hebt den Kopf und schnuppert demonstrativ an der Luft. So kann kein Zweifel bleiben: In Geldangelegenheiten ist er absoluter Profi.
Die Sache hat nur einen Haken. Am Donnerstag wird Maschmeyer als Zeuge in einem Untersuchungsausschuss in Berlin auftreten. Im Vorfeld ist eine ganz andere Geschichte über seine Finanzexpertise durchgesickert. Es ist die Geschichte, die der Milliardär der Staatsanwaltschaft Köln erzählt hat. Und die geht so: Carsten Maschmeyer, der sein Vermögen mit der Vermittlung von Finanzdienstleistungen verdiente, hat von Geldangelegenheiten keine Ahnung.
Das Gremium, vor dem er auftritt, hat eine große Aufgabe. Zwölf Milliarden Euro sollen dem Fiskus entgangen sein, weil Banken und reiche Investoren Geschäfte machten, bei denen die Gewinne direkt aus der Staatskasse kamen. Mehrfache Erstattung einer nur einmal gezahlten Kapitalertragsteuer lautete das Geheimnis der sogenannten Cum-Ex-Deals. Weil der Staat geschlagene zwölf Jahre brauchte, um den Missbrauch abzustellen, muss der Ausschuss die Schuld der Banken beleuchten und das Versagen der Politik.
Maschmeyer allerdings, so viel ist klar, möchte weder als gierig noch als unfähig auftreten. Er will als Zeuge und Opfer aussagen. In Geschäfte der Machart Cum-Ex habe er nie wissentlich investiert. Es war alles ganz anders. Nämlich so: Im Spätsommer 2010 klingelte sein Telefon, berichtete Maschmeyer der Staatsanwaltschaft. Eric Sarasin war dran, der Chef der Schweizer Privatbank Sarasin. Seine Bank habe „einen speziellen Fonds“ initiiert, sagte Sarasin. Ob er mal einen Mitarbeiter vorbeischicken dürfe? Er durfte.
Was der Mitarbeiter vortrug, klang wie die Quadratur des finanztechnischen Kreises: hohe Rendite, null Risiko. Maschmeyer gefiel das – und er überwies kurz darauf fünf Millionen Euro.
Die Beamten der Staatsanwaltschaft Köln hörten aufmerksam zu. Sie ermittelten wegen Steuerhinterziehung und hatten Maschmeyer als Zeugen geladen. Welche Dokumente er sich denn vor diesem Investment angesehen habe, fragten sie. Keine, antwortet Maschmeyer. Ein, zwei Zettel habe man ihm hingehalten. Mehr nicht. Von Eric Sarasin gibt es andere Aussagen. Offiziell kommentiert die Bank das Verfahren nicht.
Maschmeyer behauptete jedenfalls, sich bei seiner Millioneninvestition allein auf wörtliche Zusagen verlassen zu haben. Selbst wenn man ihm Cum-Ex-Geschäfte erklärt hätte, verstanden habe er sie nicht. Er sei halt kein Finanzprofi und steuerlich ohnehin Laie. Das könne sein Steuerberater bestätigen.
Millioneninvestment mit Papas Erlaubnis
Obgleich Maschmeyer die risikolose und renditestarke Geldanlage nicht verstand, empfahl er sie doch eifrig weiter. Gegen Jahresende 2010 meldete seine Bank, der Fonds entwickle sich weit über Plan, die Rendite lag bei mehr als 25 Prozent. Nun gab es einen neuen Fonds. Maschmeyer legte diesmal zehn Millionen Euro an. Dann holte er weitere Investoren dazu.
Maschmeyer schickte seinen 21-jährigen Sohn Marcel nach Zürich. Der kam begeistert zurück. „Das ist ja irre, sicher sieben bis zehn Prozent, da kann nichts passieren, das ist versichert, das ist doch klasse“, habe Marcel berichtet. Mit Papas Erlaubnis investierte er 20 Millionen Euro.
Der Finanz-Unternehmer Carsten Maschmeyer (56) wird Juror in der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“. Die dritte Staffel der Gründer-Show wird ab Herbst 2016 ausgestrahlt, die Dreharbeiten sollen im Februar 2016 beginnen. „Sie wollten einen weiteren Löwen, der tatsächlich brüllen kann. Und über das notwendige Kapital verfügt“, sagte Maschmeyer der „Bild“. Der Investor ist mit Schauspielerin Veronica Ferres (50) verheiratet. „Sie hat mir nur schon mal den generellen Tipp gegeben: „Lass die Krawatte weg und behalte dein fröhliches Lächeln, auch wenn eine Idee mal völlig daneben ist.“
Foto: dpaDie Investoren Vural Öger (l-r), Judith Williams, Frank Thelen, Lencke Wischhusen und Jochen Schweizer werben hier gemeinsam für die VOX-Sendung "Die Höhle der Löwen". Zwei davon sind inzwischen ausgeschieden: der Reiseunternehmer Vural Öger und Lencke Steiner, Chefin einer Firmengruppe im Verpackungsbereich. Neben Maschmeyer ist auch Ralf Dümmel, Chef des internationalen Handelsunternehmens DS Produkte GmbH, neu dabei.
Schauspielerin Veronica Ferres (50) und ihr Mann, der Unternehmer Carsten Maschmeyer (56), haben im Herbst 2015 Flüchtlingsfamilien aus Syrien bei sich aufgenommen. Dies ist ein gemeinsames Bild mit den Flüchtlingen.
Foto: Handelsblatt„Da in meinem Haus in Hannover seit längerer Zeit die Kinderzimmer ungenutzt leer stehen, haben wir uns entschieden, Kriegsflüchtlingen Unterkunft zu gewähren“, sagte Maschmeyer der „Bild“-Zeitung. Seine Ehefrau Veronica Ferres engagiert sich außerdem in Schulen - hier beim Vorlesetag Mitte November.
Foto: dpaAlle lebten unter einem Dach, mit gemeinsamem Wohnzimmer und gemeinsamer Küche, berichtet die „Bild“-Zeitung. Die beiden Männer flohen zu Fuß beziehungsweise per Schiff und holten ihre Frauen und die insgesamt fünf Kinder nach, nachdem sie in Deutschland als Bürgerkriegsflüchtlinge anerkannt wurden.
Foto: HandelsblattWer gehört und gesehen habe, was diese Flüchtlinge erlebt hätten, „der wird sehr bescheiden und dankbar für das Leben, das wir Deutsche hier in unserem Land in Sicherheit und mit seinen großartigen Chancen führen dürfen“, sagte Ferres. Hier besucht sie mit ihrem Mann die Bambi-Verleihung im November 2015.
Maschmeyer nannte die Erfahrung des Zusammenwohnens „unendlich kostbar“. Nach zehn Wochen unter einem Dach sei jetzt für die erste Familie eine eigene Wohnung gefunden worden, bald solle auch die zweite ein neues Zuhause haben.
Foto: HandelsblattIm Rampenlicht
So kennt man Carsten Maschmeyer: An der Seite der bekannten deutschen Schauspielerin Veronica Ferres steht er im Blitzlichtgewitter der Fotografen. Dieses Bild entstand am 25.07.2013 in Bayreuth beim Staatsempfang im Neuen Schloss. Zuvor waren die 102. Bayreuther Festspiele mit Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ eröffnet worden.
Hier geht es zum Kurzinterview mit Carsten Maschmeyer
Foto: dpaLiebling der Prominenten
Ein Jahr zuvor ein ähnliches Bild. Man kennt sich, man trifft sich - und besonders gerne in Bayreuth. Ex-Außenminister Guido Westerwelle (links) von der FDP begrüßt hier Maschmeyer herzlich. Dessen Lebensgefährtin Veronica Ferres und Westerwelles Lebensgefährte, Michael Mronz, sprechen miteinander. Treffpunkt ist der rote Teppich vor dem Festspielhaus in Bayreuth am 25. Juli 2012. Anlass: Die Eröffnung der 101. Bayreuther Festspiele.
Foto: dapdBoxenstopp in München
Beliebter Treffpunkt in Maschmeyers neuer Welt sind auch Boxkämpfe. Hier posiert er im Februar 2012 mit seiner Lebensgefährtin Veronica Ferres und Lilly Becker, der Frau des deutschen Tennisidols Boris Becker. Ort: Olympiahalle in München vor dem Boxkampf zwischen Vitali Klitschko und Dereck Chisora am Ring. Klitschko gewann nach zwölf Runden nach Punkten gegen Chisora.
Foto: dpaHelfer der Sportler
Der Sport ist fester Bestandteil im Leben Maschmeyers. Gerne hilft er auch. Hier lassen sich Ferres und Maschmeyer beim 43. Ball des Sports in den Rhein-Main-Hallen blicken. Dieser fand Anfang Februar 2013 in Wiesbaden statt.
Wie Maschmeyer Veronica Ferres eroberte
Foto: dpaBald wird geheiratet
Was das Paar Maschmeyer/Ferres auch tut, es wird beachtet – und daher auch inszeniert. Bei „Wetten, dass..?“ verkündete Veronica Ferres im April 2014, noch in diesem Jahr heiraten zu wollen. „Wir wissen wann und wo – und ich weiß auch wen“, sagte Ferres in der Show. „Es wird dieses Jahr sein“, fügt sie hinzu. Die Details werde sie aber noch nicht öffentlich machen: „Wir wollen es erst unseren Kindern sagen“, erklärte sie.
Bei einer früheren „Wetten, dass..?“-Sendung hatte Ferres vor laufenden Kameras scherzhaft dem Entertainer Hape Kerkeling (rechts) einen Heiratsantrag gemacht. Der hatte damals abgelehnt. Am 5. April tanzten Ferres und Kerkeling in Offenburg einen Hochzeitwalzer – dazu trug die Braut in spe einen weißen Schleier.
Da ist es passiert: Veronica Ferres küsst am 27.09.2014 in der Nähe von Nizza (Frankreich) ihren frischgebackenen Ehemann Carsten Maschmeyer. Die Trauung des Paares fand unter freiem Himmel an der Mittelmeerküste statt.
Foto: dpaRund 140 Gäste verfolgen die Trauung von Veronica Ferres und Unternehmer Carsten Maschmeyer in der Nähe von Nizza. Die Gäste des Bräutigams waren unter anderem Frank Strauß (Vorstandsvorsitzender der Postbank), Philipp Rösler (Managing Director World Economic Forum), Bernd Freier (Eigentümer sOliver) und Ferdinand Oetker. Gäste der Braut waren unter anderem John Malkovich, Mario Adorf sowie die Schauspieler Kostja Ullmann und Vladimir Burlakov. Gemeinsamer Gast: Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder.
Foto: dpaFalsch investiert?
Das neue Leben im Lichte der Öffentlichkeit ist jedoch nicht immer lustig. Denn es wird viel berichtet, was sonst unter der Decke bliebe. Ein Beispiel: Zum Freundeskreis von Carsten Maschmeyer gehört auch der Fußballtrainer Mirko Slomka. Diesem gab Maschmeyer offenbar gelegentlich Anlagetipps. So erfuhr das Magazin „Stern“, dass der frühere HSV-Trainer Slomka und die Schauspielerin Veronica Ferres 2010/2011 über Carsten Maschmeyer in einen Fonds investiert haben. Dieser betrieb jedoch sogenannte Cum-Ex-Geschäfte. Dabei ging es um dubiose Aktiengeschäfte zulasten deutscher Steuerzahler, mit denen sich sogar der Bundesfinanzhof beschäftigte. Die Betroffenen behaupteten laut „Stern“ später, sie hätten die Geschäfte nicht durchschaut.
Mehr über seine Verbindungen zum Fußball
Foto: ReutersErst Millionenverlust, dann Schadensersatz
Ärger hatte Maschmeyer zeitweise mit der Schweizer Privatbank Sarasin. Im Streit um Verluste aus umstrittenen Fonds-Investments der Bank Sarasin verbündete er sich mit anderen Bank-Kunden. „Die Anwälte der Geschädigten arbeiten jetzt in dem Fall zusammen und tauschen Dokumente aus“, sagte Maschmeyer dem Handelsblatt. Es ginge um ein Anlagevolumen von rund 300 Millionen Euro verteilt auf rund 50 Kunden. Maschmeyer hatte gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Veronica Ferres und dem befreundeten Fußballtrainer Mirko Slomka insgesamt 40 Millionen Euro in Fonds des Anbieters Sheridan investiert, die ihm die Bank Sarasin vermittelt hatte. Die Fonds standen in dem Verdacht, von der mehrfachen Abrechnung der Kapitalertragsteuer bei Aktiengeschäften rund um den Dividendenstichtag profitiert zu haben. Da die Finanzämter die Steuerrückzahlung verweigerten, erlitt Maschmeyer einen Verlust von 19 Millionen Euro. Mitte 2015 kam es zu einer Einigung: Maschmeyer und einige andere Prominente erhielten einen Schadensersatz in Millionenhöhe.
Foto: dapdEinem Investment geht die Luft aus
Unglücklich wirkt zudem eine Anlage in der Fahrradbranche. Bundesweit bekannt wurde die ostdeutsche Firma Mifa, als Maschmeyer 2011 einstieg. Er war mit seiner Familie und seiner Investmentfirma heute einer der größten Aktionäre bei Mifa. Maschmeyer hielt zeitweise ein Drittel der Anteile, später hat er seine Anteile verkauft.
Foto: dpaSein Buch
Zum neuen Leben des Carsten Maschmeyer gehörte auch ein Buch. Es heißt „Selfmade“ und erzählt ein wenig aus seinem Leben, ist aber mehr ein Ratgeber für Prominente und alle, die es werden wollen. Darin schreibt er: „Meine Ausbildung, rückblickend auf den Punkt gebracht, bestand eigentlich nur aus zwei Fächern: Hauptfach Beziehungen, Nebenfach Sachthemen. Persönlich ging bei mir immer vor geschäftlich.“ Und sein Lieblingstipp lautet: „Die Fähigkeit zur Kommunikation und zur Bildung von Netzwerken ist heute entscheidend für den beruflichen Erfolg und ein spannendes, abwechslungsreiches Leben. In einer von E-Mails und SMS, Chatportalen und virtuellen Communitys beherrschten Zeit wird es immer wichtiger, über viele und tragfähige Kontakte zu verfügen.“ Kein Wunder also, dass Maschmeyer gerne zu Talkshows eingeladen wurde, wie etwa am 10. März 2013 in Berlin. Im Gasometer in der ARD-Talkreihe Günther Jauch diskutierte er über die Frage „Den Managern ans Gehalt! Brauchen wir ein Gesetz gegen die Gier?“
Foto: dpaTipps für die Karriere
Maschmeyer möchte nun aufzeigen, wie andere mit ihm ihr Vermögen vergrößern können – nein, dabei denkt er nicht an Geld, sondern an „Ihr Leistungsvermögen“. Was zählt denn wirklich? Man muss durchhalten, Kontakte pflegen und handeln können. Dann kommt am Ende vielleicht auch das Geld angeflogen. Bei Maschmeyer jedenfalls hat es bisher fast immer geklappt.
Was Maschmeyer in seinem Buch schreibt
Foto: HandelsblattSein Netzwerk
Maschmeyer hat viele gute Kontakte im Fußball und pflegt sie auch im Rahmen von Fußballspielen. Hier sitzt er beim Spiel Hannover 96 - Hertha BSC am 21. August 2011 in der AWD-Arena in Hannover. Links steht gebückt Hannovers Geschäftsführer Martin Kind, neben ihm sitzt der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Über diesen schreibt Maschmeyer in seinem Buch: „Networking bedeutet für mich natürlich auch, Freunde zu haben, ohne dass man miteinander Geschäfte machen möchte. Das gilt auch für Gerd Schröder. In dieser Beziehung wird mein Einfluss völlig überschätzt.“ Manche hätten ja die abwegige These vertreten, er habe den damaligen Bundeskanzler überredet, ihm zuliebe die Riester-Rente einzuführen. Maschmeyer dazu: „Tatsache ist: Mit Gerhard Schröder habe ich überhaupt erst zwei Jahre nach Einführung dieser privaten Zusatzrente zum ersten Mal persönlich gesprochen.“
Foto: dpaSpaß mit Politikern
Politisch ist Maschmeyer nicht festgelegt. Er pflegt zu Personen vieler Parteien gute Beziehungen. Hier scherzt er mit dem damaligen CDU-Ministerpräsidenten Niedersachsens, Christian Wulff (rechts). Sie spielten am 20. Dezember 2007 in Hannover beim Nord-Süd-Gipfel zusammen Tischfußball.
Foto: dpaGeld für Politiker
„Besser die Wahrheit“ ist der Titel eines Buches von Christian Wulff, das hier mit Tageszeitungen am 20. Dezember 2011 in Hannover fotografiert worden ist. Der Unternehmer Carsten Maschmeyer hatte 2008 eine Anzeigen-Kampagne für das Interview-Buch bezahlt. Darin beschreibt der spätere Bundespräsident Wulff sein privates und politisches Leben. Ein Sprecher Maschmeyers bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung.
Foto: dpaAnzeigen für Politiker
Ein Beispiel für die Anzeigenkampagne, die von Maschmeyer finanziert wurde. Die Kopie einer Seite der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 13.10.2007. Es ging hier um das Buch von Christian Wulff. Doch auch für den Alt-Kanzler Schröder war Maschmeyer bereits aktiv geworden. Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ und das ARD-Magazin „Panorama“ zitierten 2011 aus neuen Unterlagen, denen zufolge Maschmeyer im Bundestagswahlkampf 1998 anonym 150.000 Mark (76.690 Euro) für drei ganzseitige Zeitungsanzeigen zur Unterstützung Schröders gegeben habe. Das Geld soll über einen Strohmann geflossen sein.
Foto: dapdParadies in der Sonne
Ein beliebter Ort zur Pflege von Freundschaften ist auch die Villa von Maschmeyer auf Mallorca. Der CDU-Ministerpräsident und spätere Bundespräsident Wulff verbrachte dort mit seiner Familie einen Urlaub, was ihm viel Kritik einbrachte. Die 20-Millionen-Euro-Villa mit dem Namen „Paradise Castle“ soll nach einem Bericht der Süddeutschen über einen großen Pool und eigenen Bootsanleger verfügen.
Foto: dpaWie sie sich verliebten
In seinem Buch schreibt Maschmeyer auch, wie er die Schauspielerin Veronica Ferres kennenlernte. Auf der Berlinale 2007 wurde er mit ihr bekannt gemacht. Sie fragte nach seinem Beruf. „Finanzen und Versicherungen“, antwortete er. Da sagte sie: „Oh, da könnte ich auch einmal einen Ratschlag gebrauchen.“ Länger und intensiver sprach er dann mit ihr auf der Geburtstagsparty von Klaus Meine im Mai 2008. Danach telefonierten sie ab und zu, und im Spätherbst sogar immer öfter. Gefunkt hat es dann offenbar in Südafrika, wo Ferres den ZDF-Zweiteiler „Das Geheimnis der Wale“ drehte. „Meine Zuneigung stieg, und ich glaube, ich fing an, mich zu verlieben. Bei einem Empfang, bei dem wir beide anwesend waren, tauchten die ersten Gerüchte auf, dass wir ein Paar seien, was aber zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht stimmte.“
Dieses Foto entstand am 8. Februar 2014 zum "Ball des Sports" in Wiesbaden.
Foto: dpaSeine Ex-Firma
Groß geworden ist Maschmeyer durch den Finanzvertrieb AWD. Doch seit seinem schrittweisen Ausstieg ist die große Zeit dieses Vertriebs in Deutschland vorbei. Hier installieren Arbeiter an der Firmenzentrale in Hannover ein neues Firmenlogo. Der AWD wurde noch enger an die Schweizer Mutter Swiss Life gebunden und verlor dabei seinen bekannten Namen. Das Unternehmen war 1988 als Strukturvertrieb gegründet und von Carsten Maschmeyer geformt worden. Er führte das Unternehmen an die Börse und verkaufte es 2008 an die Schweizer Versicherung Swiss Life. Der Deal machte ihn steinreich.
Foto: dapdSein Ex-Leben
Vom Finanzvertrieb AWD trennte sich Maschmeyer im Laufe mehrerer Jahre. Zunächst legte der neue Eigentümer Swiss Life noch viel Wert auf seine Mitarbeit. Doch schon 2009 auf einer Pressekonferenz in Zürich im März wirkten die neuen Partner nicht gerade so, als seien sie ein Traumpaar. Im Bild hier links Rolf Dörig, der auf Seiten von Swiss Life zu den Machern des Deals mit Maschmeyer gehörte. Letzterer wirkte noch einige Zeit im Verwaltungsrat des Versicherers mit, kaufte zeitweise sogar deren Aktien im großen Stil. Doch einige Jahre später schied er wieder aus. AWD gibt es heute öffentlich nicht mehr. Für Maschmeyer bleibt als Fazit: Er hat seinen Vertrieb rechtzeitig verkauft und hat sich dadurch der großen Finanzkrise entzogen.
Foto: ReutersDie böse Vergangenheit
Doch viele seiner Kunden haben Maschmeyer noch nicht vergessen. Sie erinnern sich nun daran, was ihnen von AWD-Vertretern alles verkauft wurde – und welche Versprechen angeblich nicht aufgegangen sind. An seine Zeit beim AWD (hier 2006) wird Maschmeyer daher immer wieder durch Kritiker, Ex-Kunden, Ex-Mitarbeiter und auch unangenehme Sendungen im Fernsehen erinnert. Zu den bekanntesten zählen „Der Drückerkönig und die Politik“ oder „Abzocker Maschmeyer“.
Foto: dpaImagewandel
Maschmeyer will sein negatives Image aus dem vergangenen Jahrzehnt jedoch los werden. Deshalb legte er in seinem Buch „Selfmade“ öffentlich eine Beichte ab. „Nehmen Sie Beschwerden unzufriedener Kunden ernst“, mahnt er seine Leser und verweist erneut auf eigene Fehler. Er habe Beschwerden nicht immer ausreichend ernst genommen, „was ich heute bereue“. Damit bezieht er sich auf seine Zeit als Lenker des Finanzvertriebs AWD. „Durch Missachtung ihrer Unmutsbekundungen habe ich einige Menschen sehr gegen mich aufgebracht. Bestimmt wirkte das in einigen Fällen arrogant, nach dem Motto: Für alles hat er Zeit, aber meinen Beschwerdebrief hat er nicht einmal persönlich beantwortet.“
Die 15 goldenen Regeln des Carsten Maschmeyer
Foto: dpaKeine Feinde fürs Leben mehr
Auch in einem weiteren Bereich, in dem das Verhalten des AWD in der Branche für viel Wirbel sorgte, vollzieht Maschmeyer eine Kehrtwende: „Ausscheidende Mitarbeiter sind keine Abtrünnigen“, lautet nun sein Glaubensbekenntnis. „Wer Sie verlässt, ist deshalb noch lange kein Verräter. Und jemand, der mit den Erwartungen in ihrem Unternehmen nicht zurechtgekommen ist, ist kein Verlierer.“ Sein Rat lautet nun, dass möglichst kein Mitarbeiter im Unfrieden scheiden solle. „Auch das habe ich früher in meiner Firma nicht immer glücklich gehandhabt.“ Er sei damals sogar froh gewesen, weil aus dem ausscheidenden Mitarbeiter aus seiner Sicht sowieso nichts geworden wäre. „Durch eine solche Haltung kann man sich Feinde fürs Leben machen.“
Was Maschmeyer in seinem Buch schreibt (1)
Was Maschmeyer in seinem Buch schreibt (2)
Foto: dpaInzwischen war die ganze Familie Feuer und Flamme. Marcel überzeugte seine Mutter, zwei Millionen Euro in den Fonds zu legen, Maschmeyer selbst riet seiner neuen Frau Veronica Ferres zu der Geldanlage. Sie stieg mit 500.000 Euro ein. Bei Sohn Maurice ließ er Vorsicht walten. „Der ist noch nicht mal 18. Da machen wir nur die Hälfte – zehn Millionen“, sagte Maschmeyer.
Unterlagen ließ sich laut Maschmeyer keiner in der Familie aushändigen. Stattdessen holte der Vater auch noch seinen Freund Mirko Slomka ins Boot. Der Fußballtrainer investierte 500.000 Euro in die Steuerdeals. Insgesamt flossen aus dem Kreise Maschmeyer 40 Millionen Euro in den dritten Fonds. Dann ging alles bergab.
„Antreten, alles mitbringen“
Mit seinem ersten Steuerfonds machte Maschmeyer aus fünf Millionen Einsatz 6,2 Millionen Euro. Beim zweiten Mal wurden aus zehn Millionen 10,9 Millionen Euro. Als die Familie 40 Millionen Euro anlegte, war das Ergebnis null. Immer wieder habe sein Sohn Marcel bei Sarasin nachgefragt, immer wieder sei er vertröstet worden, berichtete Maschmeyer. Erst im März 2012 erkundigte er sich dann persönlich, wie genau sein Geld eigentlich angelegt war.
Und erst dann, mehr als eineinhalb Jahre nach seinem ersten Investment, will Maschmeyer erfahren haben, dass sein Geld in einer „heißen Kiste“ steckte, wie er formulierte. In einem Anlagemodell, bei dem nicht nur die Rendite, sondern auch die Rückzahlung des Geldes davon abhing, dass eine Steuer mehrfach erstattet wurde. Nur wurde sie nun nicht mehr erstattet.
Der Fiskus war den Cum-Ex-Deals auf die Schliche gekommen. Investoren wie Maschmeyer standen vor dem Totalverlust. Nun zog er alle Register. Er telefonierte. Er drohte. „Antreten, alles mitbringen, jetzt ist hier Ende im Gelände“, sagte er den Sarasin-Leuten gegen Ostern 2012. Kurz vor Weihnachten fuhr er nach Zürich und kündigte an, in der Bank zu übernachten, wenn er nicht endlich Antwort über den Verbleib seines Geldes erhielte. Und immerhin: Von den 40 Millionen Euro, die er und seine Familie investiert hatten, erhielt er 26,4 Millionen Euro zurück. Durch einen späteren Vergleich mit Sarasin flossen noch einmal 8,2 Millionen. So blieb der Gesamtverlust auf 5,4 Millionen Euro begrenzt.
Auf aktuelle Anfrage teilt Maschmeyer mit, dass die mit dem Fonds „avisierten durchschnittlichen Jahresrenditen von zehn Prozent vor sechs Jahren eine durchaus übliche Performance waren“. Als er den Eindruck gewann, sein Geld könnte „vertragswidrig“ angelegt worden sein, habe er Anzeige erstattet.
Er ist also Opfer, meint Maschmeyer. Der Untersuchungsausschuss muss ihm das nicht glauben, Maschmeyer musste im Vorfeld seiner Aussage schon viel Schelte einstecken. Wenn er sich mit seinen Kritikern einigen müsste, dann vielleicht auf eine Lebensweisheit aus seinem Buch „Die Millionärsformel“: „Die häufigsten Fehler beim Umgang mit Geld sind mangelnde Konsequenz, zu große Gier und schlichte Unkenntnis.“