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UBS-Topbanker Thomas Rodermann„Ich sehe keinen Exodus aus London“

Dass die Brexit-Verhandlungen so lange dauern sollen, hält der Chef der UBS-Europa-Bank für die Banken für ein großes Problem. Im Interview spricht Thomas Rodermann zudem über Verluste in Deutschland und den schlechten Ruf der Banker.Robert Landgraf, Daniel Schäfer 06.04.2017 - 06:00 Uhr Artikel anhören

Thomas Rodermann, Deutschland-Chef der UBS

Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt

Frankfurt. Im wie immer perfekt sitzenden blauen Anzug und gut gelaunt begrüßt Thomas Rodermann seine Gäste im Frankfurter Opernturm. Gerade erst habe er sich mit den europäischen Länderchefs zur Klausur in der Schweiz getroffen, berichtet der Chef der neuen UBS-Europa-Bank. Die Manager hätten beklagt, dass das Geschäft wegen der vielen Regeln so kompliziert geworden sei. Doch Jammern helfe nicht, das sei eben die neue Realität im Bankgeschäft.

Herr Rodermann, Sie sind vor zwei Jahren von der Deutschen Bank zur UBS Deutschland gewechselt. Ihr früherer Arbeitgeber ist seither von einem zweifachen Strategiewechsel durchgeschüttelt worden. Wie froh sind Sie, nicht mehr dabei zu sein?
Ich bin inzwischen weit weg und kann deshalb nur sagen: Hoffentlich wird das alles gut im Sinne der Deutschen Bank, ihrer Mitarbeiter und des Standortes Deutschland.

Das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank ist trotz aller Probleme profitabel. Die UBS dagegen schreibt hierzulande Verluste – 5,6 Millionen Euro 2015 und sogar 80,6 Millionen Euro im Jahr davor. Wann wird die UBS Deutschland wieder Gewinne erwirtschaften?
Als weltweit führender Vermögensverwalter ist es unser klares Ziel, auch in Deutschland profitabel zu sein. Der berechtigte Druck, das zu erreichen, kommt nicht nur von der Konzernmutter, sondern auch von der Bankenaufsicht. Nach meinem Start bei der UBS haben wir einen dreijährigen Fahrplan aufgestellt: Im Jahr 2018 soll die Bank Gewinne erwirtschaften. Das werden wir dank gezielter Wachstumsinitiativen, Kostensenkungen und einem wieder anziehenden Markt aus heutiger Sicht auch schaffen.

Das bedeutet aber auch, Sie machen in diesem Jahr nochmals Verluste?
Da wir nachhaltige Profitabilität und Wachstum erreichen wollen, müssen wir zunächst viel Geld investieren in unsere Kundenberater, die Digitalisierung und um effizienter zu werden. Dabei geht es um einen zweistelligen Millionenbetrag. Wir peilen zum Jahresende die schwarze Null an, werden also in jedem Fall den Verlust im Vergleich zum Vorjahr massiv verringern. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und auch am Markt einen guten Jahresstart hingelegt.

Wachsen Sie vor allem auf Kosten der Wettbewerber?
Auch, ja. Das Vermögen der Deutschen wächst im Moment mit zwei bis drei Prozent im Jahr. Wir aber wachsen in unserem Kerngeschäft, der Beratung vermögender Privatkunden, stärker. Neue Kunden kommen beispielsweise, wenn sie geerbt haben, aber auch nach dem Verkauf von Unternehmen.

Schwächelt denn die Konkurrenz?
Die Finanzmarktrichtlinie Mifid II ist für einige Wettbewerber existenzbedrohend. Einige unabhängige Anbieter stehen vor der Frage, ob sie sich einen Umbau des Geschäfts angesichts der Regeln leisten können oder ob sie mit Konkurrenten zusammengehen müssen. Für die kleinen und mittelgroßen Vermögensverwalter wird es also schwieriger.

Thomas Rodermann – zur Person
Der 52-Jährige leitet seit gut zwei Jahren das deutsche Geschäft der UBS. Seit Anfang Dezember führt der ehemalige Deutschbanker zudem die neu aufgebaute Europabank des Schweizer Geldhauses.
UBS ist die größte Schweizer Bank und ein globaler Marktführer im Vermögensverwaltungsgeschäft. Nach dem Beinahe-Untergang in der Finanzkrise hat sich das Geldhaus neu aufgestellt und ist seit einigen Jahren wieder hochprofitabel.

Sie haben im Dezember eine Europa-Bank gegründet. Werden Sie wegen des Brexits das Investmentbanking nach Frankfurt in die neue SE verlagern?
Wir haben hier eine auf die Betreuung wohlhabender Kunden fokussierte, hochprofitable Bank geschaffen. Die steht als größter Vermögensverwalter Europas erst einmal allein sehr gut da. Warum sollten wir jetzt noch etwas anderes daraus machen?

Sie müssten nicht, aber Sie könnten. Mit der SE haben Sie doch die Voraussetzung dafür geschaffen.
Die neue Einheit wurde aber nicht aus diesem Grund geschaffen. Sondern um den Kapitalbedarf und die Kosten zu verringern und eine gemeinsame Infrastruktur aufzubauen. Jetzt ist der Brexit dazugekommen, und natürlich ist die UBS Europe SE dafür eine mögliche Lösung. Aber es ist eben auch nicht mehr als eine Option unter vielen denkbaren Varianten.

UBS-Verwaltungsratschef Axel Weber hat kürzlich gesagt, dass 1.000 bis 1.500 Stellen nach Kontinentaleuropa verlagert werden könnten.
Ob und wie viele der Jobs in London genau verlagert werden, hängt von vielen Faktoren und nicht zuletzt vom zukünftigen regulatorischen Rahmen ab. Dazu gibt es noch zu viele offene Fragen, wir können das daher noch nicht entscheiden. Dass die politischen Gespräche über den Austritt so lange dauern sollen, ist für uns wie auch für andere Banken ein großes Problem. Denn es braucht, um eine entsprechende Infrastruktur aufzubauen, mindestens zwei Jahre. 

Weshalb sich die meisten US-Banken jetzt schon entscheiden. 
Das weiß ich nicht, diese öffentlichen Aussagen sind aber sicher auch dazu da, politischen Druck auf die britische Regierung auszuüben. Aber noch mal: Wir haben noch nichts entschieden. Es ist zudem noch unklar, ob wir im Falle einer Verlagerung eine Vollbankenlizenz dafür benötigen werden oder ob eine Tochtergesellschaft reicht.

Die Bafin wird doch darauf bestehen, dass die Topmanager in Frankfurt sitzen. 
Da bin ich gespannt. Ich glaube jedenfalls nicht an den großen Exodus der Topbanker aus London und bin sicher, dass London ein sehr starker Finanzplatz bleiben wird, der sich noch stärker in Richtung Asien und USA orientieren wird. 

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Durch die Skandale der vergangenen Jahre hat sich der Ruf der Banker sehr verschlechtert. Können Sie noch mit Stolz sagen, ich bin Banker?
Ich nehme die Kritik nicht persönlich, weil ich verstehen kann, wo sie herkommt. Sie ist auch nachvollziehbar und in Teilen sicher berechtigt. Ich rede daher mit den Leuten und räume offen ein, dass Dinge passiert sind, die nicht hätten passieren dürfen, und dass wir alle Fehler gemacht haben. Und damit ist es dann aber gut. Man muss auch wieder nach vorne blicken und darüber sprechen, was Banken eigentlich machen und warum das für eine Volkswirtschaft wichtig ist. Dahin ist es aber noch ein weiter Weg, ohne Frage. 

Herr Rodermann, vielen Dank für das Interview.

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