Energie

Raubbau an einem wichtigen Rohstoff
Sand wird zur Schmuggelware

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Fieberhafte Suche nach Alternativen zum Beton

Mit rostigen Wellblechen und Plastiktonnen versuchen Bewohner kleiner Eilande, den Boden unter ihren Häusern gegen die heranschwappenden Wellen zu schützen. Die anfälligsten Inseln sind bereits verlassen. Die Bewohner drängen sich auf den größeren und besser geschützten Nachbarinseln. Dort werden immer neue Gebäude errichtet, um die geflüchteten Menschen unterzubringen. Der Gipfel der Absurdität ist: Der Sand für den Bauboom auf den Inseln stammt aus den Lagunen. Dabei sollte der Sand eigentlich die Bewohner der Inseln schützen.

Regisseur Delestrac holt dann zur Generalkritik aus. Die überhitzten Immobilienmärkte in Indien, China sowie Spanien oder Dubai seien Spekulationsblasen. Die gebauten Wohnungen stünden Großteils leer. Menschenmassen strömten in der Hoffnung auf ein besseres Leben in die Metropolen Indiens und Chinas. Derweil hielten Spekulanten die gebauten Häuser zurück, um die Preise zu treiben. In China seien ganz neu errichtete Stadtviertel leer und verlassen. Die heranströmenden Wanderarbeiter vom Land hausten hingegen in den wachsenden Slums der Großstädte.

Der nutzlose Bauboom binde also unnötig Sand in Beton. Der verbaute Sand ist dem Kreislauf dauerhaft entzogen. Absolut größter Sandverbraucher sei aber der Staat: Gebäude, Straßen, Flughäfen oder andere Infrastruktur gehen auf das Konto der öffentlichen Hand. Ein bewusster Umgang mit der kostbaren Ressource Sand sei dabei nicht erkennbar.

Oben auf der Agenda der Politik stehen Wasser oder Agrarflächen. Sand ist nicht dabei. „Es ist äußerst wichtig, dass sich Politiker, Wissenschaftler und Ingenieure zusammensetzen und Alternativen zum Sand als Baustoff finden“, fordert Pereira vom King’s College. „Unsere Baumethoden sind seit 100 Jahren dieselben. Das muss sich ändern.“

Welche Materialien könnten den Beton ersetzen? Als Beispiele nennen die Dokumentarfilmer etwa Gebäude mit Strohwänden, die in einer Holzrahmenkonstruktion gebettet sind. Eine andere Idee sind Gebäude aus recyceltem Stahl oder aus wiederaufbereiteten Steinen und Beton von alten Gebäuden.

Eine weitere Lösung könnte ein anderes, granulöses Material sein: Glas. Nördlich von San Francisco gibt es einen Strand, wo die Stadt lange einfach ihren Müll abgeladen hat. Über die Jahre zerschmetterten und zerrieben die Wellen die Glasflaschen. Die Brandung schliff die Scherben schließlich zu kleinen, runden Körnern. Das Glas wurde also quasi in seinen Urzustand zurückverwandelt: Sand.

Zwischen den Glas-Zerriebseln und normalem Sand ist kaum ein Unterschied erkennbar. Einige Versuche an der US-Küste mit Aufschüttungen durch Recycling- statt Natursand seien erfolgreich verlaufen. Sogar Schildkröten hätten da ihre Eier abgelegt.

Bislang wird altes Glas gewöhnlich zerkleinert und zu neuen Flaschen geschmolzen. Es ließe sich aber auch im großen Stil zu Sand vermahlen. Immerhin ein Viertel des Altglases wird noch nicht einmal recycelt, sondern landet auf Deponien. Das ließe sich besser für Beton verwenden. Doch solche Initiativen scheiterten bislang an der Durchsetzung - und der Lobby der Industrie. Der natürliche Sand ist bislang einfach billiger. „Mit einem fast kostenlosen Material lässt sich nicht konkurrieren“, sagt Pereira. Damit ist der einfache, praktische Beton in der Architektur schwer zu verdrängen.

Kommentare zu " Raubbau an einem wichtigen Rohstoff: Sand wird zur Schmuggelware"

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  • ... und was fuer eine schwachsinnige Ueberschrift ist das hier: Indonesischer Kahn-Kapitaen mit Kippe im Mund ? Was hat das mit dem Inhalt zu tun ? "Journalismus neu" ?

  • Ich fürchte, das Sommerloch naht ;–))

    Schönes WE

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

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