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Lenkgetriebe-Gehäuse fehlenBosch legt BMW lahm

BMW bekommt die extreme Abhängigkeit von einer funktionierenden Lieferkette zu spüren. Ein fehlendes Teil von Bosch bringt die Fließbänder ins Stocken. Der Autobauer will Schadenersatz – Bosch sieht die Schuld woanders. 29.05.2017 - 15:14 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Wegen des Engpasses seien bislang mehrere Tausend Fahrzeuge nicht wie geplant gebaut worden.

Foto: dpa

München/Stuttgart. Der Autozulieferer Bosch hat Lieferprobleme bei einem Bauteil für BMW und sorgt damit für massive Produktionsausfälle in München, Leipzig und China. Wann der Engpass behoben wird, ist völlig offen. Einkaufsvorstand Markus Duesmann sagte am Montag in München: „Unser Lieferant Bosch ist zurzeit nicht in der Lage, uns mit einer ausreichenden Zahl von Lenkgetrieben für die BMW 1er, 2er, 3er und 4er Reihe zu beliefern.“

In München, Leipzig und im Werk Tiexi im chinesischen Shenyang sei die Fertigung deshalb stark eingeschränkt. In Rosslyn in Südafrika seien eigentlich erst für Herbst geplante Wartungsarbeiten vorgezogen worden. „Wir gehen davon aus, dass Bosch als der verantwortliche Lieferant für den uns entstandenen Schaden einstehen wird“, sagte Duesmann.

Den Auftakt in der Reihe der zehn Bestseller von BMW macht der Crossover der kleinen Schwester. Der Absatz des Countryman ist im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent gestiegen.

*Stand: Gesamtjahr 2017, Quelle: BMW Geschäftsbericht

Foto: dapd

Den Auftakt in der Reihe der BMW-Modelle macht dieses Mittelklassefahrzeug. Der Absatz ist zwar um 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Das reicht aber noch für Platz neun.

Foto: dpa

Die Konkurrenz im Segment der kompakten SUVs wird immer enger. Durch die Umstellung auf das neue X3-Modell kam es 2017 zu einem Absatzrückgang um 6,8 Prozent.

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Die dritte Generation des SUVs bleibt ein Verkaufserfolg. Im vergangenen Jahr stieg der Absatz des Modells um 8,8 Prozent.

Foto: PR

In der Nomenklatur der Münchener ist der 2er eine der jüngsten Modellreihen. Das Coupé ging im März 2014 an den Start. Nach dem starken Start sanken 2017 die Verkaufszahlen allerdings um knapp acht Prozent.

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Egal welche Generation – der britische Klassiker hat sich längst zu einem der Bestseller der Münchener entwickelt. Im vergangenen Jahr sanken die Verkäufe aber um gut zwei Prozent.

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2017 präsentierte BMW den Kompaktwagen erstmals mit Vorderradantrieb. Der Absatz des Modells stieg im vergangenen Jahr um satte 14,7 Prozent.

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Das kleinste SUV von BMW wurde im Herbst 2015 in einer neuen Version vorgestellt. Nun lassen die Verkäufe etwas nach – 2017 sanken sie um 6,8 Prozent.

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Auch der Bestseller in der Mittelklasse wurde 2017 neu aufgelegt. Der Absatz stieg dadurch um 4,8 Prozent.

Foto: dpa

Der BMW-Bestseller büßte erneut etwas ein. Trotz eines Absatzrückgangs von 0,7 Prozent verkaufte sich 2017 aber keine Modellreihe der Münchener besser.

Foto: PR

Bosch teilte in Stuttgart mit, das Unternehmen beziehe ein wesentliches Bauteil für die Lenkung von einem Zulieferer in Italien. „Bei diesem Zulieferer kommt es derzeit zu Lieferproblemen. Bosch arbeitet mit Hochdruck gemeinsam mit BMW und unserem Zulieferer daran, um die Lieferengpässe schnellstmöglich zu beenden und die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.“

Wegen des Engpasses seien bislang mehrere Tausend BMW-Fahrzeuge nicht wie geplant gebaut worden. Ein Großteil davon lasse sich jedoch nachholen, sagte ein BMW-Sprecher. Noch hoffe man, dass Kunden nicht länger auf bestellte Autos warten müssen.

Es fehle ein Gussgehäuse für das Lenkgetriebe der 1er, 2er, 3er und 4er Reihe. BMW produziere noch mit vorrätigen Teilen, etwa aus Lagern von Autohäusern, und mit Ersatzlieferungen von anderen Herstellern, aber das reiche bei weitem nicht aus. In München sei der Engpass seit vergangenem Dienstag, in Leipzig seit Freitag, in Tiexi seit Montag akut. Die Mitarbeiter nutzten nun Gleitzeit und Arbeitszeitkonten, nähmen Urlaubstage oder zögen Wartungsarbeiten vor.

Der Fall zeigt einmal mehr, wie abhängig Autokonzerne und Zulieferer heutzutage voneinander sind. Duesmann sagte, die meisten Teile würden punktgenau „just in time“ für das jeweilige Fahrzeug auf dem Fließband bereitgestellt. Deshalb könne auch ein fehlendes Kleinteil die Wertschöpfungskette unterbrechen – bis hin nach China.

Christian Vietmeyer vom Verband der Zulieferindustrie sagte: „Nach dem Lieferstopp von Prevent im Streit mit VW wurde über die Abhängigkeit von einem einzigen Zulieferer diskutiert – wie sich das Risiko verringern lässt.“ Weil Teile für den Golf und den Passat im vergangenen August tagelang fehlten, sahen sich damals 18.000 VW-Arbeiter sogar von Kurzarbeit bedroht. Bei sehr hoch entwickelten, komplexen Teilen arbeiteten Autokonzerne mitunter mit nur einem Zulieferer zusammen, sagte Vietmeyer.

Wo früher zwei Zulieferungen pro Tag reichten, müsse heute das richtige Teil „genau im richtigen Moment beim Auto auf dem Fließband ankommen. Ich kenne ein Werk eines großen Herstellers, in dem es täglich 30 Zeitfenster für Zulieferungen gibt“, sagte Vietmeyer. Die Anforderungen an die Zulieferer würden immer spezifischer und detaillierter. „Das führt auch dazu, dass immer mehr Zulieferer Werke nahe an die Autowerke bauen. Bei 30 Zeitfenstern kann eine stundengenaue Zulieferung aus Deutschland für ein Werk in China nicht mehr sichergestellt werden.“

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Trotz steigender Anforderungen könnten die Zulieferer für die zusätzliche Leistung nicht automatisch auch mehr Geld verlangen. „Im Gegenteil: Das Risiko von Vertragsstrafen und Kostenbelastungen wird für die Zulieferer immer höher“, sagte der Verbandssprecher. „Dabei bedeutet eine Produktionsverzögerung noch keinen Verkaufsrückgang. Eine Menge kann nachgeholt werden. Bei einem Produktionsausfall von einigen Tagen wird kein Auto weniger verkauft.“

In Leipzig ist der Bau des 1er und 2er BMW von dem Zulieferproblem bei Bosch betroffen, im Stammwerk München der Bau des 3er und 4er, in China und Südafrika der 3er. Die Fertigung des Minis, der X-Modelle und der größeren Baureihen 5er, 6er und 7er sei nicht beeinträchtigt. Einkaufsvorstand Duesmann zeigte sich „zuversichtlich, dass die Firma Bosch die aktuellen Lieferprobleme zügig in den Griff bekommt. Als einer unserer langjährigsten, größten und grundsätzlich zuverlässigsten Lieferanten ist das Unternehmen zweifellos in der Lage, auch diese schwierige Situation zu bewältigen.“

dpa
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