Google-Chef auf IT-Gipfel: Der freundliche Herr Pichai

Google-Chef auf IT-Gipfel
Der freundliche Herr Pichai

Seltene Eintracht: Google-Chef Sundar Pichai wird auf dem IT-Gipfel hofiert wie ein Ehrengast – trotz aller Kritik an seinem Unternehmen. Der Manager nutzt seinen Besuch für Diplomatie. Leuchtende Herzen inklusive.
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Als das Herz aufleuchtet, müssen die beiden lachen. Wahrscheinlich wissen auch Sundar Pichai und Timotheus Höttges, dass sie ein kurioses Bild liefern: Da stehen die Chefs von Google und Deutscher Telekom auf einer kleinen Bühne und probieren Platinen aus, mit denen Schüler programmieren lernen können. Als sie die Geräte aneinanderhalten, blinken die roten Lämpchen, so als wären die Manager beste Freunde. Währenddessen quetscht sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel durch die umstehenden Fotografen. „It’s a great honour…“, sagt der Politiker mit ausgestreckter Hand, der Rest geht im Klicken der Kameras unter.

Wer die Nachrichten verfolgt, der kann erstaunt sein, wie herzlich der Google-Chef am heutigen Donnerstag auf dem IT-Gipfel empfangen wird. Sein Unternehmen steht hierzulande regelmäßig in der Kritik. Telekom-Chef Höttges warnte bereits mehrfach vor der großen Macht des Internetriesen, Wirtschaftsminister Gabriel erwog einmal gar dessen Zerschlagung. Und in Brüssel sind mehrere Kartellverfahren gegen Mutterkonzern Alphabet anhängig. Trotzdem behandeln alle Pichai wie einen Ehrengast. Die diplomatische Mission zeigt Wirkung.

Der Inder, seit gut einem Jahr CEO von Google, ist auf einer mehrtägigen Deutschlandreise. Er spricht mit Politikern und Forschern. Und er demonstriert öffentliche Unterstützung für Projekte, von denen Schulen und Medienhäuser profitieren sollen. Der IT-Gipfel ist dafür die beste Bühne – und weil sich jeder gerne mit dem Google-Chef sehen lässt, haben die Planer im Bundeswirtschaftsministerium das Programm extra etwas umgebaut.

Pichai ist ein höflicher Gast. Am Morgen bekommt er vorgeführt, wie das Erlebnisbergwerk Velsen, das außerhalb des Saarlands vermutlich nur wenige Menschen kennen, dank Google-Technologie digital begangen werden kann. Auf dem Tisch liegen Virtual-Reality-Brillen aus Pappe für die virtuelle Bergfahrt. Der Manager hört sich die Erklärungen lächelnd an, ebenso den Dank, den die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ihm über eine Dolmetscherin übermitteln lässt.

Auch bei der Vorführung des Lernroboters Roberta: Lächeln. Einige Schüler haben die Fahrzeuge so programmiert, dass sie einander ausweichen, wenn sie auf Kollisionskurs sind. Das kleine Experiment gelingt. Über seinen philantropischen Arm Google.org unterstützt das Unternehmen das Fraunhofer-Institut dabei, die Geräte in den Schulen zu verteilen – das Beweisfoto mit Pichai, einigen Kindern und einem Google-Logo aus Bauklötzen steht bald darauf im Firmenblog

Auch bei der Diskussion im großen Saal zeigt sich Pichai als Diplomat. Für die vielen Politiker im Publikum hat er sich – passend zum schmal geschnittenen anthrazitfarbenen Anzug – extra eine weinrote Krawatte umgebunden. Und er sendet Botschaften aus, die vielen schmeicheln. So lobt er, dass der IT-Gipfel sich der Bildung widmet: Es sei „unglaublich“, dass in Deutschland für so ein wichtiges Thema Politik und Wirtschaft zusammenfänden. Und: Als er in Indien aufgewachsen sei, habe er „deutsche Ingenieurskunst und Präzision bewundert“.

Milde Kritik verpackt er mit einem Angebot. Damit Deutschland sich auf die digitale Revolution vorbereiten könne, sei Bildung wichtig. „Es kommt hierzulande offenbar immer noch vor, dass Schüler von der Schule gehen, ohne eine einzige Schulstunde zu IT-Themen erlebt zu haben.“ Daher unterstützt Google nicht nur die Roboterprojekte, sondern richtet 2017 auch Trainingszentren ein, in denen Privatnutzer und Unternehmen kostenlose Kurse belegen können.

Die diplomatische Mission geht in den nächsten Tagen weiter. Nach dem IT-Gipfel fliegt Pichai zu einem Treffen der Digital News Initiative in Berlin, die Google mit seinem Innovationsfonds für Medien in Höhe von 150 Millionen Euro finanziert. Und dann geht’s weiter nach Brüssel, zur EU-Kommission. Auch hier ist Diplomatie gefragt, mehrere Kartellverfahren gegen Google nähern sich einem Abschluss. Auf leuchtende Herzen darf Pichai dort allerdings nicht hoffen.

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