Dax aktuell: Dax schließt nach EZB-Entscheid im Minus
Düsseldorf. Der Donnerstag war ein abwechslungsreicher Handelstag für den deutschen Leitindex. Gleich in den ersten Handelsminuten erreichte der Dax erstmals die psychologisch wichtige Marke von 17.000 Punkten und markierte ein neues Rekordhoch bei 17.003 Zählern. Im Handelsverlauf gab er seine Gewinne dann aber langsam ab – und sank noch weiter: Am Nachmittag notierte der Dax zwischenzeitlich 0,3 Prozent im Minus. Zum Handelsschluss lag das Börsenbarometer bei 16.752 Punkten und damit 0,1 Prozent unter dem Schlusskurs vom Vortag.
Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets sagte, die 17.000er-Marke sei die Krönung eines Börsenjahres, das mit einem Plus von über 20 Prozent bislang schon sehr stark ausgefallen sei.
Anlass für den neuen Rekordstand war wohl die US-Notenbank: Am Mittwochabend deutscher Zeit entschied die Fed, ihre Zinspause fortzusetzen. Der Leitzins liegt damit weiterhin in der Spanne zwischen 5,25 und 5,50 Prozent und somit auf dem höchsten Wert seit 22 Jahren.
Vor allem Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell dürften für Optimismus unter Anlegerinnen und Anlegern gesorgt haben: Er deutete an, dass es im kommenden Jahr drei Zinssenkungen geben könnte. Der Dow-Jones-Index stieg infolge der Ankündigung auf ein neues Rekordhoch. Denn für Anlegerinnen und Anleger ist ein Umfeld niedriger Zinsen traditionell vorteilhaft.
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Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets kommentiert: „Sollte es tatsächlich zu einer Rezession in den USA kommen, wird die Fed alles in ihrer Macht stehende tun, um diese abzuwenden, inklusive drastischer Zinssenkungen.“ Das ahne die Börse und führe zu steigenden Kursen.
Nach dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) und der anschließenden Pressekonferenz mit Notenbank-Präsidentin Christine Lagarde verlor der Dax seinen Aufwärtstrend für den Tag. Zwar entschied sich auch die EZB, ihre Zinspause fortzusetzen und beließ den Leitzins bei 4,5 Prozent.
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Der EZB-Entscheid selbst bewegte die Märkte zunächst kaum. Die Fortsetzung Zinspause war im Vorfeld erwartet worden. Nach den anschließenden Äußerungen von Notenbank-Präsidentin Christine Lagarde reagierte der Index dann aber doch notierte Verluste. Lagarde hatte betont, man habe im EZB-Rat Zinssenkungen überhaupt nicht besprochen. Es sei klar, dass zwischen Zinserhöhung und -Senkung „ein ganzes Plateau“ liege, auf dem das Halten des geldpolitischen Niveaus angesagt sei.
Am Finanzmarkt wird angesichts einer zuletzt deutlich abebbenden Inflation bereits auf eine erste Zinssenkung im März 2024 gewettet. Ein Zinsschritt nach unten im April ist bereits fest in den Kursen enthalten.
Dollar, Öl und Kupfer reagieren auf Zinsentscheid
Die Hoffnung auf eine Belebung der Konjunktur durch baldige Zinssenkungen in den USA treibt die Preise für Öl und Kupfer in die Höhe. Das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI verteuern sich auf 76,64 und 71,82 Dollar je Fass.
Der Preis für das Industriemetall steigt um rund zwei Prozent auf 8498,37 Dollar je Tonne. Gestützt werden die Preise auch durch den schwächeren Dollar. Je schwächer die Weltleitwährung, desto attraktiver wird der zumeist in Dollar abgerechnete Kauf von Rohstoffen für Investoren.
Die Aussicht auf niedrigere Zinsen hat den US-Dollar derweil belastet. Der Euro konnte im Gegenzug seine Vortagsgewinne ausbauen. Zuletzt notierte die Gemeinschaftswährung wieder bei 1,096 Dollar.
Blick auf die Einzelwerte
Immobilienwerte: Unter den Einzelwerten am deutschen Aktienmarkt sind Immobilienwerte gefragt, die wegen höherer Refinanzierungskosten besonders unter dem Zinserhöhungsmarathon der Notenbanken gelitten hatten. Die Vonovia-Aktie war mit einem Plus von 7,8 Prozent einer der größten Gewinner im Dax. Im MDax legte LEG Immobilien 7,5 Prozent zu.
Morphosys: Das Biotechnologieunternehmen hat über eine Kapitalerhöhung rund 100 Millionen Euro eingenommen. Es seien rund 3,4 Millionen neue Aktien bei institutionellen Anlegern zu je 30 Euro das Stück platziert worden, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Das entspreche einem Bruttoemissionserlös von 102,7 Millionen Euro. Erster Handelstag der neuen Aktien sei voraussichtlich der 19. Dezember.
Mit den Erlösen aus der Kapitalerhöhung will der Konzern unter anderem die laufende klinische Entwicklung wichtiger Produktkandidaten bis hin zur behördlichen Zulassung fördern und seine Finanzen stärken. Die Papiere von Morphosys notierten knapp vier Prozent im Minus.