Kommentar: Die E-Scooter-Fusion ist eine gute Nachricht

Der Berliner E-Scooter-Anbieter Tier Mobility schließt sich in der Not mit dem deutlich kleineren Anbieter Dott zusammen. Für die Branche ist das eine gute Nachricht. Denn nur eine weitere Konsolidierung kann den Weg für eine nachhaltige Zukunft ebnen.
In der Coronazeit entstanden viele Anbieter, die rund um den Globus die Straßen und Gehwege mit ihren Leihrollern bevölkerten. Jeder wollte das Geschäft dominieren und expandierte aggressiv. Geld war dafür in der Pandemie ausreichend da. Das hat sich mit der Zinswende und schwacher Konjunktur geändert.
Viele Anbieter schreiben Verluste, viele blieben auf der Strecke, wie der E-Scooter-Pionier Bird aus den USA. Andere wie Voi und nun eben auch Tier haben ihren Einhorn-Status eingebüßt. Die Bewertungen sind damit in der Realität angekommen.
Und in dieser werden E-Scooter gerade in Großstädten gern und häufig genutzt. Tendenz steigend. Laut einer Studie der Berater von Oliver Wyman werden die Carsharing-, E-Scooter- und Fahrradsharing-Angebote bis 2030 rund sieben Prozent des urbanen Verkehrs ausmachen. Aktuell sind es drei Prozent.
Es geht um Durchhaltevermögen in einer Zeit, in der Investoren kein Interesse mehr an verlustreichen Geschäftsmodellen haben. Die Anbieter, die es schaffen, sich ihrer Konkurrenten zu entledigen, können mit einer steigenden Nachfrage rechnen. Alle anderen finden sich auf dem Friedhof gescheiterter Start-ups wieder. Tier und Dott haben sich davon gerade einen Schritt entfernt.