Solar-Start-up: Solarkonzern Enpal holt neuen Manager - Branche fürchtet Nachfragerückgang
Düsseldorf, Frankfurt, Berlin. Für die Solarindustrie war das Jahr 2023 ein Rekordjahr. Auch Deutschlands größtes Solarunternehmen Enpal zieht eine positive Bilanz. Mit etwa 900 Millionen Euro hat das Berliner Start-up seinen Umsatz mehr als verdoppelt.
Laut Geschäftsbericht liegt der Umsatz damit allerdings am unteren Ende der Prognose, die zwischen 900 Millionen und 1,2 Milliarden Euro in Aussicht stellte. Zuerst hatte das Magazin „Capital“ im Herbst über das Milliardenziel berichtet. „Wir sind auch 2023 weiterhin profitabel. Der Gewinn liegt sogar spürbar über dem Vorjahr“, betonte Enpal-CEO Mario Kohle im Gespräch mit dem Handelsblatt. Konkrete Zahlen könne man aber noch nicht nennen.
Innerhalb von drei Jahren hat Enpal seinen Umsatz fast verzwanzigfacht. Es gilt als Einhorn, wird also mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet. Ein neuer Co-Geschäftsführer soll nun die Professionalisierung des Start-ups vorantreiben. Seit dem 1. Januar ergänzt Florian Christ, ehemaliger Manager der US-Investmentgesellschaft KKR, das bisher vierköpfige Geschäftsführer-Team.
Christ soll Kohle dabei helfen, die gesamten internen Strukturen zu überarbeiten. „Wir wollen in den nächsten Jahren auf einen zweistelligen Milliardenumsatz kommen, und da braucht man Leute, die die Firma auf so ein Wachstum vorbereiten“, kommentierte Kohle die Entscheidung.
Ob Enpal seinen Wachstumskurs auf dem aktuellen Niveau halten können wird, ist angesichts der Marktlage allerdings alles andere als sicher. Selbst beim Marktführer ist das Online-Suchvolumen zurückgegangen, was als ein erster Indikator für eine sinkende Nachfrage gilt. „Die makroökonomische Lage ist nicht gerade rosig und geopolitische Stimmungen weltweit helfen da natürlich auch nicht“, gab Kohle zu bedenken.
Nachfrage nach Solaranlagen geht zurück
Nachdem die Nachfrage nach Solaranlagen durch die Energiekrise vor zweieinhalb Jahren drastisch zugenommen hatte, ist der Rückgang in dem aktuellen Marktumfeld von Inflation, steigenden Zinsen und chaotischer Haushaltspolitik der Bundesregierung nun umso größer.
Erst Mitte Dezember hatte der Berliner Solardienstleister Eigensonne Insolvenz angemeldet. Sein Wettbewerber Klarsolar wurde von dem Energiekonzern Eon aufgekauft. Und auch bei Enpal sorgt die angespannte Marktlage für kreative Finanzierungsalternativen. Erst vor wenigen Wochen verkaufte der Branchenprimus einen Großteil seines Bestandsgeschäfts für 160 Millionen Euro, um frisches Geld für neue Projekte einzutreiben.
„Ziel ist es jetzt das Bestandsgeschäft von Enpal weiterhin optimal zu managen, ohne dabei neue strategische Initiativen und Wachstum zu vernachlässigen“, sagte Christian Saller vom Enpal-Investor HV Capital dem Handelsblatt. Enpal müsse jetzt seine Kosten noch stärker in den Griff bekommen, heißt es von anderen Investoren. Angesichts der schwächeren Nachfrage müsse es nun etwa darum gehen, bestimmte Arbeiten auszulagern und den Bestand optimal zu führen. Ob dafür auch Stellen gestrichen werden sollen, dazu wollte Kohle sich nicht äußern.
Enpal: Standorte in Asien sollen ausgebaut werden
Die Vertretungen in China und Italien sowie die Produktion an anderen günstigeren ostasiatischen Standorten sollen jedoch zeitnah ausgebaut werden. „Wir sind ständig bemüht, unsere Kostenstruktur zu optimieren. Das ist eine ständige Herausforderung bei diesem Wachstum, ganz klar“, so Kohle.
Erst im vergangenen Jahr hatte Enpal Wärmepumpen in sein Angebot aufgenommen. Zwar installierten die Berliner 1000 Anlagen – die Nachfrage nach den strombetriebenen Heizungen ist im vergangenen Jahr allerdings massiv eingebrochen. Dazu hatte auch das Subventionschaos rund um das Gebäude-Energie-Gesetz (GEG) beigetragen.
Das Kerngeschäft von Enpal bleibt allerdings der Verkauf und die Installation von Solaranlagen zur Miete. „Wir bleiben bei unserem Ziel von einer Million Solaranlagen bis 2030“, bekräftigt Kohle. 2023 installierte das Unternehmen als größter Anbieter auf dem Markt 30.000 Anlagen. Damit hat Enpal insgesamt nun 60.000 Solaranlagen installiert.
Erstpublikation: 15.01.2024, 09:05 Uhr.