US-Banken: Goldman Sachs profitiert vom Handelsgeschäft – Morgan Stanley mit Gewinneinbruch
Frankfurt. Die US-Bank Goldman Sachs hat im vierten Quartal einen deutlichen Ergebnissprung verzeichnet: Der Gewinn lag von Oktober bis Dezember bei etwa zwei Milliarden Dollar, teilte das Wall-Street-Haus am Dienstag mit. Im Vorjahreszeitraum verdiente das Institut noch 1,33 Milliarden Dollar. Die Erträge von Goldman legten um knapp sieben Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar zu. Das Geldinstitut erwirtschaftete somit ein Ergebnis von 5,48 Dollar je Aktie und übertraf damit die Erwartungen der Analysten.
Bei Konkurrent Morgan Stanley fielen die Zahlen hingegen schwächer aus: Zwei Einmalzahlungen lasteten auf dem Ergebnis des Geldhauses. Der Nettogewinn fiel daher im vierten Quartal auf 1,5 Milliarden Dollar – nach 2,2 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Erträge von Morgan Stanley beliefen sich auf 12,9 Milliarden Dollar.
Im frühen Handel gewann die Aktie von Goldman Sachs gut ein Prozent, während die Papiere von Morgan Stanley um mehr als drei Prozent nachgaben.
Goldman Sachs profitierte vor allem im Handelsgeschäft und in der Vermögensverwaltung von einem starken Schlussquartal. Beide Sektoren legten um rund ein Viertel zu. Die Aktienmärkte hatten sich gegen Ende des Jahres erholt, weil Ökonomen und Investoren zunehmend zuversichtlich sind, dass die USA um eine Rezession herumkommen.
Das für die US-Bank so wichtige Geschäft mit Börsengängen sowie Fusionen und Übernahmen hat sich indes nicht erholt – im Gegenteil. Die Erträge im Investmentbanking sanken im vierten Quartal um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal – der größte Rückgang im Vergleich zur Konkurrenz. Am vergangenen Freitag hatten mit JP Morgan, Bank of America, Citigroup und Wells Fargo vier US-Banken bereits ihre Zahlen vorgelegt.
Zahlungen an den Einlagensicherungsfonds
Auch die Nachwehen der Regionalbankenkrise aus dem Mai drückten das Ergebnis. So müssen Banken eine Sondergebühr zahlen, um den Einlagensicherungsfonds FDIC wieder aufzufüllen. Dieser war nach den Rettungsaktionen um die Silicon Valley Bank und die Signature Bank im März stark beansprucht worden.
Die größten Institute werden anteilig am stärksten zur Kasse gebeten, um die milliardenschweren Verluste des Einlagensicherungsfonds wieder auszugleichen. Branchenweit verringerten daher die FDIC-Zahlungen die Ergebnisse der Banken. Branchenführer JP Morgan musste etwa 2,9 Milliarden Dollar zahlen. Bei Goldman belief sich die Summe auf 529 Millionen Dollar.
Die Einmalzahlung bekam auch Morgan Stanley zu spüren. 286 Millionen Dollar zahlte das Institut an den FDIC. Zudem belasteten Rechtskosten das Ergebnis der US-Bank: Morgan Stanley verbuchte 249 Millionen Dollar an Kosten zur Beilegung einer Untersuchung im Zusammenhang mit sogenannten Block Trades. Die Börsenaufsicht SEC hatte sich angeschaut, ob Bankmitarbeiter Details über bevorstehende Aktienverkäufe mit bestimmten Kunden geteilt hatten, bevor sie öffentlich bekannt gegeben wurden.
Im Gegensatz zu Goldman Sachs legte die Investmentbanking-Sparte von Morgan Stanley wieder zu – um gut fünf Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. Grund dafür war ein deutlicher Anstieg der Erträge aus dem Emissionsgeschäft mit festverzinslichen Wertpapieren. Das Wachstum im Investmentbanking, das maßgeblich auf die Beratung bei Fusionen zurückzuführen sei, sei ermutigend, meint Analyst Chris Kotowski vom Broker Oppenheimer.
Mit Agenturmaterial