Rhodos: Ferieninsel in Griechenland wird zum Tourismus-Testlabor
Athen. Hitze, Dürre, Waldbrände – die Urlaubsinsel Rhodos bekam im Sommer die Folgen des Klimawandels massiv zu spüren. Das gefährdet die wirtschaftliche Grundlage der Insel und ruft Politik und Unternehmen auf den Plan. Der Touristikkonzern Tui hat zusammen mit der griechischen Regierung und der Regionalverwaltung Südliche Ägäis das Programm „Co-Lab Rhodos“ aufgesetzt, um die Insel nachhaltig zu reformieren.
Dabei liegt der Fokus nicht allein auf der Umwelt, wie Tui-CEO Sebastian Ebel erklärte. „Soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit gehören zusammen“, sagte er.
Das fange damit an, die Emissionen und den Wasserverbrauch zu reduzieren, umfasse aber auch soziale Fragen wie die nach Arbeit außerhalb der Urlaubssaison und bezahlbaren Wohnraum. „Im besten Fall finden wir Ansätze, die sich auf andere Inseln und Länder übertragen lassen. Denn die Herausforderungen sind für viele Orte sehr ähnlich“, sagte Ebel.
Rhodos ist wichtiges Ziel für Touristen in Griechenland
Das Programm setzt sich ambitionierte Ziele. Schon im kommenden Jahr sollen Hotels, Sehenswürdigkeiten und Strände weitgehend barrierefrei sein. Ab 2027 soll Plastik von der Insel weitgehend verschwinden. Die örtliche Agrarproduktion soll um 50 Prozent steigen und nachhaltiger werden, damit weniger Obst und Gemüse vom Festland geliefert werden muss. Das mindert Emissionen und schafft zusätzliche Beschäftigungschancen auf der Insel. Bis 2030 werde Rhodos klimaneutral sein, versprechen die Planer.
Rhodos ist eines der wichtigsten Urlaubsziele in Griechenland. 2,7 Millionen Urlauber besuchten die Insel im vergangenen Jahr. Nur Kreta zieht noch mehr Besucher an.
Wie lange reicht die Erde noch?
Dem Aufschwung des Fremdenverkehrs verdankt Rhodos Wohlstand. Aber zugleich strapaziert der Massentourismus Infrastruktur und Ressourcen. Im vergangenen Sommer erreichten die Temperaturen mehr als 40 Grad, Mitte Juli brachen große Waldbrände aus. 20.000 Einwohner und Touristen mussten evakuiert werden.
Das Feuer vernichtete 17.500 Hektar Wald und Buschland, mehr als zwölf Prozent der Gesamtfläche der Insel. Wichtiger Bestandteil von „Co-Lab Rhodos“ ist deshalb ein Aufforstungsprojekt mit feuertoleranten Bäumen.
Der Start des Co-Lab Rhodos wurde 2022 bekannt gegeben. Nach einer zweijährigen Planungsphase beginnt jetzt die Umsetzung.
Zunächst soll die Busflotte der Inselhauptstadt Rhodos auf Elektrofahrzeuge umgestellt werden. Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen werden mit Mitteln aus einem 600-Millionen-Euro-Budget der griechischen Regierung modernisiert, um ihre Energiebilanz zu verbessern. 50 Millionen Euro will die Regierung in den Aufbau eines Abfall-Management-Systems auf der Insel investieren, um die Recyclingquote zu erhöhen.
„Co-Lab Rhodos“ hat die Unterstützung der Politik
Tui-Chef Ebel erklärte, Ziel des Labs sei es, Herausforderungen bereichsübergreifend anzugehen und alle Partner an einen Tisch zu bringen. Dazu gehören internationale Reiseveranstalter und Fluggesellschaften, örtliche Bus- und Mietwagenunternehmen, bis zu den lokalen Hoteliers, Händlern und kleinen Betrieben vor Ort.
Das Wichtigste sei ein gemeinsames Verständnis aller Partner und ein abgestimmtes Arbeitsprogramm, sagte Ebel. Bisher scheint das zu funktionieren: Das Programm trifft auf breite Zustimmung bei allen Mitspielern.
Die griechische Hoteliersföderation (HHF) begrüßt die Initiative. „Rhodos kann damit zur Blaupause für andere Destinationen werden“, sagte der HHF-Vorsitzende Giannis Chatzis im Radiosender „Real Voice“. Er findet es besonders wichtig, neben den großen Resorts auch kleine Hotels in das Programm einzubeziehen: „Wir brauchen in unserem Touristik-Mix qualitativ gute 2- und 3-Sterne Hotels“, sagte Chatzis.
Auch Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis und Giorgos Chatzimarkos, Gouverneur der Region Südliche Ägäis, unterstützen das Programm. Zu seinem Zuständigkeitsbereich gehören neben Rhodos auch Tourismus-Hotspots wie Mykonos, Santorin, Paros und Kos – insgesamt 48 bewohnte Ägäisinseln, auf die 40 Prozent des griechischen Tourismus entfallen.
Nach Berechnungen der Bank von Griechenland generiert der Fremdenverkehr 95,1 Prozent des lokalen Bruttoinlandsprodukts der Region. Chatzimarkos verspricht: „Der Tourismus der Zukunft ist nachhaltig.“ Ziel sei, die Auswirkungen des Tourismus auf die Umwelt zu minimieren und zugleich die positiven Effekte für die Menschen vor Ort und die lokale Wirtschaft zu maximieren.
Die Tui-Beschäftigten auf Rhodos gehen Unternehmensangaben zufolge bereits mit gutem Beispiel voran. Die 250 Reiseleiterinnen und Reiseleiter auf Rhodos sind vorwiegend mit Fahrrädern von Hotel zu Hotel unterwegs. Dafür schaffte der Konzern 60 E-Bikes und Lastenräder an. Autos werden nur noch auf längeren Strecken benutzt.
Erstpublikation: 04.04.2024, 18:46 Uhr.