Kommentar: AMD-Chefin beweist mit Zukauf ihren strategischen Weitblick

Keine Branche ist derzeit so gefragt wie die Chipindustrie. Nvidia ist der zentrale Lieferant von Halbleitern für Künstliche Intelligenz. Das machte Nvidia an der Börse zumindest kurzzeitig zum wertvollsten Konzern der Welt. Mit AMD hat Nvidia aber einen ernst zu nehmenden Herausforderer. Das liegt vor allem an dessen Chefin Lisa Su.
In ihrer zehnjährigen Amtszeit an der Spitze ist es ihr nicht nur gelungen, eine drohende Pleite abzuwenden und AMD als modernes Unternehmen aufzustellen. Nun positioniert sie AMD als Vorreiter beim Thema Künstliche Intelligenz.
Ihr taktisches Geschick beweist sie nun mit einer strategischen Übernahme. Für 665 Millionen Dollar kauft Su den KI-Vorreiter Silo AI aus Helsinki. Die Finnen galten bislang als eines der ganz wenigen KI-Unternehmen aus Europa mit globalem Potenzial. In dieser Kategorie spielt auch Mistral aus Frankreich, die sich in eine enge Partnerschaft mit Microsoft begeben haben. Auch Aleph Alpha sieht sich als europäische KI-Hoffnung.
Hinter dem Zukauf von Silo AI steckt ein besonderes Kalkül. Die meisten KI-Projekte bauen bislang auf Chips von Nvidia auf. Es gibt nur wenige Anbieter, die einen alternativen Weg einschlagen. Silo AI ist einer davon. Die Finnen setzten schon früh auf Halbleiter von AMD.
Das machte zwar manche Projekte etwas aufwendiger, da sie auf weniger etablierte Software zurückgreifen konnten. Gleichzeitig verschaffte es ihnen jedoch Zugang zu begehrten KI-Chips, die bei Nvidia über Monate quasi ständig ausverkauft waren.
Der Zukauf von Silo AI ist ein Schlüssel in der Strategie von Lisa Su, die Dominanz von Nvidia im Markt für KI-Chips zu brechen. Mit den Finnen hat Su ein Vorzeigeprojekt. Sie kann ihrer Kundschaft vorführen, wie sich ambitionierte KI-Lösungen eben nicht auf Chips von Nvidia, sondern von AMD aufbauen lassen. Dieser Strategie folgend hatte Su bereits in Frankreich die KI-Firma Mipsology übernommen.
Das ist gut so. Der Markt für KI-Chips wird viel zu stark von Nvidia dominiert. Echter Wettbewerb findet viel zu wenig statt. Das liegt nicht daran, dass AMD minderwertige Chips verkauft oder Nvidia technologisch weit unterlegen ist. Das liegt mehr daran, dass Nvidia früh ein Ökosystem rund um Softwarelösungen auf Basis seiner Chips gefördert hat.
Für Europa ist es bitter, dass nun eine weitere KI-Hoffnung wie Silo AI in amerikanische Hände wandert. Gleichzeitig bleibt jedoch die Hoffnung, dass nun endlich mehr Wettbewerb in das Zukunftsthema Künstliche Intelligenz einziehen wird.