Guyana: Ölboom voraus – Wie der US-Konzern Exxon Mobil ein Land spaltet
Georgetown. Irgendwann, sagt Glenn Lall, irgendwann habe er gespürt, dass auch seine schönsten Leitartikel die Leute nicht erreichen. „Ich muss zu den Menschen in ihrer Sprache sprechen“, sagt der Chefredakteur der „Kaieteur News“. „Nur dann verstehen sie, welche Verbrechen hier geschehen.“
Lall empfängt im Redaktionsgebäude im Hafenviertel von Georgetown, der Hauptstadt Guyanas. Die Fenster seines Büros sind abgedunkelt, vor dem Schreibtisch ist eine Hängematte aufgespannt. Seine Bar ist gut bestückt. Lall trägt ein karibisches Hemd, Diamantringe und Goldketten.
Lange hält es ihn nicht im Sessel. Die Koi-Karpfen im Aquarium zucken erschrocken zusammen, als er aufspringt und schimpft: „Mein Land ist in der Hand von professionellen Wegelagerern!“
Lall besitzt eine von zwei privaten Zeitungen im Karibikstaat Guyana und betreibt auch einen Radiosender. Auf einem populären Youtube-Kanal tritt der 61-Jährige seit einiger Zeit sehr erfolgreich auf. Lall wettert in seinen Sendungen wortgewaltig wie ein Prediger in der Kirche. Sein Vater sei Hindu, seine Mutter Muslimin. Er selbst sei Christ. Ziel seiner Attacken ist meist der Ölkonzern Exxon Mobil.