1. Startseite
  2. Technologie
  3. Künstliche Intelligenz
  4. KI-Briefing: Warum Anthropic das bessere OpenAI sein könnte

KI-BriefingWarum Anthropic das bessere OpenAI sein könnte

Unser Korrespondent trifft Sam Altmans wichtigsten Konkurrenten, KI-Gründer diskutieren eine „Verschwörungstheorie“ über Nvidia und Elon Musk hat geschummelt. Das sind die KI-News der Woche.Larissa Holzki 18.10.2024 - 13:45 Uhr Artikel anhören
Anthropic: Das Anti-OpenAI? Foto: Luisa Bomke | Dall-E

Wenn Sie nur wenig Zeit haben, liebe Leserinnen und Leser,

dann ignorieren Sie ausnahmsweise mal die KI-News dieser Woche und lesen Sie zuerst den Report meines Kollegen Felix Holtermann über Anthropic. Denn unser Korrespondent im Silicon Valley hat tiefe Einblicke in das Start-up bekommen und mit einem halben Dutzend Top-Managern gesprochen. Darunter: die Gründer Dario und Daniela Amodei.

Warum das wichtig ist? Anthropic ist nach OpenAI weltweit das derzeit wohl wichtigste Start-up für generative Künstliche Intelligenz. Sein Chatbot Claude ist ähnlich leistungsstark wie ChatGPT. Und wenn es noch einen Beleg brauchte, dass die Firma eine ernsthafte Konkurrenz für den Marktführer darstellt, hat der OpenAI-Chef ihn jüngst geliefert: Sam Altman hat seine Risikokapitalgeber gebeten, keine Investmentdeals mehr mit den Amodeis zu machen.

Altman weiß ziemlich gut, mit wem er es da zu tun hat. Denn bevor die Geschwister Anthropic 2021 gründeten, hatten sie bei OpenAI an den Vorgängern der heutigen KI-Modelle mitgearbeitet. Dario Amodei war damals sogar Chefwissenschaftler in Altmans Team.

Doch in dieser Zeit, so erzählt er es im Interview mit Felix, hätten ihn einige Fragen um den Schlaf gebracht. „Wie können wir verhindern, dass Modelle missbraucht werden? Wie schwer werden sie zu kontrollieren sein, wenn sie intelligenter sind als Menschen?“

Warum Anthropic das bessere OpenAI sein könnte

18.10.2024
Abspielen 08:23

Als der heute 42-Jährige beschloss, mit einem Fokus auf diese Fragen seine eigene Firma zu starten, nahm er 14 Leute mit. Bis heute ist Anthropic für viele KI-Talente eine Anlaufstelle, die aus dem einen oder anderen Grund nicht mehr bei OpenAI arbeiten wollen. Die Firma hat wohl auch deshalb einen Ruf als „Anti-OpenAI“.

Anthropic-Gründer: Die Geschwister Dario und Daniela Amodei. Foto: Anthropic

Der Ansatz überzeugt auch Investoren. Dazu zählen mit Amazon und Google gleich zwei große Technologiekonzerne. Insgesamt hat Anthropic bisher etwa acht Milliarden Dollar Wagniskapital eingesammelt und eine Bewertung von 15 Milliarden Dollar erzielt. Das ist einerseits zwar selbst in der KI-Welt viel, andererseits nicht mal ein Zehntel von dem, was OpenAI nach der jüngsten Finanzierung wert sein soll.

Allerdings gibt es Berichte, nach denen der kleine Wettbewerber erneut an einer Finanzierung arbeitet. Dabei steht eine Bewertung von 40 Milliarden Dollar im Raum. Bemerkenswert: Die Analysten der Deutschen Bank weisen darauf hin, dass diese Bewertung etwa dem Fünfzigfachen von dem entspricht, was Anthropic derzeit auf ein Jahr hochgerechnet verdient. Bei OpenAI liegt dieses sogenannte Multiple „nur“ bei 40.

Für Sie womöglich noch wichtiger: Dario Amodei hat Deutschland und die hiesigen Unternehmen als interessanten Absatzmarkt für seine Firma identifiziert. Felix Holtermann schreibt in seinem Report, dass die Firma mit ihren Produkten nun die Unternehmenswelt erobern könnte – wenn ihr nicht das Geld ausgeht.

Worüber die Szene spricht

Jensen Huang: Was hat der Nvidia-Chef bei Start-up-Investments im Sinn? Foto: Bloomberg

Für manchen KI-Gründer im Silicon Valley klingt es wie eine Verschwörungstheorie, die anderen halten es für Nvidias geheimen Masterplan: Beteiligt sich Nvidia-Boss Jensen Huang nur deshalb an ihren Unternehmen, um seine Chips zu verkaufen? Sieht ein geheimer Masterplan vielleicht längst vor, dass er ihnen mit eigenen KI-Modellen selbst Konkurrenz machen will?

Diejenigen, die das für ein realistisches Szenario halten, haben seit dieser Woche neue Argumente. Denn auf der Plattform Huggingface ist ein Modell mit dem sperrigen Namen „Llama-3.1-Nemotron-70B-Instruct“ aufgetaucht und hat für Aufsehen gesorgt.

Was dahinter steckt?

  • Das Modell ist eine Weiterentwicklung von Metas Llama-Modell und kommt aus dem Hause Nvidia.
  • In verschiedenen Vergleichstests schlägt es Modelle von OpenAI und Anthropic.
  • Damit bietet die neue Nvidia-KI Unternehmen womöglich eine kostengünstigere Alternative zu den derzeit führenden Modellen.

Meine Kollegen Luisa Bomke und Felix Holtermann haben sich angeschaut, ob Nvidia damit den nächsten Schritt zum Full-Service-Konzern geht, der Hard- und Software aus einer Hand anbietet. Wenn Sie mich fragen: Ich halte die These vom neuen KI-Superkonzern für gar nicht so abwegig.

Was Sie sonst noch wissen sollten

Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit Foto: Daniel Löb/dpa

1. Die Arbeitsagentur will bis zu 19 Millionen Euro für KI ausgeben. Bei der Behörde werden bis zu 35 Prozent der Mitarbeiter in den nächsten Jahren in Rente gehen. Weil es kaum möglich sein dürfte, so viel Personal neu zu rekrutieren, will die Arbeitsagentur unter der Leitung von Andrea Nahles jetzt mit KI vorsorgen. Ein großer Rahmenvertrag mit dem Heidelberger Start-up Aleph Alpha gibt der Behörde zum Beispiel die Möglichkeit, KI-gestützt Bescheide zu erstellen – und Berufsberatung zu geben.

2. ASML zieht die Tech-Aktien runter, TSMC zieht sie wieder hoch. Der niederländische Chipausrüster ASML hat im vergangenen Quartal ein deutlich geringeres Auftragsvolumen verzeichnet als erwartet. Die Prognose von Analysten lag bei bis zu sechs Milliarden Euro, tatsächlich waren es aber nur 2,6. Das hat am Dienstag weltweit zu einem Ausverkauf der Chipaktien geführt. Der Hintergrund: ASML baut die Produktionsmaschinen für die fortschrittlichsten KI-Halbleiter. Daher wurde die Absatzprognose als Signal gewertet, dass der KI-Boom schon vorbei sein könnte. Doch schon am Donnerstag erschien das wie ein Fehlalarm: Denn beim weltweit größten Chip-Auftragsfertiger TSMC wächst das Geschäft weiter kräftig.

3. Google und Amazon wollen KI mit Atomenergie trainieren. Die Nachricht folgt nur wenige Wochen auf die Ankündigung von Microsoft, für die KI-Entwicklung ein altes Atomkraftwerk wieder in Betrieb zu nehmen. Schon diese Nachricht hatte erneut für Debatten um den enormen Energiebedarf von generativer KI geführt. Google und Amazon verfolgen allerdings einen anderen Ansatz als MicrosoftSie setzen auf Mini-Reaktoren, die deutlich sicherer sein sollen als herkömmliche Kraftwerke.

4. Laut Microsoft ist die Gefahr von Cyberangriffen für Deutschland besonders hoch. Das geht aus dem neuen „Microsoft Digital Defense Report“ hervor. Hintergrund ist, dass kriminelle Hacker deutsche Firmen als besonders finanzkräftige Opfer einschätzen. Zudem zeigten Umfragen, dass Entscheidungsträger die Abwehrbereitschaft als gering einschätzen. Die Angreifer wiederum investieren laut Microsofts deutschem Sicherheitschef Ralf Wigand „massiv“. Sie setzten etwa experimentelle KI-Applikationen ein, um Opfer zu täuschen.

Optimus: Elon Musks humanoide Roboter sind offenbar gar nicht so autonom. Foto: Handelsblatt

5. Elon Musk soll bei der Vorstellung seiner Roboter getrickst haben. Bei der Präsentation des neuen Cybertaxis hatte sein Autokonzern Tesla auch Fortschritte beim humanoiden Roboter „Optimus“ gezeigt. In Videos ist zu sehen, wie die Roboter Drinks an Aktionäre ausgeben und sich problemlos im Dunkeln bewegen. Doch jetzt wird klar: Da war viel Fake dabei, und das nicht zum ersten Mal. Insidern zufolge wurden Musks nicht-ganz-so-autonome Roboter nämlich ferngesteuert.

Kategorie unnützes Wissen

Alan Turing: In Manchester steht ein Denkmal für den IT-Pionier. Foto: dpa

Wenn Sie den Namen Alan Turing hören, denken Sie vielleicht an die Entschlüsselung deutscher Funksprüche im Zweiten Weltkrieg oder an den nach ihm benannten Test, der besagt: KI ist vorhanden, wenn ein Mensch nicht mehr erkennen kann, ob seine Frage von einem  Menschen oder einer Maschine beantwortet wird.

Aber hätten Sie gewusst, dass der KI-Pionier auch ein talentierter Marathonläufer war? Bei einem Wettbewerb 1947 lief er die Distanz in zwei Stunden, 46 Minuten und drei Sekunden. Damit wäre er bei Olympia ein Jahr später nur elf Minuten nach dem Sieger ins Ziel gekommen!

Gelesen habe ich das in „The Atomic Human“, bevor ich den Autor Neil Lawrence zum Interview traf. Im Podcast Handelsblatt Disrupt habe ich mit dem Cambridge-Professor für Maschinelles Lernen dann allerdings über die wissenschaftlichen und nicht über die sportlichen Leistungen von KI-Pionieren gesprochen. Hören Sie doch mal rein!

Grafik der Woche

Beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz machen Unternehmen in Deutschland laut dem Digital-Verband Bitkom Fortschritte. Umfragen zufolge ist der Anteil der Unternehmen, die KI einsetzen, von 15 Prozent im vergangenen Jahr inzwischen auf 20 Prozent gestiegen. Für mich aber noch überraschender: Für 41 Prozent der Unternehmen ist der Einsatz von KI derzeit „kein Thema“. Mir scheint, Sie und ich, wir leben in einer Blase!

Was wir lesen

Mistrals neue Modelle laufen auf dem Smartphone. Dadurch können sie etwa für KI-Assistenten genutzt werden, die ohne Internet funktionieren. (The Decoder)

KI- und Cloud-Start-ups sammeln 2024 wohl 79 Milliarden US-Dollar ein. Damit steigt die Investmentsumme erstmals seit drei Jahren wieder. (Reuters)

Die Modelle von OpenAI und Google können doch nicht „denken“. Das belegen Apple-Entwickler in einer Studie. (Wired)

Palantirs Sicherheitschef Dane Stuckey schließt sich OpenAI an. Auch bei dem ChatGPT-Entwickler wird er das Sicherheitsteam leiten. (Techchrunch)

Jeder kann einen KI-Bot kreieren, der aussieht und spricht wie Sie. Möglich macht das Character.AI – und Sie können wenig dagegen tun.(Wired)

Ein KI-basierter „Chief LOL Officer“ soll bei einer Schweizer Firma  für gute Stimmung sorgen. Die KI verschickt Witze, wenn im Büro zu wenig gelacht wird. (Heute.at)

Satya Nadellas Erfolgsgeheimnis liegt auch in seiner Netzwerkstrategie. Der Microsoft-Chef ist ständig mit CEOs, Gründern und Investoren in Kontakt. (The Information)

Das Start-up Lattice Flow AI prüft große Sprachmodelle darauf, ob sie dem AI Act entsprechen. OpenAI fällt durch und auch Mistral zeigt Schwächen. (Techcrunch)

Kennen Sie schon...?

Daria Schaller Foto: ifo Institut/ Enno Kapitza

Wer ist Daria Schaller? Fachreferentin am Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) in München. Am Zentrum für Makroökonomik und Befragungen untersucht sie die Entwicklung und Digitalisierung von Personalabteilungen.

Wo kommt sie her? Nach einem politikwissenschaftlichen Studium in Passau und Innsbruck arbeitete Schaller zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Innsbruck.

Was hat sie vor? Schaller will die Herausforderungen deutscher Personalabteilungen in Zeiten von Künstlicher Intelligenz und Fachkräftemangel wissenschaftlich analysieren.

Meine neue Kollegin Anna Westkämper (Herzlich willkommen beim Handelsblatt!) hat diese Woche Fünf Tipps gesammelt, wie Sie Ihre Bewerbung so gestalten, dass Ihr Profil einer KI interessant erscheint. Auch die Erkenntnisse von Daria Schaller sind in den Text eingeflossen.

Das sollten Sie ausprobieren

Nicht verwechseln: Das ist der KI-Avatar meiner Kollegin Luisa Bomke. Foto: Luisa Bomke

HeyGen! Mit der KI-Software können Sie einen Avatar bauen, der spricht und aussieht wie Sie. So können Sie ohne Film-Equipment und Erfahrungen im Videoschnitt zum Beispiel personalisierte Schulungsvideos erstellen.

Meine Kollegin Luisa Bomke hat es selbst getestet – und hier kommt ihre Kurzanleitung für Sie: Gehen Sie auf die Website von HeyGen und melden Sie sich mit Ihrem Google-, Facebook oder Apple-Konto an. Wählen Sie anschließend aus, welche Art von Video Sie erstellen wollen. Sie können auch ein bereits gedrehtes Video in eine andere Sprache übersetzen.

HeyGen: Auf der Plattform können Sie Ihren eigenen Avatar erstellen. Foto: Luisa Bomke

Wenn Sie auf den Button „Erstelle Avatar“ klicken, müssen Sie zunächst entscheiden, ob sich der Avatar bewegen soll. Dann werden Sie aufgefordert, einige Sekunden Videomaterial hochzuladen oder direkt über HeyGen aufzunehmen. Diese dienen als Vorlage für den KI-Avatar. Wenn Sie einwilligen, dass HeyGen das Material nutzen darf, um Ihr Aussehen, Ihre Stimme und Gestik nachzuahmen, wird der Avatar automatisch erstellt.

Anschließend können Sie beliebige Texte in die Maske einfügen. Luisa hat sich dafür entschieden, dass der Avatar sie und ihre Position beim Handelsblatt kurz vorstellen soll – und zwar in jeder beliebigen Sprache. Ihr Fazit: Der Avatar ist „erschreckend gut“. Und trotz längerer Download-Zeiten geht es schneller, einen mehrsprachigen Avatar zu erstellen, als Chinesisch zu lernen. Falls Sie neugierig geworden sind, geht es hier zum Video.

Schnell gemacht: 30 Sekunden Videomaterial reichen als Vorlage für den Avatar. Foto: Luisa Bomke

Wo Sie uns hören

Neil Lawrence, Professor für Maschinelles Lernen an der Universität Cambridge Foto: Onur Pinar/privat

Auf dieses Interview habe ich mich selbst schon Tage im Voraus gefreut. In einer neuen Folge von Handelsblatt Disrupt habe ich diese Woche Neil Lawrence zu Gast. Der Professor für Maschinelles Lernen in Cambridge ist einer der renommiertesten Experten für Künstliche Intelligenz – und mag diese Bezeichnung gar nicht.

Verwandte Themen
OpenAI
Nvidia
Microsoft
Sam Altman
Elon Musk
ASML

Warum er die Vermenschlichung der Technologie für „zutiefst problematisch“ hält, weshalb er Unternehmern im Silicon Valley eine falsche Heldenerzählung vorwirft und welche Fähigkeiten trotz allen technologischen Fortschritts uns Menschen vorbehalten bleiben, darüber sprechen wir im Podcast.

Das war das KI-Briefing Nummer 60. Mitarbeit: Luisa Bomke, André Schorn (Grafik). Wenn Sie auch nächste Woche wieder mitlesen wollen, abonnieren Sie das KI-Briefing am besten als Newsletter.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt