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SyrienIsrael feiert den Sturz Assads – und macht sich trotzdem Sorgen

Der Druck auf die Hisbollah und den Iran hat wesentlich zum Sturz von Bashar al-Assad in Syrien beigetragen. Wie schauen die Israelis nun auf die Zukunft ihres vom Bürgerkrieg gezeichneten Nachbarn?Pierre Heumann 10.12.2024 - 02:08 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Panzer an der Grenze: Israelische Soldaten und Panzer stehen in der Nähe der Grenze zwischen den israelisch annektierten Golanhöhen und Syrien. Foto: Matias Delacroix/AP/dpa

Tel Aviv. Nach dem Sturz des syrischen Diktators Baschar al-Assad zeigt sich Israel kämpferisch. Sein Land sei dabei, „das Gesicht des Nahen Ostens zu verändern“, sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Montagabend in Jerusalem. Israel besiege seine Feinde „Schritt für Schritt“ in einem „Existenzkrieg, der uns aufgezwungen wurde“.

Assads Syrien sei dabei „das wichtigste Glied in Irans Achse des Bösen“ gewesen. Es habe Hass gegenüber Israel geschürt und sei eine „Waffenpipeline“ vom Iran zur Hisbollah im Libanon gewesen, sagte er. Der Zusammenbruch des syrischen Regimes sei eine „direkte Folge der schweren Schläge“, die Israel der islamistischen Hamas im Gazastreifen, der Schiitenmiliz-Hisbollah im Libanon und dem Iran versetzt habe.

Zugleich ist man sich auch in Tel Aviv der Unsicherheit in der aktuellen Lage bewusst. Netanjahu räumte „erhebliche Gefahren“ durch das Ende Assads ein. Der Aufstieg der islamistischen Rebellengruppe, die Assad zu Fall gebracht hat, besorgt viele Israelis. Sie fürchten zusätzliche Instabilität in dem Nachbarland, das 13 Jahre Bürgerkrieg hinter sich hat und konfessionell tief gespalten ist.

Israel: Militärische Pufferzone und Angriff auf Assads Chemiewaffenlager

Als erste Reaktion auf die Machtübernahme der Rebellen hat die israelische Armee deshalb eine Pufferzone auf syrischem Gebiet eingerichtet, da die Absichten des neuen Nachbarn noch unklar sind. Es handle sich dabei um „eine vorübergehende Maßnahme“, bis sich die Sicherheitslage entlang der Grenze stabilisiert, teilte Israel mit.

Das Vorrücken der israelischen Panzer und Infanterie in die zuvor entmilitarisierte Pufferzone und darüber hinaus wurde von Ägypten „aufs Schärfste“ verurteilt. Ägypten erklärte, dies komme einer „Besetzung von syrischem Land“ und einem „schweren Bruch“ des Waffenstillstandsabkommens von 1974 gleich.

So sehen es auch die UN. UN-Sprecher Stéphane Dujarric betonte, Israel und Syrien müssten sich weiterhin an die Auflagen der Vereinbarung halten.

Nach dem Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad hat Israels Premier Benjamin Netanjahu erklärt, alle Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit seines Landes zu gewährleisten. Auch strategische Waffensysteme Syriens sollen zerstört werden.

Israel hat zudem syrische Chemiewaffenlager angegriffen, damit sie den HTS-Rebellen nicht in die Hände fallen. Verteidigungsminister Israel Katz wies die israelische Armee zudem an, ihre Operationen in Syrien fortzusetzen. Sie sollen weiterhin alle strategischen Waffen zerstören, die auf Israel gerichtet werden könnten: Boden-Luft-Raketen, Boden-Boden-Raketen, Langstreckenraketen und Luftabwehrsysteme.

Syrien: Neue Bedrohung an Israels Grenze

Dina Lisnyansky, Expertin für Regionalpolitik an der Universität Tel Aviv, sieht Vor- und Nachteile für Israel durch die Absetzung Assads. Nach der Hamas und der Hisbollah sei damit ein weiterer Verbündeter der israelfeindlichen Regierung Irans gefallen.

„Es bleibt nicht viel an pro-iranischen Kräften übrig in der Region“, sagt Lisnyansky. Dabei habe Iran viele Jahre, Ressourcen und Energie in den Aufbau solcher „Stellvertreter“-Kräfte investiert. Zuvor hatte Israels Armee das einst gefürchtete Raketenarsenal der Hisbollah weitgehend zerstört und die meisten führenden Köpfe der Terrororganisation getötet.

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Doch hat die größte Gruppe unter den Rebellen in Syrien ihre Wurzeln in der islamistischen Ideologie von al-Qaida. Zudem vertreten die Rebellen, die die Macht übernommen haben, keine einheitliche ideologische Linie. Der Sturz von Assad könne daher auch zu einem anhaltenden Chaos führen, in dem verschiedene Gruppierungen um die Macht ringen, sagte Ehud Yaari, Chefkommentator für den Nahen Osten beim israelischen Fernsehsender Channel 12.

Die Rebellen bezeichnete Yaari als „ein Mosaik aus bewaffneten Milizen mit unterschiedlichen Schattierungen islamistischer Überzeugungen“. Zu ihnen gehören neben ehemaligen Al-Qaida-Mitgliedern wie Dscholani selbst auch bewaffnete Dorfbewohner und kriminelle Banden.

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Es gebe daher keine Garantie dafür, dass Assads Nachfolger weniger feindselig gegenüber Israel oder weniger eng mit dem Iran verbündet sein werden.

Zudem erobern in der syrischen Wüste aktuell auch IS-Terroristen neue Territorien, was zur Gefahr für Jordanien und den Iran werden und sich wiederum auf Israels Sicherheit auswirken könnte.

Kritik am Geheimdienst Mossad wird laut

Es werde schwierig sein, mit diesem Personal eine anständige Zentralregierung zu bilden, die Assads korrupte Verwaltung ersetzt, so Yaari. Es werde deshalb lange dauern, bis es in Syrien eine stabile Koalition zwischen den zahlreichen Akteuren gebe. Es sei indessen davon auszugehen, dass die Kurden die autonome Kontrolle über ein Viertel des Territoriums behalten würden.

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Als „beunruhigend“ bezeichnet Yaari Versäumnisse der Geheimdienste: „Der Mossad war blind für das, was sich in Syrien nördlich der unmittelbaren Nähe der Golanhöhen abspielte.“

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