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NestléLebensmittelriese findet nur mühsam zurück zum Wachstumskurs

Der Schweizer Nestlé-Konzern leidet weiter unter der Zurückhaltung vieler Verbraucher bei Markenartikeln. Weil kaum Besserung in Sicht ist, werden die Investoren zunehmend unruhig.Jakob Blume, Katrin Terpitz 13.02.2025 - 11:22 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Kitkat-Riegel von Nestlé: Der Konzern hat im abgelaufenen Jahr weniger Gewinn erzielt als im Vorjahr. Foto: REUTERS

Frankfurt, Düsseldorf. Nach zwei Gewinnwarnungen in Folge findet der Schweizer Nahrungsmittelriese Nestlé nur langsam zurück auf einen Wachstumskurs. Im abgelaufenen Jahr betrug das organische Umsatzwachstum 2,2 Prozent, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte.

Davon entfielen 1,5 Prozent auf Preiserhöhungen – und lediglich 0,8 Prozent auf das Mengenwachstum, das sogenannte interne Realwachstum. Weltweit sei eine Zurückhaltung vieler Konsumenten spürbar, teure Markenartikel zu kaufen, erklärte der Konzern.

Nach Abzug von Verkäufen und Währungseffekten blieb dem Hersteller von Nespresso, Kitkat-Riegeln und Maggi unter dem Strich ein Umsatzrückgang von 1,8 Prozent auf 91,4 Milliarden Schweizer Franken, umgerechnet rund 93 Milliarden Euro. Auch die Marge ging weiter leicht zurück auf 17,2 Prozent.

Nestlé-Aktie: Konzern hebt Dividende an

Besserung bei Wachstum und Profitabilität ist vorerst kaum in Sicht: Der im August 2024 angetretene neue Nestlé-Chef Laurent Freixe hielt am Donnerstag an den im vergangenen November ausgegeben Zielen für die Finanzkennzahlen fest.

Demnach soll das Wachstum in diesem Jahr von etwas mehr als zwei Prozent auf vier Prozent steigen. Die Marge soll bei mehr als 16 Prozent liegen – und damit wegen hoher Investitionen ins Geschäft niedriger als im vergangenen Jahr.

Aus Sicht vieler Investoren, die über Jahre hohe Wachstumsraten und steigende Profitabilität gewohnt waren, ist das zu wenig. Um die Aktionäre zu besänftigen, die einen Kursrückgang der Nestlé-Aktie von 18 Prozent allein in den vergangenen zwölf Monaten hinnehmen mussten, hebt Nestlé daher die Dividende leicht an, von drei auf 3,05 Franken. Das kommt bei den Investoren gut an: Die Aktie legte am Donnerstag zeitweise um mehr als sechs Prozent zu und kletterte über die Marke von 83 Franken.

Konzernchef Freixe sieht das Unternehmen trotz des vorsichtigen Ausblicks auf Kurs: „Wir haben einen klaren Fahrplan, um unsere Leistung zu steigern und uns für die Zukunft zu rüsten“, sagte er. Bei der Profitabilität bat er die Anleger um Geduld: „Die Erhöhung der Investitionen zur Förderung des Wachstums ist ein zentraler Bestandteil unseres Plans.“

Aufwärtstrend im zweiten Halbjahr

Jean-Philippe Bertschy, Analyst bei Vontobel, hob die Ergebnisse bei Marge und Cashflow positiv hervor. Sie hätten die Erwartungen übertroffen: „Obwohl das Umfeld nach wie vor sehr herausfordernd ist, glauben wir, dass die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2024 einen Neuanfang markieren“, schreibt er in einer aktuellen Einschätzung. „Es zeigt, dass Nestlé immer noch in der Lage ist, Rentabilität und Cash-Generierung zu erreichen.“

Nestlé-Chef Freixe verwies weiter darauf, dass es mit dem Wachstum besonders im zweiten Halbjahr wieder aufwärtsgegangen sei. Das interne Realwachstum, eine der wichtigsten Finanzkennziffern für den Nahrungsmittelriesen, sei im zweiten Halbjahr auf 1,4 Prozent gestiegen, nach 0,1 Prozent im ersten Halbjahr. Das Wachstum sei getrieben worden vom Kaffeegeschäft, Tiernahrung und Süßwaren.

Der neue Nestlé-Chef Laurent Freixe will stark ins Marketing investieren. Foto: Bloomberg

Freixe hatten den Posten vom langjährigen deutschen Vorstandschef Mark Schneider übernommen, der im vergangenen Sommer den Konzern überraschend verlassen musste.

Zudem legt Nestlé ein neues Sparprogramm auf, das bis 2027 die Kosten um 2,5 Milliarden Franken senken soll. Das Unternehmen habe Strategien für insgesamt 18 Geschäftsfelder ausgearbeitet, die derzeit hinter den Erwartungen zurückblieben. Dazu zähle etwa das Geschäft mit Vitaminpillen in den USA. In Bereichen seien bereits „erste Anzeichen einer Verbesserung“ sichtbar, teilte Nestlé weiter mit.

Auch für einen möglichen Handelskonflikt zwischen den USA und China oder Europa sieht Freixe den Konzern gut aufgestellt. Der Nahrungsmittelkonzern verfolge seit jeher die Strategie, Lebensmittel für den lokalen Markt auch lokal zu herzustellen. „90 Prozent der unserer Produkte für den US-Markt werden auch im Land produziert“, erläuterte der Nestlé-Chef. „Damit sind die Produkte immun gegen Zölle.“ Ähnlich gehe der Konzern in China und Europa vor.“

Deutschlandchef will mehr für Werbung ausgeben

In Deutschland lag der bereinigte Umsatz von Nestlé mit 3,28 Milliarden Euro leicht über dem Vorjahr. Das Pizzageschäft der Marke Wagner war 2023 in ein Joint-Venture ausgelagert worden.

Kaffee und Tiernahrung trieben das bescheidene Umsatzwachstum in Deutschland, das vornehmlich auf Preiserhöhungen basierte. Viele Markenhersteller haben Marktanteile an günstigere Handelsmarken verloren.

Um den Absatz der Nestlé-Marken anzukurbeln, will Deutschlandchef Alexander von Maillot nun die Werbeausgaben massiv aufstocken. „Wir haben jahrelang zu wenig in unsere Marken investiert und bei Werbung zu stark gekürzt,“ räumt er ein.

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Das Marketingbudget in Deutschland soll von unter sieben Prozent auf neun Prozent des Umsatzes wachsen. Die Marke Maggi, insbesondere die neue Produktlinie „Magic Asia“, soll im Zentrum der Kampagnen stehen.  Aber auch in den Marken Nescafé, Purina und Kitkat sieht von Maillot hierzulande noch viel Potenzial.

Allerdings sind die Rohstoffpreise für Kakao und Kaffee weiter stark gestiegen. Deshalb kann von Maillot Anpassungen – durch höhere Preise oder kleinere Packungsgrößen – nicht ausschließen. Er betont jedoch: „Wie schon in der Vergangenheit werden wir nie die gesamten Kostensteigerungen weitergegeben.“

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