HSBC: So baut der neue Chef Europas größte Bank radikal um
London. Ende Oktober hatte die britische Großbank HSBC den größten Konzernumbau seit zehn Jahren bekannt gegeben – am Mittwoch präsentierte der neue Vorstandschef George Elhedery die Rechnung dafür.
Demnach werden die mit dem Umbau verbundenen Desinvestitionen und Abfindungen in diesem und im nächsten Jahr 1,8 Milliarden Dollar kosten. Das kündigte das Unternehmen bei der Vorlage seines Jahresergebnisses am Mittwoch in London an. Der Konzerngewinn vor Steuern stieg 2024 um 6,6 Prozent auf 32,3 Milliarden Dollar.
Den Belastungen stehen Kostensenkungen von rund 300 Millionen Dollar in diesem Jahr gegenüber. Ab Ende 2026 sollen die jährlichen Kosten durch die Maßnahmen sogar um 1,5 Milliarden Dollar sinken. HSBC will außerdem „nicht-strategische Aktivitäten“ mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Dollar in lukrativere Geschäftsfelder lenken.
HSBC teilt globales Geschäft in vier Bereiche
„Ich habe ein kleineres Kernteam aus außergewöhnlich talentierten Führungskräften zusammengestellt, die auf Wachstum ausgerichtet sind und sich auf ein dynamisches Kosten- und Kapitalmanagement konzentrieren“, sagte Elhedery, „wir blicken mit Zuversicht und klarer Zielsetzung in die Zukunft.“ Der 50-jährige Libanese hatte die Führung von Europas größter Bank im September 2024 von Noel Quinn übernommen.
Künftig wird HSBC sein globales Geschäft geografisch klar zwischen „Ost“ und „West“ trennen und in vier Geschäftsbereiche unterteilen. Die 1865 in Hongkong gegründete Bank hat sich jahrzehntelang als Brücke zwischen Ost und West verstanden und ist stark in Asien vertreten. Die geopolitischen Spannungen zwischen China und dem Westen treffen HSBC jetzt jedoch stärker als andere Großbanken. Der chinesische Großaktionär Ping An hatte zwischenzeitlich sogar auf eine Aufspaltung von HSBC gedrängt, war damit aber am Management gescheitert.
Die britische Großbank will außerdem Teile ihres Investmentbankings schließen und hat bereits das Aus ihres Fintech-Ablegers Zing verkündet. Zuvor hatte sich HSBC aus einigen Märkten wie Frankreich, Argentinien und Kanada zurückgezogen. Auch das Private Banking in Deutschland steht zum Verkauf. Mit der strafferen regionalen Konzernstruktur schlägt HSBC einen ähnlichen Weg ein wie die US-Großbank Citigroup, die im vergangenen Jahr ebenfalls ihr weltweites Geschäft neu geordnet und vereinfacht hatte.
„Wir schaffen eine einfache, agilere und fokussierte Bank, die auf unseren Kernkompetenzen aufbaut“, kündigte Konzernchef Elhedery an. Die weltweiten Arbeitskosten sollen um acht Prozent sinken, der geplante Stellenabbau werde aber geringer ausfallen und vor allem Banker in höheren Positionen treffen, sagte der Vorstandschef. Die Zahl der weltweiten Mitarbeiter sank im vergangenen Jahr bereits um mehr als 9500 auf gut 211.000.
Die Börse in London reagierte kaum auf die Ankündigungen. Der Aktienkurs von HSBC ist in den vergangenen zwölf Monaten aber um fast 40 Prozent gestiegen. „Wir sehen weiterhin Spielraum für eine Outperformance der Aktie, insbesondere im Zusammenhang mit dem Geschäftsergebnis“, schreiben die Analysten der Bank of America in London.
HSBC reagiert besonders empfindlich auf Zinsänderungen, machen die Netto-Zinseinnahmen doch mehr als die Hälfte der Gesamteinnahmen des Konzerns von zuletzt 65,9 Milliarden Dollar aus. Die weltweit sinkenden Leitzinsen haben die Zinsmarge – die Differenz zwischen dem Zinssatz für Einlagen und Kredite – um zehn Basispunkte auf 1,56 Prozent gedrückt. Entsprechend groß ist der Druck auf das Management, die Kosten zu senken. Die Kapitalrendite blieb mit 14,6 Prozent stabil.
Klimaziel wird verschoben
Im vergangenen Jahr waren die Kosten noch einmal um drei Prozent auf 33 Milliarden Dollar gestiegen. Das letzte Quartal 2024 schloss HSBC mit einem Gewinn vor Steuern von 2,3 Milliarden Dollar ab. Das war eine Milliarde Dollar mehr als im Vorjahresquartal. Die Aktionäre können sich über eine Sonderausschüttung von zwei Milliarden Dollar in Form von Aktienrückkäufen freuen.
HSBC hat zugleich Teile ihres bisherigen Klimaziels deutlich nach hinten verschoben. Der Konzern will nun bis 2050 klimaneutral werden. „Wir konzentrieren uns jetzt darauf, bis 2050 in unserem Betrieb, bei unseren Reisen und in der Lieferkette ein Netzero-Niveau zu erreichen“, teilte die Bank mit. Zuvor hatte HSBC dafür 2030 angepeilt. Außerdem spielt das Klimaziel bei der Vergütung von Elhedery eine geringere Rolle.
Der Vorstandschef könnte im laufenden Jahr rund 15 Millionen Pfund (etwa 18 Millionen Euro) verdienen. Sollte der Aktienkurs um 50 Prozent steigen, stiege auch die Vergütung auf fast 20 Millionen Pfund.