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DaxWarum Anleger jetzt über Gewinnmitnahmen nachdenken sollten

Der deutsche Leitindex nähert sich der Marke von 24.000 Punkten. Nun gibt es zwei Szenarien, wie es weitergehen könnte, zeigt eine Umfrage des Handelsblatts.Andreas Neuhaus 12.05.2025 - 14:40 Uhr Artikel anhören
Bulle und Bär vor der Börse in Frankfurt: Das Dax-Sentiment des Handelsblatts kann bei der Einschätzung der aktuellen Börsenlage helfen. Foto: Imago, Getty Images [M]

Düsseldorf. Der deutsche Leitindex Dax hat am Montag ein Rekordhoch erreicht. Erstmals stieg er über die Marke von 23.900 Punkten. Seit dem am 7. April erreichten Tief von knapp 18.500 Punkten ist der Dax damit um 29 Prozent gestiegen.

Dieser Aufwärtstrend könnte auch noch anhalten – dennoch sollten Anlegerinnen und Anleger über erste Gewinnmitnahmen nachdenken. Das ist das Ergebnis der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment.

Dafür befragt das Handelsblatt jeden Freitagmorgen rund 9000 Privatanlegerinnen und -anleger nach ihrer aktuellen Markteinschätzung. Die Antworten wertet Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX, aus und ergänzt sie um weitere Indikatoren.

Das aktuelle Umfrageergebnis zeigt, dass die Anlegerstimmung auf 4,1 Punkte gestiegen ist. Damit herrscht unter den Befragten Euphorie, die bei plus vier Punkten beginnt.

Mittlerweile sehen 77 Prozent den Dax in einem Aufwärtstrend oder nahe seinem Höhepunkt (Top-Bildung). Das sind noch einmal 19 Prozentpunkte mehr als in der Vorwoche.

Allerdings ist die Selbstzufriedenheit weniger stark gestiegen. Sie liegt lediglich bei 3,4 Punkten. „Hier lässt die Party-Stimmung noch auf sich warten“, kommentiert Heibel.

Dafür werden die Umfrageteilnehmer gefragt, ob sie die Kursentwicklung erwartet haben – dieser Punkt gibt also Auskunft darüber, ob die Anleger richtig positioniert waren.

Dass die Werte für die Anlegerstimmung höher sind als für die Selbstzufriedenheit, ist ein Indiz, dass der jüngste Kursanstieg nicht allein mit Käufen der deutschen Privatanleger zu erklären ist. Denn diese schauen eher pessimistisch in die Zukunft. Nur 23 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass der Dax sich in drei Monaten in einem Aufwärtstrend befinden oder nahe seinem Höhepunkt liegen wird.

Dax: Anleger sichern sich gegen Kursrisiken ab

Dementsprechend fällt der Wert für die Zukunftserwartungen auf 2,8 Punkte. Analog zur Euphorie spricht man ab minus vier Punkten von Angst und Panik.

Dieser Pessimismus zeigt sich auch am Terminmarkt: Dass Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger auf steigende Kurse setzen oder sich gegen das Risiko fallender Kurse absichern können, ist in dieser Woche auf minus 20 Punkte gefallen. Damit zeigt es eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Absicherungsoptionen an.

Dazu passend geht auch die Kaufbereitschaft unter den Umfrageteilnehmern zurück: Sie fällt in dieser Woche auf 0,5 Punkte – am 7. April, als der Dax seinen zwischenzeitlichen Tiefpunkt erreichte, lag sie noch bei 3,3 Punkten.

Heibel sieht auf Basis der Umfrageergebnisse zwei Szenarien, wie es am deutschen Aktienmarkt weitergeht. Das erste ist ein Short-Squeeze, also ein sprunghafter Kursanstieg, der nicht fundamental begründet ist, sondern dadurch zustande kommt, dass Anleger in den steigenden Markt ihre Absicherungen auflösen.

Heibel führt bereits einen Teil der zurückliegenden Rally auf diesen Effekt zurück. „Sollte der Dax weiter steigen, könnte der Druck auf weitere short positionierte Anleger so groß werden, dass auch sie ihre Short-Position eindecken müssen und dadurch den Dax weiter in die Höhe treiben. Höher als fundamental gerechtfertigt.“

Das zweite mögliche Szenario ist laut Heibel ein Kursrückgang. Denn ein Großteil der Anleger ist bereits investiert, umfangreiche weitere Käufe sind nicht geplant. „Wer investiert ist, der bekommt heute noch kein hartes Verkaufssignal, wohl aber die Information, dass die Rally inzwischen schon weit gelaufen ist“, sagt der Sentiment-Experte.

Institutionelle Investoren setzen auf den Bitcoin

Heibel, der einen eigenen Börsenbrief unter dem Namen Heibel-Ticker herausgibt, rät Anlegern daher, erste Gewinne mitzunehmen: „Die riskanten Long-Positionen sollten nun langsam glattgestellt werden. Für langfristige Positionen gibt es jedoch noch keine Notwendigkeit, panisch den Markt zu verlassen.“

Noch einmal besser als am Aktienmarkt ist die Stimmung beim Bitcoin, der ältesten und wichtigsten Kryptowährung. Diese ist wieder über die Marke von 100.000 Dollar gestiegen, nachdem sie im April noch auf unter 80.000 Dollar zurückgefallen war.

Zwar haben bei der Handelsblatt-Umfrage zu wenige Umfrageteilnehmer abgestimmt, als dass sich daraus ein statistisch valides Ergebnis ableiten ließe, doch liefert das Ergebnis von Heibels separat durchgeführter Umfrage von AnimusX eine Besonderheit. „Auffällig beim aktuellen Anstieg ist die große Euphorie bei institutionellen Anlegern“, sagt Heibel.

In der Vergangenheit war das meist ein gutes Zeichen. „In den vier vergleichbar euphorischen Marktphasen der vergangenen vier Jahre folgte eine Fortsetzung der Rally um durchschnittlich 43 Prozent binnen sechs Monaten“, berichtet Heibel.

Einmal gab es allerdings auch einen moderaten Ausverkauf. Damit stehen aus historischer Perspektive die Chancen drei zu eins, dass der Kursanstieg weitergeht.

Seit 2014 analysiert Stephan Heibel die Handelsblattumfrage. Foto: Matthias Martin, Berlin
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Über den Sentimentexperten
Seit 1988 verfolgt Stephan Heibel die Börsen der USA und Europas. Seit 2014 wertet er wöchentlich die Sentimentumfrage unter den Handelsblatt-Lesern aus, analysiert die Daten, interpretiert die Ergebnisse und gibt Einschätzungen zu Entwicklungen am Aktienmarkt. Zudem schreibt er wöchentlich im Börsenbrief Heibel-Ticker für mehr als 25.000 Leser über Hintergründe zum Aktienmarkt und Ursachen für Kursbewegungen von Aktien. Privatanleger nutzen seine Einschätzungen und Investmentideen zur selbstständigen Portfoliooptimierung.

Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentimentumfrage informieren, und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

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