Dax: Einem neuen Rekord steht aktuell wenig im Wege
Düsseldorf. Nur die kühnsten Optimisten am Aktienmarkt haben wohl vor einem Monat daran gedacht, dass der Dax noch im Frühjahr einen neuen Rekordstand erreichen würde. Die Zollankündigungen in den USA hatten den deutschen Leitindex bis auf 18.500 Punkte einbrechen lassen. Dass darauf nun eine derart konstante Erholung folgte, kam für viele Marktteilnehmer überraschend.
Nun scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, wann der Dax eine neue Bestmarke erreicht. Das aktuelle Hoch von 23.476 Zählern ist in unmittelbarer Reichweite.
Geht es nach der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment, ist der Weg geebnet für den Sprung. Fraglich ist allerdings, wie lange sich der Dax in diesen Sphären halten kann.
Im Rahmen der Dax-Sentiment-Erhebung fragt das Handelsblatt wöchentlich knapp 9000 private Investoren nach ihrer aktuellen Markteinschätzung. Die Antworten wertet Stephan Heibel aus, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX, und ergänzt sie um weitere Indikatoren.
Der neuen Auswertung zufolge steht die aktuelle Börsenrally auf einem stabilen Fundament. So ist die Stimmung positiv, ohne ins Extreme zu verfallen. Das Sentiment ist auf 3,1 Punkte gestiegen – ein Abbild der guten Laune, wie Heibel sagt. Eine gefährliche Überhitzung der Stimmung ist der Theorie zufolge ab einem Wert von vier zu beobachten.
Erneut hat der Dax auf Tagesbasis die gesamte Vorwoche in der Gewinnzone verbracht. Das Wochenplus von 3,8 Prozent hat das Barometer erstmals seit März über die Marke von 23.000 Punkten steigen lassen. Mehr als 70 Prozent der Befragten haben dies nach eigenen Angaben kommen sehen. Die Selbstzufriedenheit liegt bei 1,7 Punkten.
Der guten Stimmung steht jedoch ein anhaltender Pessimismus gegenüber. Nur ein geringer Teil der privaten Anleger ist überzeugt, dass sich die positive Börsenentwicklung in den nächsten Wochen fortsetzt. Die Zukunftserwartung liegt 2,1 Zähler im negativen Bereich.
Das liegt in erster Linie an den unklaren Aussichten im globalen Handelskonflikt. Signale der Entspannung, vor allem im Verhältnis zwischen den USA und China, haben Aktienkurse zuletzt steigen lassen. Doch US-Präsident Donald Trump hat die umfangreichen Zölle nur ausgesetzt.
Ergo: Der Faktor, der an den Märkten kurzzeitig zu Angst und Panik geführt hat, kommt zwangsläufig wieder auf. Privatanleger agieren im Vergleich zu professionellen Investoren zudem weniger zahlenorientiert. Sie richten ihre Investmententscheidungen stärker am Nachrichtengeschehen aus.
Entsprechend verhalten ist die Investitionsbereitschaft. Sie signalisiert mit einem Wert von 1,2 ein gegenwärtig moderates Kaufbedürfnis der Anleger.
Parallel dazu wächst der Bedarf an Absicherungen gegen fallende Kurse. Das zeigt etwa der Blick aufs Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart: Der Indikator verharrt im negativen Bereich. Es setzen also mehr Anleger auf fallende statt auf steigende Kurse. „Bären dominieren das Parkett, Pessimisten zweifeln an der Nachhaltigkeit der steigenden Kurse“, bilanziert Heibel. Anleger, die fallende Kurse erwarten, nennt man im Börsenjargon Bären, diejenigen, die auf steigende Kurse setzen, Bullen.
Auch der Vergleich von Puts und Calls unterstreicht den vorherrschenden Pessimismus. Mit Ersterem spekulieren Anleger auf fallende Kurse, mit Letzterem auf steigende. Das Verhältnis zwischen ihnen liegt aktuell bei 1,85. Es werden also mehr Put-Produkte gehalten.
Kurzfristig könnte dieser Pessimismus den Dax weiter antreiben. Heibel verweist auf eine weit verbreitete Börsenweisheit: Denn laut Sentimenttheorie steigen die Kurse an der sogenannten Wand der Sorge (Wall of Worry). Während die Kurse steigen, geben immer mehr Anleger ihre skeptische Haltung auf und sorgen dadurch für einen steten Strom an neuen Käufern. „Auch dies ist meiner Einschätzung nach ein Zeichen dafür, dass die Rally noch jung ist“, meint Heibel.
Dax: Wann wirklich Misstrauen angebracht ist
Der Börsenexperte weist auf zwei mögliche Wendepunkte hin: Die Rally könnte zum einen zum Erliegen kommen, wenn sich das Lager der Pessimisten leert. „Nachdem der letzte Bär zum Bullen mutiert ist und Aktien gekauft hat, gibt es niemanden mehr, der noch nicht investiert ist“, sagt Heibel. „Niemand kann danach also die Rally noch weiter nach oben treiben.“
Zum anderen verweist der Experte auf die Unberechenbarkeit des US-Präsidenten. Seine erratische Politik hat Anlegerinnen und Anleger immer wieder überrascht – manchmal positiv, aber sehr oft negativ. „Trump spielt mit den Märkten wie Kinder mit der Eisenbahn. Der nächste Crash ist nur einen Tweet entfernt“, so Heibel.
Investoren sollten daher auf ein jähes Ende der Börsenrally vorbereitet sein. Heibel rät Kaufwilligen dazu, nicht auf einen Schlag zu investieren, sondern einen Teil der Barmittel als Reserve zu halten, um zu einem günstigeren Niveau einsteigen zu können.
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