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KIChinesischer Gründer profitiert von Trump-Politik

Victor Huang will mit einem Börsengang die Expansion seiner KI-Firma Manycore vorantreiben. Entwickler wirbt er teils der US-Konkurrenz ab. Deutsche Unternehmen sieht er bewundernd-kritisch.Martin Benninghoff 27.05.2025 - 12:26 Uhr Artikel anhören
Victor Huang: Seine KI-Firma Manycore gehört zu den „sechs kleinen Drachen“, die der chinesische Staat teils fördert. Foto: PR

Shanghai. Für Victor Huang ist es ein entscheidendes Jahr. Seine KI-Firma Manycore, die er 2011 mit Kommilitonen in Hangzhou bei Shanghai gegründet hat, will dieses Jahr in Hongkong an die Börse gehen. Erst vor wenigen Tagen hat es der chinesische Batteriehersteller CATL vorgemacht und mehrere Milliarden Dollar an Investorengeldern eingesammelt.

Huang sieht den CATL-Erfolg als Inspiration: „Ich bin stolz darauf“, sagt der Gründer, der beim Treffen in einem Shanghaier Hotel mit dem Handelsblatt-Reporter wie der Prototyp des gut gelaunten, leicht nerdigen Tech-Gurus wirkt. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für unseren Börsengang.“

Es ist auch ein entscheidendes Jahr für das Ringen zwischen China und den USA um die wirtschaftliche und technologische Vormacht in der Welt. Mit der Verhängung von Zöllen versuchen sich die Länder gegenseitig zu schwächen, zudem wollen sie jeweils die fortschrittlichste Technologie für Künstliche Intelligenz (KI) entwickeln. An diesem Ringen ist Victor Huang direkt beteiligt.

Denn Manycore entwickelt KI-basierte Raumplanungssoftware für Architekten, Bauträger, Maschinenbauer und Möbeldesigner, 3D-Simulationen für die Immobilienbranche und für das räumliche Training von Robotern. Die Firma gehört zu den „sechs kleinen Drachen“: aufstrebenden KI-Start-ups, die der chinesische Staat zum Teil fördert.

Ein weiterer „Drachen“ ist das Start-up Deepseek, das im Januar mit seinem leistungsstarken, aber kostengünstigen KI-Modell weltweit für Aufmerksamkeit sorgte und China im Rennen um die besten KI-Lösungen weit nach vorn brachte.

Der KI-Unternehmer Victor Huang spricht im Mai 2025 mit Handelsblatt-Korrespondent Martin Benninghoff in Shanghai. Foto: Lin Hui

Um weiterhin so dynamisch wachsen zu können, wie es potenzielle Aktieninvestoren verlangen werden, braucht Huang erfahrene und ambitionierte Softwareentwickler. Auch um sie ringen chinesische Firmen mit der US-Konkurrenz. Doch zunehmend ändert sich dahingehend die Situation zu seinen Gunsten, beobachtet Huang. „Die neue Politik in Amerika hat dazu geführt, dass sich einige Einwanderer nicht mehr wohlfühlen“, sagt er. „Es ist sehr gut für uns, dass wir immer mehr Talente aus der ganzen Welt und aus den USA anziehen.“

Dass die US-Regierung am Donnerstag der Eliteuniversität Harvard verbot, ausländische Studenten auszubilden, spielt der chinesischen Technologieszene insofern weiter in die Hände. Schon seit einigen Monaten bekommt Huang mehr Bewerbungen von Studenten der renommierten US-Universitäten wie Harvard, Stanford und Cambridge. Das sei ermutigend, sagt er.

Große Expansionspläne in der Welt

Auch Huang selbst hat in den USA studiert – und an der in China berühmten Zhejiang-Universität in Hangzhou, die viele Tech-Talente hervorgebracht hat. Geboren und aufgewachsen ist er in der Region rund um die südchinesische Stadt Ningde, ebenso wie CATL-Gründer Robin Zheng. Seit Kurzem ist Huang Vater zweier Kinder, und in seiner raren Freizeit liest der 40-Jährige Bücher anderer Tech-Gründer, beispielsweise seines Namensvetters Jensen Huang, der den weltweit führenden US-Chipkonzern Nvidia leitet.

Zwei Jahre hat auch Victor Huang bei Nvidia gearbeitet, als Softwareentwickler. Dann gründete er Manycore, dessen Name sich von Mehrkernprozessoren ableitet, die für die parallele Datenverarbeitung in Hochleistungsrechnern entwickelt wurden. Solche Prozessoren nutzen für die Datenverarbeitung mehrere, aber weniger leistungsfähige Chips als andere Computergehirne.

86
Millionen
aktive Besucher hat Manycore pro Monat .

Inzwischen ist das Unternehmen seit 14 Jahren auf dem Markt. Mit seiner KI-gestützten Raumplanungssoftware „Kujiale“ und der Auslandsversion „Coohom“ erreicht es nach eigenen Angaben durchschnittlich 86,3 Millionen aktive Besucher pro Monat in mehr als 200 Ländern und beschäftigt rund 1400 Mitarbeiter in Hangzhou und den zehn Niederlassungen außerhalb Chinas.

Screenshot von der KI-gestützten Raumplanungssoftware „Kujiale“: Der schwache Binnenkonsum belastet auch das Geschäft von Manycore in China. Foto: Manycore

Huang will das Geschäft weiter expandieren, der geplante Börsengang soll die dafür nötigen Investorengelder einbringen. Zudem braucht er Aufmerksamkeit – im ansonsten verschwiegenen China. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich chinesische Unternehmer mit ausländischen Reportern treffen. Zu groß ist oft die Angst, angesichts der geopolitischen Konflikte etwas Kritisches zu sagen, das ihnen die Staats- oder Provinzregierung negativ auslegen könnte.

Immobilienkrise und Konsumflaute in der Heimat

Internationaler Erfolg ist für Manycore auch wichtig, weil die Firma im Heimatmarkt mit strukturellen Problemen kämpft. Dem Immobiliensektor etwa geht es seit Jahren schlecht, die Preise für Wohnungen sinken, die Nachfrage nach Raumplanungssoftware steht unter Druck. „Unser Geschäft hängt aber nur zu 19 Prozent direkt vom Immobiliensektor ab“, beschwichtigt Huang. „Ich glaube nicht, dass das unsere Zukunft beeinträchtigen wird. Der Großteil unserer Einnahmen kommt aus dem Konsum.“

Doch auch der schwächelt in China. „Die Regierung tut wirklich alles, um den Konsum anzukurbeln“, versichert Huang. Für sein Geschäft wird entscheidend sein, dass diese Maßnahmen bald Wirkung zeigen.

Ich glaube, die Deutschen haben Angst vor Fehlern.
Victor Huang, Unternehmer

Schon heute kooperiert Manycore mit ausländischen Unternehmen, darunter der chinesische Ableger des deutschen Möbelmaschinenbauers Homag aus dem Schwarzwald. „Wir wollen unsere Märkte in Übersee ausbauen“, sagt der Unternehmenschef. „Ich glaube, die Chinesen sind gut in Software, die Deutschen sind gut im Maschinenbau.“

Auch in anderen Belangen ergänze man sich: In der deutschen Kultur sei alles „sehr detailliert, sehr präzise“, in China würde man mehr wagen und dafür auch Fehler in Kauf nehmen. „Ich glaube, die Deutschen haben Angst vor Fehlern“, sagt Huang lächelnd.

Beobachter vergleichen die chinesische Trial-and-Error-Kultur häufig mit der amerikanischen. Auch deswegen trägt die Vermarktungsstory von Manycore bis in die USA. Und zu den vielen chinesischstämmigen Softwareentwicklern, die dort arbeiten – noch arbeiten.

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Huang wird wissen, dass der US-Lifestyle nicht mit dem Leben in der autoritär regierten Volksrepublik zu vergleichen ist. Dennoch ist er überzeugt: „Wir können den Bewerbern helfen, ihre persönlichen Ziele viel leichter zu erreichen.“ Vielleicht müsse man im Silicon Valley manchmal „sehr langweilige Dinge tun“ und werde trotzdem „nie befördert“, sagt er.

Ob er aus eigener Erfahrung spricht, bleibt sein Geheimnis.

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