Geldpolitik: Nach Kündigungsdrohungen – Powell trifft Trump im Weißen Haus
New York. Gleich im ersten Satz betont die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Dynamik der Ereignisse. „Auf Einladung des Präsidenten“ habe Fed-Chef Jerome Powell am Donnerstag Donald Trump getroffen. Es war das erste Treffen zwischen dem US-Präsidenten und dem obersten Notenbanker – ungewöhnlich spät, wie eine Reporterin schon bei der jüngsten Notenbank-Sitzung Anfang Mai angemerkt hatte.
„Solche Gespräche finden immer auf Initiative des Präsidenten statt“, betonte Powell damals. Er würde nie um ein Gespräch bitten, dafür gebe es für Powell keinen Grund. Nun wurde er aber doch gebeten.
Trumps Einladung kam zu einer schwierigen Zeit. Immer wieder attackiert der Präsident den Notenbank-Chef verbal, den er in seiner ersten Amtszeit noch selbst nominiert hatte.
Immer wieder hatte Trump auch öffentlich darüber nachgedacht, Powell zu feuern – ein Schritt, der unter anderem rechtlich umstritten ist. Eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs vergangene Woche bestätigte, dass Trump nicht die rechtlichen Grundlagen habe, um Powells Amtszeit frühzeitig zu beenden.
Powell sprach nicht über weiteren Zinskurs
Am Donnerstag hätten sich die beiden über „das Wirtschaftswachstum, den Arbeitsmarkt und die Inflation“ unterhalten, teilte die Fed mit. Nicht thematisiert hätte Powell dagegen den weiteren Zinskurs, also das größte Reizthema.
Trump habe seinen Unmut gegenüber der aktuellen Geldpolitik der Fed dennoch artikuliert, betonte seine Sprecherin am Donnerstag.
Der Präsident habe Powell gesagt, er mache „einen Fehler, wenn er die Zinssätze nicht senkt. Das bringt uns wirtschaftlich gegenüber China und anderen Ländern in einen Nachteil. Der Präsident hat dies sowohl öffentlich – und wie ich jetzt offenbaren kann – auch privat sehr deutlich zum Ausdruck gebracht“, sagte Karoline Leavitt.
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Trump drängt Powell schon seit Monaten, die Zinsen zu senken. Powell indes widerspricht. Gerade angesichts der „großen Unsicherheit“, die Trumps Zollpolitik auslöse, wolle er sich nicht vorzeitig festlegen, betonte Powell Anfang Mai.
Erste Zinssenkung frühestens im September
Steigende Zölle könnten die Inflation anheizen, dann könnte die Fed eher gezwungen sein, die Zinsen weiter konstant zu halten. Sollte der Arbeitsmarkt unter den Zöllen leiden, wäre das eigentlich ein Argument für Zinssenkungen. Das brächte Powell in eine schwierige Entscheidungsposition. Denn die Fed hat ein sogenanntes duales Mandat: Sie muss für Preisstabilität sorgen und für Vollbeschäftigung.
Sollte die Wirtschaft stagnieren, während die Preise steigen, müsste sich die Fed für ein Mandat entscheiden. Welches das sei, hänge von der konkreten Situation ab, betonte Powell. Zinshändler rechnen frühestens im September mit ersten Zinssenkungen, wie aus Daten der Börse CME hervorgeht.