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TechnologieInvestition in Milliardenhöhe – AWS eröffnet Cloud für Deutschland

Mit dem Start der „European Sovereign Cloud“ reagiert die Amazon-Sparte AWS auf Vorbehalte gegenüber amerikanischen Tech-Konzernen. Auf welche Länder das Konzept übertragen werden soll.Christof Kerkmann 15.01.2026 - 08:08 Uhr Artikel anhören
AWS-Rechenzentrum: Separate Infrastruktur für die „European Sovereign Cloud“. Foto: REUTERS

Potsdam. Die Amazon-Sparte AWS hat am Donnerstag einen Clouddienst für den deutschen Markt gestartet, der formell unabhängig vom amerikanischen Mutterkonzern laufen soll.

Die „European Sovereign Cloud“ (ESC) habe eine separate Infrastruktur und werde über deutsche Tochtergesellschaften gesteuert, teilte das Unternehmen bei der Eröffnung in Potsdam mit. Geschäftskunden behielten „die vollständige Kontrolle über ihre digitalen Ressourcen“, erklärte Stéphane Israël, der gemeinsam mit Stephan Höchbauer das neue Angebot leitet.

Bis 2040 investiert AWS in Deutschland 7,8 Milliarden Euro in die ESC, insbesondere in den weiteren Ausbau der Infrastruktur. Zudem hat das Unternehmen angekündigt, das Konzept auf andere europäische Länder zu übertragen, in einem ersten Schritt auf Belgien, die Niederlande und Portugal.

Die Politik begrüßte die Investition. „Globales Know-how wird mit europäischen Datenschutz- und Sicherheitsstandards zusammengebracht“, lobte Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) die neue Cloud in einer Mitteilung. „So kommen wir unserem Ziel eines starken und leistungsfähigen Digitalstandorts ein Stück näher.“

Mit der ESC reagiert Amazon auf Bedenken gegenüber amerikanischen Technologieunternehmen, die in vielen europäischen Ministerien und Chefetagen verbreitet sind – spätestens seit Donald Trump wieder Präsident der USA ist. Die Cloud gilt zwar als zentrale Technologie für die Digitalisierung, allerdings fürchten viele Verantwortliche einen Kontrollverlust.

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Die Ambivalenz zeigen Erhebungen des IT-Verbands Bitkom: 45 Prozent der Unternehmen übertragen Daten in andere Länder wie die USA, primär zur Nutzung von Cloud- und Kommunikationsdiensten. 82 Prozent wünschen sich deutsche oder europäische Alternativen, die es mit den Angeboten der großen Tech-Konzerne aufnehmen können.

EU-Bürger in der Verantwortung

Mit der „European Sovereign Cloud“ will AWS Bedenken in Europa entgegentreten. Das Unternehmen hat für den Betrieb der neuen Plattform mehrere europäische Tochtergesellschaften aufgebaut. Diese sind zwar Teil des Konzerns, werden aber von EU-Bürgern geleitet – und die seien rechtlich verpflichtet, „im besten Sinne“ der European Sovereign Cloud zu handeln.

Kunden erhalten laut AWS die „vollständige Kontrolle darüber, wo ihre Daten gespeichert sind“. Auch Systeme wie das Zugangsmanagement und die Abrechnung lassen sich in der EU betreiben. Das Unternehmen bietet zudem Verschlüsselungsfunktionen.

AWS verspricht zudem, dass die Cloud auch „unter extremen Umständen“ funktioniere. Es gebe keine „kritischen Abhängigkeiten von Infrastruktur außerhalb der EU“. In bestimmten Fällen sollen autorisierte Mitarbeiter der europäischen Gesellschaft zudem auf eine Kopie des Quellcodes zugreifen und so den Service aufrechterhalten können.

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Hintergrund dieser Ankündigung ist die Sorge, dass Cloudanbieter den Dienst kurzfristig einstellen könnten, beispielsweise auf Veranlassung einer Regierung. Ein Beispiel für einen solchen Extremfall ist der Internationale Strafgerichtshof, der wegen Sanktionen von US-Präsident Donald Trump um seine Funktionsfähigkeit fürchtet.

AWS ist mit der Vermietung von IT übers Internet zum Marktführer im Cloudgeschäft geworden. Geschäftskunden erhalten Zugriff auf zahlreiche Technologien, von Speicherplatz für große Datenmengen bis zu Sprachmodellen mit Künstlicher Intelligenz. Zudem lassen zahlreiche Softwarehersteller ihre Cloudanwendungen auf der Infrastruktur laufen.

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In den vergangenen vier Quartalen erwirtschaftete AWS 122 Milliarden Dollar Umsatz und erreichte damit laut dem Marktforscher Synergy Research zuletzt einen globalen Marktanteil von 29 Prozent, vor Microsoft mit 20 Prozent und Google mit 13 Prozent. Die drei werden in der Branche aufgrund ihrer Größe als „Hyperscaler“ bezeichnet.

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