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HelsingEuropas wertvollstes Rüstungs-Start-up kauft Flugzeughersteller

Der Spezialist für KI-Software kauft Grob Aircraft aus Bayern. Damit setzt sich Helsing in einem umkämpften Markt durch. Das Start-up bekommt Expertise in einem entscheidenden Sektor.Larissa Holzki, Nadine Schimroszik 05.06.2025 - 11:24 Uhr Artikel anhören
Maschinen von Grob Aircraft: Das Start-up Helsing hat den Flugzeughersteller übernommen. Foto: Grob Aircraft

Berlin. Europas wertvollstes Rüstungs-Start-up Helsing übernimmt den bayerischen Flugzeughersteller Grob Aircraft. Das erfuhr das Handelsblatt exklusiv von mit dem Zukauf vertrauten Personen. Beide Unternehmen bestätigten den Deal am Mittwoch.

Finanzielle Details von Helsings erster Übernahme seit Firmengründung wurden dabei nicht veröffentlicht. „Wir sind beide absolut entschlossen, die Souveränität in Europas Verteidigungsindustrie zu stärken“, sagte der Mitgründer und Co-Chef von Helsing, Gundbert Scherf. Ziel sei es, gemeinsam „Technologien der nächsten Generation für den Luftkampf“ zu entwickeln.

Das von Investoren mit fünf Milliarden Euro bewertete Start-up war 2021 mit dem Ziel gestartet, Software, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basiert, für den Verteidigungssektor zu entwickeln. Ende vergangenen Jahres kündigte Helsing an, auch eigene Drohnen herzustellen.

Nun verstärkt sich die Firma mit einem traditionellen Flugzeughersteller und baut damit seine Hardwareexpertise aus. Das hat einen Grund: Beschaffungsprozesse einzig für Softwarelösungen sind im Verteidigungssektor weiterhin selten.

Helsing kauft Grob Aircraft – und stellt sich breiter auf

Verteidigungs-Start-ups versuchen, sich breiter aufzustellen, um von Kunden mehr und größere Aufträge zu gewinnen. Quantum Systems gab erst diese Woche bekannt, nun nicht mehr nur Software für die eigenen Drohnen anzubieten, sondern auch eine komplette Softwarelösung für unbemannte Flugsysteme außerhalb der eigenen Drohnenwelt. Zudem kaufte die Firma kürzlich den deutlich älteren Copterdrohnen-Anbieter Air Robot.

Helsing wählt mit dem Deal eine ähnliche Strategie. Grob Aircraft kommt ebenfalls aus Bayern und ist ein traditioneller Hersteller von Sport- und Segelflugzeugen. Das Unternehmen mit 275 Mitarbeitern gilt als Pionier bei der Herstellung von Flugzeugen aus Verbundwerkstoffen.

Mehrere Flugzeuge des Herstellers sollen Weltrekorde erreicht haben, etwa bei der Flughöhe. Die Firma verkauft Maschinen an militärische wie auch zivile Kunden und agiert als Partner für Flugtrainingsprogramme weltweit.

Start-ups

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Grob beliefert unter anderem die kanadische Luftwaffe mit Trainingsflugzeugen. Ende 2024 gab die Firma bekannt, drei Trainingsmaschinen ans schwedische Militär verkauft zu haben. Am Firmensitz in Tussenhausen, Unterallgäu, verfügt sie über einen Flugplatz. Grob hat nach eigenen Angaben viele geplante Flugzeuglieferungen und Schulungen als Aufträge registriert.

Aktuell ist der 1971 gegründete Flugzeughersteller im Besitz der Dachgesellschaft H3 Aerospace. In Rüstungskreisen heißt es, um die Firma soll es schon länger Verkaufsgerüchte gegeben haben. Der Markt für militärische Trainingslösungen sei klein und hart umkämpft.

Grob-Geschäftsführer Andre Hiebeler sieht in der Übernahme eine Chance: „Zusammen schaffen wir so eine einzigartige Partnerschaft, um Innovation in unserem Sektor ganz neu zu definieren.“ Scherf sagt über die Übernahme: „Unsere Kompetenzen ergänzen sich perfekt, unsere Wachstumsambitionen sind deckungsgleich.“

Beide Firmen haben bereits zusammengearbeitet

Internationale Investoren haben Helsing bereits 830 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt. Das ist mehr als jedes andere europäische Verteidigungs-Start-up erhalten hat. Zu den größten Anteilseignern des Start-ups gehören neben den drei Mitgründern Scherf, Niklas Köhler und Torsten Reil der vom Spotify-Gründer Daniel Ek aufgebaute Investor Prima Materia sowie der US-Risikokapitalgeber General Catalyst, in den inzwischen der deutsche Frühphaseninvestor La Famiglia integriert wurde.

Helsing und Grob Aircraft haben bereits zusammengearbeitet. So soll Helsing Grob als Plattform für die Entwicklung seiner KI-Software für die elektronische Kampfführung „Cirra“ genutzt haben. Mit ihr sollen Bedrohungen quasi in Echtzeit erkannt werden.

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Helsing kündigte an, nach der Übernahme in den Ausbau der Kapazitäten in Tussenhausen zu investieren und auch neue Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen. Die Zusammenarbeit füge sich dabei nahtlos in das Ziel der Staatsregierung ein, Bayern zur Keimzelle für Innovationen in den Bereichen Luft- und Raumfahrt sowie Künstliche Intelligenz zu machen, hieß es weiter.

Erstpublikation: 04.06.2025, 15:00 Uhr.

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