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KommentarKI-Fabriken brauchen Kunden – keine Dauersubventionen

Eine staatliche Starthilfe für KI-Datencenter in Europa ist sinnvoll. Gefährlich wird es, wenn die Politik Risiken vollständig übernimmt. Rechenzentren müssen sich am Markt tragen.Stephan Scheuer 13.01.2026 - 10:54 Uhr
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Computer in Rechenzentrum: Sowohl die EU als auch der Bund wollen neue KI-Rechenzentren mit Millionensummen subventionieren. Foto: imago/photothek

Europa darf langfristig nicht davon abhängig sein, dass Rechenleistung für Künstliche Intelligenz nur von Anbietern aus den USA oder China kommt. Ohne staatliche Hilfe wird es jedoch keine großen europäischen KI-Fabriken geben. Deshalb ist Unterstützung durch den Staat keine freiwillige Maßnahme oder ein Luxus, sondern eine wichtige strategische Notwendigkeit. Gleichzeitig birgt genau diese Förderung auch Risiken.

Wenn sich an diesem Mittwoch Staatssekretäre, Ländervertreter und Industrie zu einer sechsstündigen Marathonsitzung in Berlin treffen, sollte eine Leitplanke klar sein: Der Staat kann den Aufbau von KI-Rechenzentren unterstützen und den Markt ergänzen, darf ihn aber nicht ersetzen.

Der falsche Weg beginnt dort, wo der Staat nicht mehr anschiebt, sondern absichert. Wenn Politik Bau, Betrieb und Nachfrage garantiert, entstehen keine Märkte – sondern staatlich finanzierte Kulissen. Rechenzentren brauchen Kunden, keine Abnahmegarantien. Sonst stehen am Ende Milliardenbauten, die niemand wirklich benötigt.

Nicht alle Risiken an die Politik auslagern

Die wachsende Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern ist kein neues Problem. Sie ist seit Jahren bekannt – auch in der Industrie. Konzerne wie die Deutsche Telekom haben sich bewusst dafür entschieden, eigene Rechenkapazitäten nicht weiter auszubauen.

Sich von US-Anbietern abhängig zu machen, war wirtschaftlich rational. Die Firmen machen es sich aber zu bequem, wenn sie jetzt alle Risiken an die Politik auslagern wollen.

Industriepolitik darf Standortnachteile mildern, sie darf aber nicht Marktlogik komplett ersetzen. Hohe Energiepreise sind ein realer Standortnachteil. Wenn der Staat hier hilft, dass sich Rechenzentren rechnen, kann das ein sinnvoller Schritt sein. Dass die Telekom gleichzeitig auch noch besonders günstigen Strom für ihr gesamtes Mobilfunknetz herausschlagen will, hat wenig mit dem Rechenzentrum zu tun.

Dass der Staat seine Daten stärker in europäischen Rechenzentren verarbeiten will, ist richtig. Doch daraus folgt kein Anspruch auf garantierte Auslastung von KI-Rechenzentren.

Auch die großen US-Cloud-Anbieter haben von staatlichen Aufträgen profitiert. Amazon, Microsoft oder Google hätten den Bau von Rechenzentren aber nie prinzipiell davon abhängig gemacht, dass der Staat alle Risiken übernimmt. Die Stärke des US-Modells liegt nicht in Subventionen, sondern im Wettbewerb und in der Bereitschaft, ins Risiko zu gehen.

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Die Sorge vor einer KI-Blase ist real. Ausgerechnet in dieser Phase fordern europäische Anbieter, dass der Staat ihnen nahezu alle Risiken abnimmt. Das ist kein Zeichen von Stärke, sondern von fehlender Zuversicht in das eigene Geschäftsmodell. Der Staat kann Anschub leisten. Den Markt ersetzen darf er nicht.

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