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NaturkatastrophenMehr Prävention gegen extreme Klimaereignisse notwendig

Munich-Re-Chefklimatologe Tobias Grimm mahnt, den Klimawandel nicht aus dem Blick zu verlieren. Bemühungen um verstärkte Schutzmaßnahmen dürften nicht nachlassen.Susanne Schier 13.01.2026 - 08:01 Uhr Artikel anhören
Wintereinbruch: Schnee und gefrierender Regen führen zu Glatteis auf den Straßen. Foto: Sebastian Willnow/dpa

Frankfurt. Schon lange hat es im Norden Deutschlands nicht mehr so viel Schnee gegeben wie in den vergangenen Tagen. Schneefall und Glatteis brachten Verkehrsbehinderungen und zum Teil auch Schulschließungen mit sich. Angesichts des Winterwetters sind der Klimawandel und seine Folgen für viele Menschen momentan gedanklich weit weg. Doch Munich-Re-Chefklimatologe Tobias Grimm sagt: „Wichtig ist, Wetter und Klima nicht zu verwechseln.“

Das Klima zeige den langfristigen Trend, dass die durchschnittlichen Temperaturen auf der Erde steigen. „Es wird weniger häufig Kälteextreme und dafür mehr Hitzerekorde geben“, sagt Grimm gegenüber dem Handelsblatt. Es seien aber weiterhin einzelne kalte Wetterereignisse möglich: „Das ist genau das, was wir momentan in Deutschland sehen – einen Wintereinbruch.“

Derzeit ist im gesellschaftlichen Bewusstsein der Klimawandel nach hinten gerückt, weil andere geopolitische Themen die Nachrichtenlage dominieren – und auch weil die Naturkatastrophenschäden 2025 nicht ganz so hoch ausfielen wie im Jahr zuvor.

„Wir dürfen aber in unseren Bemühungen für mehr Prävention und Klimafolgenanpassung nicht nachlassen“, mahnt Grimm. Denn Extremwetterereignisse würden weiter zunehmen. Jeder Dollar, der in Prävention investiert werde, spare bis zu zehn Dollar an Schäden ein.

Weltweit beziffert Munich Re die Schäden durch Naturkatastrophen im Jahr 2025 auf 224 Milliarden Dollar. Etwa 108 Milliarden Dollar trugen die Versicherer. Ein Jahr zuvor waren es noch Gesamtschäden von 368 Milliarden Euro gewesen, und 147 Milliarden Dollar waren versichert.

Mittelgroße Schadenereignisse nehmen zu

Auch wenn es 2025 keine rekordhohen Schäden gab, bezeichnet Grimm die Entwicklungen als „bemerkenswert“: Das erste Halbjahr sei vor allem wegen der Waldbrände in den USA, die die Branche allein etwa 40 Milliarden Dollar kosteten, das schadenreichste erste Halbjahr gewesen, das die Versicherer je gesehen haben. Das zweite Halbjahr sei dann das ruhigste seit zehn Jahren gewesen, weil „die USA das Glück hatten, dass kein schwerer Hurrikan auf Land getroffen ist“, so Grimm.

Es habe weltweit aber viele mittelgroße Extremwetterereignisse wie Waldbrände, Dürren und Hochwasser gegeben, die „durch den Klimawandel immer weiter verstärkt werden“, so Grimm weiter. Allein diese sogenannten „Non-Peak Perils“ verursachten 2025 versicherte Schäden von 98 Milliarden Dollar.

Es lässt sich Grimm zufolge ziemlich genau zuordnen, inwiefern die höheren Temperaturen auf der Erde bestimmte Wetterereignisse häufiger und heftiger ausfallen lassen. Als Beispiel nennt er Hurrikan „Melissa“, der verheerende Zerstörungen auf Jamaika verursacht hat. „Der Klimawandel hat die maximalen Windgeschwindigkeiten um sieben Prozent und die Niederschlagsmengen um 16 Prozent erhöht“, so der Munich-Re-Experte.

Hurrikan „Melissa“: Ende Oktober 2025 verheerende Zerstörungen auf Jamaika. Foto: Uncredited/NOAA/AP/dpa

Dass Europa bei den Naturkatastrophenschäden im Jahr 2025 glimpflich davongekommen ist, ist Grimm zufolge zufallsbedingt: „Schon in diesem Jahr kann die Situation wieder eine andere sein.“

Für Deutschland rechnet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für das Jahr 2025 mit Schäden in Höhe von 2,6 Milliarden Euro durch Naturgefahren, rund drei Milliarden Euro weniger als 2024. Auch GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen bezeichnete die gesunkenen Schäden als „Glückssache“. Er betonte ebenfalls, dass die klimawandelbedingten Extremwetterereignisse insgesamt zunähmen.

Hochwasserschutz in Deutschland im Fokus

Die drei größten Gefahren für Deutschland sind Überschwemmungen, Hagel und Winterstürme. Auch Dürre und Hitzeperioden werden hierzulande zunehmen, was zu Wald- und Grasbränden führen kann. Die Hotspots liegen hier aber in anderen Regionen wie etwa den USA, Australien und Südeuropa.

Nicht zuletzt deshalb rückt in Deutschland vor allem der Hochwasserschutz in den Blick. Damit der Schutz gegen Naturgefahren überall verfügbar, versicherbar und bezahlbar bleiben kann, hat der GDV kürzlich ein Modell unter dem Namen „Element Re“ vorgestellt.

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„Mit Element Re können auch Menschen in Hochrisikogebieten bezahlbaren Versicherungsschutz bekommen“, sagt Grimm von Munich Re. Die Versicherungsverträge für diese Häuser können die Erstversicherer an Elementar Re weitergeben. Die Prämien werden auf eine Obergrenze gedeckelt, die nach der Größe der versicherten Gebäude gestaffelt werden soll. Die Differenz soll über einen breit verteilten Ausgleich finanziert werden.

Das Ganze beruht auf Freiwilligkeit. „Doch klar ist: Wer sich dagegen entscheidet, könne künftig nicht mehr den Staat und somit den Steuerzahler um Hilfe bitten“, betont Grimm.

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