Vergütung: Linke will Gehaltskluft zwischen CEOs und Niedriglöhnern deckeln
Berlin. Die Linke will die Lücke zwischen den Spitzengehältern der Topmanager und denen Beschäftigter am unteren Ende der Lohnskala mit einer „Lohngerechtigkeitsquote“ verringern. Unternehmen, die staatliche Zuschüsse erhalten oder an denen der Staat Anteile hält, sollen ihren am schlechtesten bezahlten Mitarbeitern mindestens ein Zwanzigstel des Gehalts des oder der CEO bezahlen müssen.
Das fordert der stellvertretende Parteivorsitzende Maximilian Schirmer in einem Papier, das dem Handelsblatt vorliegt. Basis für das Konzept war auch die Berichterstattung des Handelsblattes über die Entwicklung der Vorstandsgehälter.
Aktuell herrsche in deutschen Konzernen eine „absurde Ungleichheit“, heißt es in Schirmers Papier: Ein Dax-Vorstandsvorsitzender verdiene im Schnitt aktuell 5,8 Millionen Euro im Jahr. „Das ist das 41-Fache eines normalen Beschäftigten, bei Adidas sogar das 95-Fache“, sagt er.
Pflegekräfte, Bahnfahrer und Reinigungskräfte hingegen hielten für einen Lohn, der oft nicht bis zum Monatsende reiche, „den Laden am Laufen“. Mit Mindestlohn komme man auf 2.220 Euro brutto im Monat.
Wenn etwa der Chef des Autokonzerns Volkswagen mehr als 10,6 Millionen im Jahr verdiene, sei das „mehr, als vier Durchschnittsverdiener in ihrem ganzen Leben verdienen“. Und 400-mal mehr als Mindestlohnempfänger. Der deutsche Staat hält über das Bundesland Niedersachsen einen 20-prozentigen Anteil an VW.
Erstmals achtstellige Vergütungen
Nach Berechnungen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der TU München haben alle Vorstände der größten börsennotierten Konzerne in Deutschland 2024 deutlich besser verdient als im Vorjahr. Sie erhielten durchschnittlich eine Vergütung von je rund 3,8 Millionen Euro. Das waren drei Prozent mehr als 2023.
Die Spitzenverdiener unter den Vorstandsvorsitzenden im Dax sind Oliver Blume (Volkswagen und Porsche AG), Björn Gulden (Adidas) und Christian Sewing (Deutsche Bank). Blume und Gulden haben 2024 erstmals sogar die Zehn-Millionen-Euro-Marke überschritten.
Als positive Beispiele für die Angleichung der Verdienste nennt Schirmer Staatschefs der Vergangenheit: Barack Obama und Angela Merkel. Obama hatte 2009 während der Finanzkrise die Topgehälter bei Unternehmen, die Staatshilfe erhielten, bei 500.000 US-Dollar gedeckelt. Damit habe er signalisiert: „In der Krise braucht es Verantwortung statt Gier“, meint der Linken-Vize.
Merkel warnte vor „Maßlosigkeit“
Angela Merkel (CDU) hatte sich 2013 gegen überzogene Managergehälter ausgesprochen. „Maßlosigkeit darf in einer freien und sozialen Gesellschaft nicht sein“, sagte sie. In ihrer Amtszeit unterstützte sie den Vorschlag der EU-Kommission, dass nicht mehr nur die Aufsichtsräte, sondern auch die Aktionärshauptversammlungen die Spitzengehälter festlegen können.
So sollten beispielsweise die „zum Teil extrem hohen Bezüge in der Finanzwirtschaft begrenzt“ werden, sagte Merkel. Sie verstehe „sehr gut, wenn Menschen über manche Gehälter, die völlig aus dem Rahmen fallen, nur noch den Kopf schütteln können und wollen, dass das aufhört“.
„Wenn Friedrich Merz den Anspruch hat, ein Kanzler für die Mehrheit zu sein, dann sollte er endlich seine Blackrock-Mentalität ablegen und sich ebenso mit Vorschlägen fürs Gemeinwohl in die Diskussion einbringen“, sagt Linken-Vize-Chef Schirmer. Bundeskanzler Merz war von 2016 bis 2020 Aufsichtsratsvorsitzender der deutschen Tochtergesellschaft von Blackrock, dem weltweit größten Vermögensverwalter.