Kommentar: Stada-Verkauf ist nur auf den ersten Blick ein Erfolg

Wer in diesem Jahr auf Börsengänge wartet, wird enttäuscht: Der Pharmakonzern Stada, die wohl größte Börsenhoffnung Europas, wird stattdessen an den Finanzinvestor Capvest verkauft.
Für die bisherigen Eigentümer, die Beteiligungsgesellschaften Bain und Cinven, wirkt das auf den ersten Blick wie ein Erfolg: Nach langer Suche nach einem Käufer können sie die Mehrheit am Unternehmen abtreten.
Auf den zweiten Blick offenbart der Deal aber ein grundlegendes Problem der Private-Equity-Branche: Finanzinvestoren fällt es immer schwerer, am Aktienmarkt angemessene Preise für ihre Portfoliofirmen zu erzielen. Dabei galt der Börsengang lange als Königsweg. Mittlerweile funktioniert dieser aber immer seltener. Stattdessen sind Verkäufe an andere Private-Equity-Firmen oder an Strategen lukrativer.
Die Gründe, warum der Verkauf ein Problem ist
Für Beteiligungsgesellschaften ist dies aus mehreren Gründen ein Problem. Zum einen sinkt die Verhandlungsmacht der Finanzinvestoren – vor allem beim Preis –, wenn der Börsengang als attraktive Möglichkeit zum Ausstieg wegfällt.
Zudem wird der Mehrwert, den Private-Equity-Häuser Unternehmen bringen können, geringer. Beteiligungsgesellschaften versuchen, Firmen durch Zukäufe und Effizienzmaßnahmen in eine bessere Verfassung zu bringen und dann gewinnbringend zu veräußern.
Werden die Portfoliofirmen von Finanzinvestoren an Finanzinvestoren weiterverkauft oder von diesen immer länger gehalten, ist das Optimierungspotenzial aber begrenzt. Das traditionelle Geschäftsmodell von Private Equity funktioniert dann immer schlechter.
Kein Milliarden-Börsengang – Stada geht an britischen Finanzinvestor
Auch für den Kapitalmarkt ist die Flaute bei Börsengängen kein gutes Signal. In der Hand von Beteiligungsgesellschaften bleiben Unternehmen nämlich einer kleinen, exklusiven Gruppe von Investoren vorbehalten. Anders als an der Börse kann eine Vielzahl von Kleinanlegern nicht in sie investieren und an ihrer Entwicklung partizipieren.
Rückschlag für den Finanzplatz Frankfurt
Für den Finanzplatz Frankfurt ist der zum wiederholten Mal geplatzte Stada-Börsengang deshalb ein weiterer Rückschlag. Im Sommer hatten bereits der Werkzeugteilespezialist Autodoc und die Medizintechnikfirma Brainlab ihre Börsengänge abgesagt.
Die Oldenburgische Landesbank entschied sich wie Stada gegen einen Börsengang und für einen Verkauf. In diesem Jahr haben in Frankfurt nur sehr kleine Firmen den Sprung aufs Parkett geschafft.
Wie es jetzt weitergeht, kann die Deutsche Börse selbst beeinflussen. Sie prüft derzeit, ob sie ihre Index- und Datentochter ISS Stoxx an die Börse bringt. Alternativ könnte sie dem Minderheitsaktionär General Atlantic dessen Anteile direkt abkaufen – und die Flaute bei Börsengängen selbst verlängern.