Kommentar: Warum sagenhaften Gewinnen der Konzerne kein Dax-Rekord folgen muss

Wenn aber in den verbleibenden 15 Wochen des laufenden Jahres nichts Dramatisches mehr passiert, dann werden 15 der 40 Dax-Konzerne im Jahr 2025 den höchsten Gewinn ihrer Firmengeschichte erzielen.
Mit einem Nettogewinn von rund 115 Milliarden Euro dürften die Dax-Konzerne insgesamt eines ihrer besten Ergebnisse erzielen. Unternehmen wie SAP, Siemens, Allianz, Munich Re und Rheinmetall gleichen die Misere in der Automobil- und Chemieindustrie mehr als aus.
Wer daraus jedoch schlussfolgert, dass bald Rekorde an der Börse folgen werden, dürfte sich vermutlich täuschen. Der DAX hat bereits kräftig zugelegt. Deutschlands Börsenbarometer ist seit 2021 um 50 Prozent gestiegen – allerdings nur, wenn die Aktienkurse und nicht die ausgeschütteten Dividenden addiert werden. Die Gewinne der 40 Konzerne stagnierten hingegen.
Demzufolge ist die Börse sehr stark in Vorleistung getreten. Das ist an der hohen Bewertung abzulesen. Gemessen an den in den nächsten vier Quartalen erwarteten Gewinnen sind die 40 Dax-Konzerne etwa 20 Prozent höher bewertet als in den letzten 20 Jahren.
In dieser Rechnung ist bereits berücksichtigt, dass die aktuell hohen Konzerngewinne im Dax bis 2026 noch einmal um gut 15 Prozent steigen werden. Genau damit kalkulieren derzeit im Durchschnitt die zahlreichen nationalen und internationalen Experten, die die 40 Dax-Konzerne regelmäßig analysieren, um künftige Erträge vorherzusagen.
Sehr hohe Erwartungen an 2026
Ein Gewinnzuwachs von 15 Prozent ist viel und zweifellos eine ambitionierte Prognose – insbesondere angesichts der ungewissen Aussichten, wie sich die schwankungsreiche Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump auf künftige Erträge auswirken wird.
Dabei geht es immerhin um den wichtigsten Einzelmarkt für unsere Dax-Konzerne – noch vor Deutschland. Sollten sich hier Schwächen zeigen, drohen empfindliche Einbußen. Dies ist keinesfalls auszuschließen, aber leider nicht vorauszuberechnen, da Annahmen schnell überholt sein können.
Das gilt sowohl für die Erträge der Konzerne als auch für deren Aktienkurse. Diese können sich kurz- und mittelfristig von der Realität lösen, indem sie deutlich stärker schwanken als die bilanzierten Unternehmensgewinne. Langfristig kehren Aktien und damit börsennotierte Unternehmen jedoch immer zu ihren Durchschnittsbewertungen zurück.
Das hat einen einfachen, aber triftigen Grund: Investoren sind langfristig nicht bereit, zu viel für ihr eingesetztes Kapital zu bezahlen. Entsteht dieser Eindruck, suchen sie sich andere Anlagemöglichkeiten als die Aktienmärkte.