Versicherer: Wiener VIG soll über eine Milliarde für die Nürnberger bieten
München, Frankfurt. Der österreichische Versicherungskonzern VIG will für die Nürnberger Versicherungsgruppe voraussichtlich gut 1,3 Milliarden Euro bieten. Die Vienna Insurance Group (VIG) habe unverbindlich 115 Euro je Aktie für eine Mehrheitsbeteiligung in Aussicht gestellt, teilte die Nürnberger am Montag mit. Der Versicherer nannte somit auch erstmals eine Größenordnung für die Bewertung bei einer Übernahme. VIG äußerte sich dazu nicht.
Die unter ihrem Holding-Namen Nürnberger Beteiligungs AG börsennotierte Gesellschaft reagierte damit auf den starken Anstieg ihrer Aktie, deren Kurs bereits am Montagmorgen kräftig nach oben gesprungen war. Nach der Mitteilung kletterte sie in der Spitze bis auf 107,50 Euro und lag damit mehr als 40 Prozent über dem Schlusskurs von Freitag.
Bei der Hauptversammlung im Mai hatte die Nürnberger öffentlich mitgeteilt, die eigene Unabhängigkeit auf den Prüfstand zu stellen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Gesellschaft in einer Sanierungsphase, nachdem sie im Vorjahr einen Konzernverlust eingefahren hatte. Im August hatte die VIG bekannt gegeben, den Erwerb einer Mehrheit an der Versicherungsgruppe zu prüfen.
Die Nürnberger teilte am Montag weiter mit, dass man sich noch immer in exklusiven Verhandlungen mit der VIG befinde, aber auch andere Angebote prüfe. In Finanzkreisen hieß es am Montag, dass die VIG gute Chancen hätte, die Nürnberger zu diesem Preis zu übernehmen. Es sei ein gutes Zeichen, dass die Österreicher offenbar bereit seien, allen Aktionären ein Angebot zu machen. Es sei für andere Interessenten nicht einfach, ein höheres Angebot vorzulegen.
Zugleich teilte die Versicherungsgruppe mit, man habe der VIG erlaubt, Gespräche mit den Großaktionären zu führen. Von ihnen hängt es ab, ob die Wiener eine Chance haben, die Mehrheit an der Nürnberger zu bekommen. Die größten Aktionäre sind der Rückversicherer Munich Re mit 19,1 Prozent der Anteile, die Neue Seba Beteiligungsgesellschaft mit 18,8 Prozent, die Versicherungskammer Bayern (VKB) mit 16,3 Prozent und die japanische Daido Life mit 15 Prozent.
VKB will das Angebot der VIG „intensiv prüfen“
Unter den Großaktionären äußerte sich die VKB, die selbst als Interessent für eine Übernahme der Nürnberger galt: „Wir werden ein potenzielles Angebot intensiv prüfen und freuen uns darauf, dass der angekündigte transparente Prozess nun Wirklichkeit wird“, sagte ein Firmensprecher dem Handelsblatt. Munich Re will zu den aktuellen Informationen nichts sagen, wird in Branchenkreisen aber grundsätzlich als verkaufswillig eingestuft.
Zuletzt hatten mehrere Aktionäre einen intransparenten Prozess bemängelt und Kritik an den exklusiven Verhandlungen der Nürnberger mit der VIG geübt. Man habe sich zu früh auf einen Verhandlungspartner festgelegt und anderen Interessenten damit keine Chance gegeben, sagte ein Anteilseigner. Der Vorstand handele nicht im Sinne der Aktionäre, sondern habe vor allem die eigenen Interessen im Blick, sagte ein anderer Aktionär. Die Wiener hätten dem Vorstand der Nürnberger rund um den Chef Harald Rosenberger weitreichende Job-Garantien gegeben.
Angeführt wurde die Kritik vom aktivistischen Investor 7Square: In einem Brief an den Nürnberger-Vorstand schrieb 7Square-Manager Thomas Schweppe, es gebe weitere Interessenten außer der VIG, die bereit wären, einen höheren Preis zu zahlen. Er taxierte den Wert des Unternehmens auf 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro, was 119 Euro bis 143 Euro je Aktie entspräche. Ein Angebot von 115 Euro je Aktie läge in etwa am unteren Rand dieser Spanne.
Schweppe wollte sich zu der aktuellen Mitteilung der Nürnberger dem Handelsblatt gegenüber nicht äußern. Er wolle zunächst abwarten, bis ein Angebot der VIG tatsächlich auf dem Tisch liege. 7Square hält selbst Anteile an der Nürnberger Versicherung. Zudem hatte sich der Investor in Gesprächen mit einzelnen Aktionären zum Erwerb von Anteilen befunden, bevor der Verkaufsprozess begann.
Erstpublikation: 13.10.2025, 13:31 Uhr.