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VersicherungAktivistischer Investor mischt sich in Nürnberger-Verkauf ein

Am Freitag hatten Nürnberger und Vienna Insurance Group mitgeteilt, dass sie über eine Zusammenarbeit sprechen. 7Square fordert die Nürnberger nun auf, alternative Übernahmeangebote zu prüfen.Tami Holderried, Susanne Schier 13.08.2025 - 20:15 Uhr Artikel anhören
Unternehmenszentrale der Nürnberger Versicherung: Investor schießt quer. Foto: NÜRNBERGER Versicherung

Frankfurt, München. Der aktivistische Investor 7Square spricht sich gegen die Übernahme der Nürnberger Versicherung durch die österreichische Vienna Insurance Group (VIG) aus. „Wir sind überzeugt, dass ein Erwerb einer Kontrollmehrheit an der Nürnberger durch die VIG für das Unternehmen und insbesondere für die Aktionäre ausgesprochen nachteilig und wertzerstörend ist“, heißt es in einem Schreiben von 7Square an den Nürnberger-Vorstandschef Harald Rosenberger. Das Schreiben liegt dem Handelsblatt vor.

Der Verkauf sollte vom Vorstand nicht weiter unterstützt werden, fordert 7Square darin weiter. Der zum jetzigen Zeitpunkt erzielbare Wert des Eigenkapitals der Nürnberger-Gruppe betrage 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro oder 119 bis 143 Euro je Aktie.

Am Mittwoch schloss die Aktie bei 63,80 Euro. Über den Preis, den die VIG zahlen würde, ist nichts bekannt. Weder die Nürnberger noch die VIG wollten sich auf Anfrage des Handelsblatts zum Brief von 7Square äußern.

Ein aktivistischer Investor ist ein Anleger, der sich gezielt in Unternehmen einkauft, um dort Einfluss auf die Unternehmensführung und die Strategie zu nehmen – teilweise stellvertretend für Hedgefonds oder andere Investoren. 7Square hält eigenen Angaben zufolge auch Aktien und Kaufoptionen zum Erwerb von Aktien der Nürnberger.

77
Millionen Euro
Verlust fuhr die Nürnberger Versicherung im Vorjahr ein.

Bereits auf der Hauptversammlung im Mai hatte die Nürnberger angekündigt, ergebnisoffen zu prüfen, ob das Unternehmen weiterhin unabhängig bleiben soll und welche weiteren Handlungsoptionen es gibt. Hintergrund ist die aktuelle Sanierung des Unternehmens. Unter dem Strich wies der Konzern im vergangenen Jahr einen Verlust von 77 Millionen Euro aus. Im laufenden Jahr soll das Jahresergebnis wieder bei etwa 40 Millionen Euro liegen.

Die österreichische Vienna Insurance Group hat ihren Sitz in Wien, verfügt aber auch über eine führende Marktposition in Zentral- und Osteuropa. In Deutschland ist die Gruppe mit der Interrisk Versicherung vertreten. Mit dem Einstieg bei der Nürnberger könnte der Versicherer seine Präsenz hierzulande deutlich ausweiten.

Warum die Nürnberger nur mit der VIG kooperieren will

Der Grund, warum man ausschließlich Gespräche mit den Wienern führen wolle, seien „insbesondere die strategischen Optionen, die finanziellen Investmentindikatoren und die Zusagen zur Standortsicherung sowie zum Erhalt der Marke und Identität“ der Nürnberger, hatte der Konzern am Freitag mitgeteilt. Aus Branchenkreisen erfuhr das Handelsblatt, dass bei der Suche nach einem Partner allerdings auch Jobgarantien – vor allem für die Vorstände – eine Rolle gespielt haben dürften.

Schriftzug der VIG: Der aktivistische Investor 7Square will die VIG als Mehrheitsaktionär der Nürnberger Versicherung verhindern. Foto: Reuters

7Square will laut dem Brief erreichen, dass die Nürnberger die Gespräche mit der VIG beendet und einen Plan zur Prüfung aller strategischen Optionen bekannt gibt. Man habe „konkrete Kenntnisse über das Interesse mehrerer strategischer Investoren, die daran interessiert wären, die Lebensversicherungssparte oder die gesamte Nürnberger-Gruppe im Rahmen eines transparenten und fairen Prozesses zu erwerben“.

Welche das sind, wollte 7Square auf Handelsblatt-Anfrage nicht nennen. Bei einem Verkauf des Lebensversicherungsgeschäfts wäre Geld vorhanden, um die defizitäre Sachsparte zu restrukturieren.

Große Anteilseigner äußern sich nicht

Weder die Versicherungskammer Bayern (VKB), die mehr als 16 Prozent an der Nürnberger hält, noch die Munich Re, die mit über 19 Prozent beteiligt ist, wollten den Brief kommentieren. Weitere große Anteilseigner sind die Neue Seba Beteiligungsgesellschaft – hier halten vor allem die Pensionsfonds der Beschäftigten der Nürnberger Versicherung Anteile am eigenen Unternehmen – und die japanische Daido Life Insurance Company.

Die VKB gilt in Branchenkreisen als möglicher Verhandlungspartner der Nürnberger. Offiziell bestätigt hat das der öffentliche Versicherer jedoch nicht. Auf Handelsblatt-Anfrage betont die VKB lediglich, man habe als Konzern mit tiefer Verwurzelung in Bayern ein besonderes Anliegen, „dass die Finanzplätze Nürnberg und Bayern erhalten bleiben“.

Auch der Provinzial wird in der Branche ein Interesse an der Nürnberger nachgesagt. Ein Unternehmenssprecher betonte jedoch gegenüber dem Handelsblatt: „Wir haben keine Beteiligung an der Nürnberger Versicherung geprüft.“

Versicherungen

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Da die Nürnberger-Aktien im Scale-Segment, einem Segment für wachstumsstarke kleine und mittlere Unternehmen, der Frankfurter Börse notieren, könnte ein Käufer einer Mehrheitsbeteiligung die übrigen Aktionäre ohne Pflichtangebot außen vor lassen. Eine solche Übernahme würde den Wert für alle verbleibenden Aktionäre dauerhaft mindern, warnt 7Square. Sie seien dem Willen und der Strategie des künftigen Mehrheitsaktionärs ausgeliefert.

Man halte insbesondere die VIG für einen ungeeigneten Mehrheitsgesellschafter für die Nürnberger-Beteiligung. Dabei sei die Ausgangssituation verheerend, monierte 7Square. Durch langjährige operative Fehlentwicklungen in vielen Bereichen des Versicherungsgeschäfts sei nicht nur in signifikantem Umfang Wert für die Aktionäre zerstört worden. Es drohten auch ernst zu nehmende negative Konsequenzen für Versicherungsnehmer und Arbeitnehmer.

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Es sei aber nicht zu erwarten, dass unter einem kontrollierenden Einfluss der VIG die notwendigen einschneidenden Maßnahmen umgesetzt werden, um die Lebensversicherung und die Schaden- und Unfallversicherung auf ein zufriedenstellendes Profitabilitätsniveau zu führen. Die VIG habe das mit Versicherungsunternehmen im eigenen Konzern ebenfalls nicht geschafft. Die Nürnberger sollte daher die Gespräche mit der VIG umgehend beenden und Alternativen nicht ohne mehrheitliche Zustimmung der Aktionäre umsetzen.

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