Ahmed al-Scharaa: Der Präsident, der durch den Seiteneingang kam
Washington. Die Kameras waren aufgestellt, die Journalisten warteten gespannt vor dem Haupteingang des Weißen Hauses auf den unüblichen Gast des Präsidenten: den syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa.
Sie warteten vergebens. Denn der einstige Mitstreiter der Terrororganisation al-Qaida, die für den Anschlag vom 11. September 2001 auf die USA verantwortlich ist, betrat das Büro Donald Trumps nicht – wie üblich – durch den Haupteingang des Westflügels, sondern über einen Seiteneingang, ohne das übliche Zeremoniell für Staatsgäste. Und ohne, dass die Reporter es zunächst bemerkt hatten.
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Aber auch diese Begebenheit kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass dort etwas passierte, was nahezu historisch anmutet: Eben noch auf der Terrorliste, jetzt als Gast im Weißen Haus – eine größere Aufwertung kann es kaum geben. Seit der Unabhängigkeit Syriens im Jahr 1946 war noch kein Präsident des Landes in Washington empfangen worden.
„Die Leute sagen, er hatte eine schwierige Vergangenheit. Wir alle hatten eine schwierige Vergangenheit“, sagte Trump über den syrischen Präsidenten. Zuvor bereits hatte er ihn überschwänglich gelobt. „Ich denke, dass er sehr gute Arbeit leistet. Das ist eine raue Gegend und er ist ein tougher Typ, aber wir kommen hervorragend miteinander aus“, hatte der Präsident über jenen Mann gesagt, auf den die USA sogar ein Kopfgeld von zehn Millionen Dollar ausgesetzt hatten.