Friedensgipfel geplant: China will zwischen Afghanen und Taliban vermitteln
Immer wieder verüben die Taliban Anschläge in Afghanistan. China bot sich nun als Vermittler für Friedensgespräche zwischen dem Land und der Terrororganisation an.
Foto: dpaKabul. China bietet sich als Vermittler für die festgefahrenen Friedensverhandlungen zwischen Afghanistan und den radikal-islamischen Taliban an. Die Wirtschaftsmacht, die eine sehr kurze Grenze mit Afghanistan verbindet, schlägt die Einrichtung eines „Forums für Frieden und Versöhnung“ vor. Dies geht aus Dokumenten hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen.
In dem Gremium sollen nach Angaben aus afghanischen Regierungskreisen Vertreter der Führung in Kabul, Pakistans, Chinas und der Taliban nach einer Lösung für den Konflikt suchen. Der Vorschlag wurde nach Angaben aus afghanischen Regierungskreisen bisher noch nicht offiziell präsentiert, weil Präsident Aschraf Ghani zunächst die Reaktion der Taliban abwarten will. "Dies ist ein sehr, sehr wichtiger erster Schritt", sagte Ghanis Berater Daud Sultansoi jedoch.
Chinas Vorstoß fällt zusammen mit dem Abzug der letzten US-Kampftruppen aus Afghanistan. Der Isaf-Einsatz der Nato-Truppe läuft zum Jahresende aus. Künftig werden zwar Tausende ausländische Soldaten im Land bleiben. Sie sollen dort aber nicht mehr gegen die Taliban kämpfen, sondern die afghanischen Sicherheitskräfte ausbilden und beraten.
Die Taliban verüben aber noch immer regelmäßig Anschläge auf militärische und zivile Ziele. Ein Friedensvertrag mit den Extremisten gilt daher als beste Chance der afghanischen Regierung, den Abzug der internationalen Kampftruppen zu überleben.
China will nach eigenen Angaben allerdings nicht die Lücke füllen, die die US-Truppen zum Jahresende hinterlassen. Das Land unterstützt den Kampf gegen den Drogenanbau am Hindukusch bereits finanziell und hat Vereinbarungen geschlossen, um die Öl- und Kupfervorkommen dort auszubeuten. Verbunden sind China und Afghanistan nur durch einen schmalen, kaum passierbaren Gebirgskorridor.
China befürchtet jedoch, dass uigurische Extremisten, die für einen eigenen Staat in der Region Xinjiang im Westen des Landes kämpfen, das Sicherheitsvakuum ausnutzen könnten, das die Kampftruppen der Nato mit ihrem Abzug am Hindukusch hinterlassen. Hunderte uigurische Kämpfer sollen sich in den gesetzlosen Stammesgebieten zwischen Afghanistan und Pakistan versteckt halten.
„Die Chinesen würden die Taliban zu Gesprächen in China einladen, wenn Afghanistan dem zustimmt“, hieß es in afghanischen Regierungskreisen. „Sie bieten an, die Rolle des Unterhändlers zu übernehmen“. Afghanistan wiederum macht für einen Großteil der Instabilität den Nachbarstaat Pakistan verantwortlich.
So wirft das Land der Führung in Islamabad vor, Extremisten Unterschlupf zu gewähren, und fordert von der pakistanischen Regierung ein klares Bekenntnis zum Friedensprozess. Pakistan ist nach eigenen Angaben zur Zusammenarbeit mit China und anderen bereit, verlange aber zunächst die Klärung von Details zu dem geplanten Prozess.
Die Taliban wollten sich zu dem Vorstoß Chinas zunächst nicht äußern. Die Führung der Gruppe müsse darüber erst beraten, sagte ein Sprecher.
Experten gehen davon aus, dass China wegen seiner engen Beziehungen zu Pakistan größere Chancen als die USA hat, die Friedensverhandlungen für Afghanistan wiederzubeleben. „Es gibt keine Garantie, dass sich die Dringe verändern werden“, sagt Thomas Ruttig vom Analystennetzwerk Afghanistan. „Aber es ist sicher einen Versuch wert - die Beziehungen zwischen China und Pakistan sind weit weniger gespannt als zwischen den USA und Pakistan.“
International waren in der Vergangenheit immer wieder Forderungen laut geworden, China mit seiner großen Wirtschaftsmacht müsse sich diplomatisch viel stärker als bisher einbringen und dürfe sich nicht länger aus der Lösung von Krisen heraushalten.