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Jemen im KriegMachtkampf in Arabiens Armenhaus

Der Jemen zerfällt. In dem bitterarmen Land heißt es: Jeder gegen jeden. Im Machtkampf der Milizen mischen die Erzfeinde Saudi-Arabien und Iran kräftig mit, ziehen die Strippen – und gießen so Öl ins Feuer.Désirée Linde 27.03.2015 - 19:44 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Düsseldorf. Im Jemen herrscht Krieg. Es sind längst mehr als Scharmützel zwischen den Regierungsgruppen und den Huthi-Rebellen. Der offene Konflikt seit 2013 verschärft die angespannte Lage im Nahen Osten mit Syrienkrieg, dem zerfallenden Irak und dem blutigen Machtkampf in Libyen weiter. Saudi-Arabien und seine Verbündeten haben am Freitag – dem zweiten Tag ihrer Offensive – Stellungen der Huthi-Rebellen in der Hauptstadt Sanaa aus der Luft angegriffen.

In der Meeresstraße Bab al Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet, wurden saudi-arabische und ägyptische Kriegsschiffe stationiert. Darüber hinaus seien am Freitag Angriffe auf die Rebellenhochburg Saada im Norden des Landes geflogen worden, teilte das Militär mit. Ins Visier seien auch Armeelager von Truppen genommen worden, die dem Ex-Präsidenten Ali Abdullah Salih nahe stehen und aufseiten der Huthi-Rebellen kämpfen.

Der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten
... nämlich etwa 80 bis 90 Prozent der Muslime weltweit sind Sunniten, nur in wenigen Ländern stellen Schiiten die Mehrheit. Dazu zählen der Iran, der Irak und Bahrain. Der Konflikt im Jemen droht sich zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Sunniten und Schiiten und damit zwischen deren Schutzmächten Saudi-Arabien und dem Iran zu entwickeln. Die Auseinandersetzung lenkt das Augenmerk auf diese beide größten Glaubensrichtungen des Islam.
... ist die Entstehung der beiden Glaubensrichtungen Sunniten und Schiiten. Die muslimische Gemeinschaft spaltete sich im Streit über die Nachfolge des Propheten Mohammed im siebten Jahrhundert. Die Mehrheit der Muslime wollte damals einen geeigneten Kandidaten frei bestimmen. Die Minderheit dagegen verlangte, dass der Nachfolger aus Mohammeds Familie stammen müsse, und legte sich auf seinen Vetter Ali fest. Die Anhänger dieser Minderheit wurden "Schiat Ali", Partei Alis, genannt, woraus sich die Bezeichnung Schiiten entwickelte. Der Begriff Sunniten leitet sich von der Sunna ab, den Überlieferungen des Propheten.
... ergeben sich entsprechend. Die Sunniten lehnen die Heiligenverehrung und den Märtyrerkult der Schiiten strikt ab. Die Schiiten wiederum fühlen sich oft als Opfer der Sunniten. Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der beiden Konfessionen gibt es nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in Ländern wie Pakistan.
... der Sunniten sieht sich das Königreich Saudi-Arabien. Der Iran betrachtet sich als Interessenvertreter der Schiiten. Beide Staaten konkurrieren um die Vorherrschaft im Nahen Osten. Kenner der Region gehen davon aus, dass der Iran durch die aktuellen Umwälzungen und die Aussichten auf eine Einigung im Atomstreit nach jahrzehntelanger Isolation an Stärke gewinnen dürfte. Die mit den USA verbündeten saudischen Ölscheichs dagegen dürften an Einfluss verlieren.
... ist der Islam ist Staatsreligion. Im Süden leben vor allem sunnitische Schafeiten, im Norden schiitische Zaiditen und eine ismailitische Minderheit. Viele Sunniten im Jemen befürchten, dass die Huthi-Rebellen die Revolution von 1962 rückgängig machen und das saiditische Imamat wiederaufbauen wollen, das das jemenitische Hochland 1000 Jahre lang beherrschte.Die Huthis hatten sich ursprünglich zusammengefunden, um die Interessen der Zaiditen zu verteidigen. Ihre Anhänger fühlten sich unter der jahrzehntelangen Herrschaft des ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh bedroht, obwohl dieser selbst den Zaiditen angehört.
... des im neunten Jahrhundert in Samarra verschwundenen zwölften Imans, der als „Mahdi“ (Erlöser) die Welt retten soll, wartet die große Mehrheit der Schiiten. Sie werden daher Zwölfer-Schiiten genannt. Ajatollah Ruhollah Chomeini machte die Glaubensrichtung 1979 zur Grundlage der Islamischen Republik Iran. Zwölfer-Schiiten leben heute vor allem im Iran, im Irak und im Libanon.
... sind die Ismailiten, die Drusen, die Alawiten. Die Ismailiten werden auch als Siebener-Schiiten bezeichnet. Das Oberhaupt einer Ismailiten-Gruppierung ist der Aga Khan, der mit seiner gleichnamigen Stiftung Entwicklungshilfe-Projekte vor allem in Asien und Afrika fördert. Von den Ismailiten leiten die Drusen ihre Geheimreligion ab. Sie leben vor allem im Libanon. Die Alawiten, zu denen der syrische Staatschef Bashar al-Assad zählt, werden ebenfalls dem vielfältigen Spektrum des schiitischen Islam zugerechnet. Auch der alawitische Glaube gilt als Geheimreligion, über die nicht viel bekannt ist. Zudem werden die Alewiten zu den Schiiten gezählt. Die meisten Anhänger dieser Glaubensgemeinschaft leben in der Türkei, wo die Mehrheit der Muslime allerdings sunnitisch ist.
... gibt es vor allem bei den Sunniten. Anhänger des Salafismus etwa streben die Rückkehr zu einem fundamentalistisch interpretierten Ur-Islam an. Ihr Name leitet sich von den arabischen Worten für „die rechtschaffenen Altvorderen“ ab. Ziel der Salafisten ist die Errichtung eines Gottesstaates. Die Bewegung gilt als Durchlauferhitzer für die Radikalisierung von Attentätern.
... und vielen anderen Ländern ist der Salafismus die am schnellsten wachsende islamistische Bewegung. Auch die Mitglieder der sogenannten Sauerland-Gruppe, die Anschläge in Deutschland vorbereitet hatten und 2007 verhaftet wurden, gehörten zu den Salafisten. Der Wahhabismus ist die wichtigste ideologische Strömung im Salafismus. Er geht auf den Gelehrten Muhammad Ibn Abdalwahhab zurück und ist Staatsreligion in Saudi-Arabien. Das Königreich fördert mit Spenden die Ausbreitung der konservativen Lehre weltweit.
... sind häufig im sunnitischen Islam zu finden. Die 1928 von Hassan al-Banna in Ägypten gegründete Muslimbruderschaft gilt als älteste sunnitische Islamistenbewegung. Sie ist in unterschiedlicher Ausprägung in vielen Ländern vertreten. Aus der Muslimbruderschaft ging unter anderem die palästinensische Hamas hervor.
... ist die Mitte der 80er-Jahre gegründete Extremistenorganisation al-Qaida (Die Basis), die unter ihrem inzwischen getöteten Anführer Osama bin Laden für die Anschläge vom 11. September 2001 verantwortlich ist. Ihr syrischer Ableger heißt Dschabhat al-Nusra (Nusra-Front). Im Jemen hat al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AKAP), die als aggressivster Arm der Organisation gilt, ihren Sitz. Die radikale Gruppe bekannte sich zuletzt zu dem Anschlag auf die französische Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ und betrachtet alle Schiiten als ihre Feinde.
... ist besonders im Irak und Syrien aktiv und sorgt dort seit über einem Jahr für Terror. Sie wurde 2003 unter dem Namen al-Qaida im Irak von dem Jordanier Abu Mussab al-Sarkaui gegründet und wird inzwischen von Abu Bakr al-Baghdadi geführt. Er liegt mit der ursprünglichen al-Qaida die von Aiman al-Sawahiri von Pakistan aus gesteuert wird, im Clinch. Der IS gilt als derzeit radikalste Islamistengruppe.
.. ist die libanesische Hisbollah. Sie wurde 1982 gegründet. Unterstützung erhält die Schiiten-Organisation vom Iran und Syrien. Einheiten der Hisbollah kämpfen in Syrien auf Seiten von Assads Truppen.

Das Land droht damit endgültig ins Chaos abzugleiten, staatliche Ordnung gibt es nicht mehr. Es ist der dritte jemenitische Bürgerkrieg innerhalb von 25 Jahren. In der Auseinandersetzung mischen auch Regionalmächte mit ihren ganz eigenen Interessen kräftig mit. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Krieg im Jemen.

Wer kämpft gegen wen?

Der dominierende Konflikt: die vor 2011 unterdrückten Huthi-Rebellen gegen die Regierung. Die zaidistisch-schiitische Bewegung kontrolliert seit Monaten weite Teile des Nordjemen und die Hauptstadt Sanaa. Die Zaiditen – der Zaidismus ist eine Strömung innerhalb des schiitischen Islams – stellen etwa ein Drittel der Bevölkerung. Im Februar flüchtete Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi nach Aden und erklärte die Stadt im Süden des Landes zur vorübergehenden Hauptstadt. Die Huthis starteten einen groß angelegten Vormarsch nach Aden. Saudi-Arabien fürchtet besonders, dass sie die Kontrolle über die nahe gelegene Meerenge Bab al-Mandab erlangen könnten. Die rund 30 Kilometer breite Meeresstraße verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean – und ist von strategischer Bedeutung für den Welthandel. Vor den anrückenden Rebellen soll Hadi inzwischen auf dem Seeweg außer Landes geflohen sein. Kurz darauf eroberten die Aufständischen den Flughafen Adens. Saudi-Arabien und neun verbündete Länder greifen seit der Nacht zu Donnerstag aus der Luft Stellungen der Huthi-Rebellen an und so in den inneren Machtkampf im Jemen ein.

Karte zur Lage im Jemen.

Foto: Handelsblatt

Was wollen die Huthi-Rebellen?

Der Konflikt schwelt schon lange, entsprechend komplex ist die Gemengelage bei den beteiligten Akteuren. Während des Arabischen Frühlings hatten die Jemeniten ihren Diktator Ali Abdullah Salih 2012 aus dem Amt gejagt. Doch dem folgenden und nun geflohenen Präsidenten Hadi gelang es bis heute nicht, das zutiefst gespaltene Land zu einen.

Die Huthis aus dem Norden des Landes, erstmalig 1994 als Kämpfer während des Bürgerkriegs formiert, fühlten sich im politischen Entscheidungsprozess marginalisiert. Sie wuchsen zu einer ernstzunehmenden militärischen Gruppe – und bilden eine Zweckgemeinschaft mit dem gestürzten Ex-Machthaber Salih, der die Huthis einst selbst bekämpfen ließ. Einige der bestausgebildeten Einheiten des Militärs und im Sicherheitsapparat sind ihm nach wie vor treu ergeben. Sie helfen den Huthis beim schnellem Vormarsch.

Krieg im Jemen: Eine Chronologie
Im Land beginnen, inspiriert durch den Arabischen Frühling, Massenproteste gegen Langzeitherrscher Salih. Das Regime geht mit Gewalt gegen Demonstranten vor. (Quelle: dpa)
Ex-Präsident Ali Abdullah Salih gibt seine Macht an seinen Vize Abed Rabbo Mansur Hadi ab. Nach offiziellen Angaben starben in dem ein Jahr andauernden Widerstand mehr als 2000 Demonstranten.
Ein nationaler Dialog soll den Übergang zur Demokratie ermöglichen. Mehrere politische Gruppen, darunter auch die Huthis, arbeiten an einer neuen Verfassung. Als es zu Gefechten zwischen salafistischen Gruppen und Huthis im Norden des Landes kommt, distanziert sich der Stamm Anfang 2014 vom Ergebnis der Konferenz.
30.000 Huthi-Anhänger belagern die Hauptstadt Sanaa und übernehmen wichtige Regierungsgebäude. Im Oktober erzwingen die Rebellen von Präsident Hadi eine Regierungsumbildung, im Osten und Süden des Landes rücken sie weiter vor.
Die Huthi umstellen in Sanaa den Präsidentenpalast mit Panzern. Hadi und mehrere Regierungsmitglieder werden unter Hausarrest gestellt, der Präsident bietet seinen Rücktritt an.
Hadi flieht ins südjemenitische Aden und ernennt seinen Fluchtort zur neuen Hauptstadt. Die Rebellen beginnen mit ihrem Marsch gen Aden.
Mit Hilfe von Getreuen des Ex-Präsidenten Salih erobernd die Huthis die letzten Militärbasen vor Aden. Hadi bittet seine arabischen Nachbarn um eine Intervention, er selbst taucht unter.

Welche Rolle spielen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und al-Qaida im Jemen?

Für den IS ist nicht klar, ob er im Jemen operiert, es ist aber wahrscheinlich. Vergangene Woche starben bei einer Anschlagsserie fast 150 Menschen. Erstmalig wurden – so erscheint es nach einer entsprechenden Videobotschaft – Anhänger der Terrormiliz im Jemen aktiv. Der Staat war bislang das bevorzugte Rückzugsgebiet von al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) – dem mächtigsten Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerks. Die Terrororganisation unterhält im von Bergen und Wüsten geprägten Land im Südwesten der Arabischen Halbinsel Ausbildungslager.

Beide Terrorgruppen sorgen unabhängig voneinander für eine weitere Destabilisierung des Staates und eine Polarisierung der Konfliktparteien. Trotz einer sehr ähnlichen Ideologie ist der IS mit al-Qaida verfeindet. Die Huthi-Rebellen haben sich zuletzt in den Küstenregionen mit den von Osten kommenden al-Qaida-Kämpfern heftige Gefechte geliefert.

Welche Interessen verfolgen der Iran und Saudi-Arabien?

Beide Regionalmächte versuchen, den Einfluss des jeweiligen anderen in der Region zurückzudrängen. Nach außen versucht sich der Iran allerdings neutral zu zeigen. Doch es gilt als wahrscheinlich, dass er die schiitischen Huthi-Rebellen unterstützt. Beide Seiten streiten aber eine Einflussnahme ab.

Die Saudis wiederrum haben lange eine weitere Gruppe unterstützt – die Islah-Partei mit einem hohen Anteil der (sunnitischen) Muslimbruderschaft –, sich dann aber zurückgezogen. Saudi-Arabien gewährte Salih nach dessen Rücktritt Unterschlupf. Jetzt fliegen Saudi-Arabien und neun Bündnisländer Angriffe gegen die schiitischen Rebellen. Der reiche sunnitische Golfstaat hat großes Interesse daran, dass der bitterarme Jemen unter sunnitischer Kontrolle bleibt.

Die wichtigsten Akteure im Jemen
Die Huthis sind ein schiitischer Volksstamm aus dem Nordjemen. Im vergangenen September eroberten rund 30.000 Anhänger die Hauptstadt Sanaa, Anfang des Jahres setzten sie dort Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung in deren Häusern fest. Binnen weniger Wochen brachten sie die Westküste und den Süden des Landes unter Kontrolle. (Quelle: dpa)
Dem Präsidenten gelang im Februar die Flucht aus Sanaa in die südjemenitische Stadt Aden, von wo aus er weiterzuregieren versuchte. Als die Huthis vorrückten, musste der von den USA und Saudi-Arabien unterstützte Staatschef auch seine dortige Residenz verlassen. Sein neuer Aufenthaltsort war zunächst unklar.
Saudi-Arabien hat als reichster Golfstaat ein großes Interesse daran, den bettelarmen Jemen unter sunnitischer Kontrolle zu halten. Seit Donnerstag fliegt die Monarchie Luftangriffe gegen Huthi-Stellungen.
Der Iran versucht hingegen als Rivale Saudi-Arabiens, via Sanaa einen Fuß auf die Arabische Halbinsel zu bekommen. Das schiitische Land gilt als Verbündeter der Huthi-Rebellen und forderte einen Stopp der militärischen Angriffe Saudi-Arabiens.
Der Ex-Präsident schlug einst Aufstände der Huthis nieder, heute gilt er als heimlicher Verbündeter der Rebellen. Die UN werfen ihm vor, das Chaos im Jemen geschürt zu haben und einen Weg zurück an die Macht zu suchen. Der Langzeitherrscher war nach Protesten gegen ihn Anfang 2012 zum Rücktritt gezwungen worden.
Al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP) ist der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes. Die sunnitischen Extremisten gelten als heimliche Gewinner im Machtpoker um den Jemen. Mit ihren Anschlägen gegen die schiitischen Huthis punkten sie vor allem bei ärmeren sunnitischen Stämmen.

Wie verhalten sich die USA?

Die USA haben sich offen positioniert – für die Regierung von Hadi und dementsprechend gegen jene, die seine Regierung abgesetzt haben: Sie gewähren deshalb den Saudis logistische und geheimdienstliche Unterstützung im Kampf gegen die Huthi-Rebellen. Dem alten Machthaber Saleh werfen die USA vor, das Chaos geschürt zu haben, um dadurch wieder zurück an die Macht zu gelangen.

Die Uno verhängte Sanktionen gegen ihn. Einmischung von außen hat in Jemen wie in vielen Ländern der Region bereits Tradition: So unterstützten die wahabitischen Saudis – Wahabismus ist eine Strömung des sunnitischen Islams – die Regierung des Jemen in den 90er-Jahren im Kampf gegen die Abspaltung des Südens (früher Volksdemokratische Republik Jemen).

Könnte sich das Land wie vor 1990 wieder in zwei Teile spalten?

Das ist möglich. Allerdings verläuft die Konfliktlinie längst nicht nur mehr Nord gegen Süd. In der von der Hadi-Regierung ausgearbeiteten Verfassung war die Idee einer föderalen Aufteilung enthalten. Dadurch sollten Konflikte gelöst werden, die mit der Sezessionsbewegung im Süden des Landes (Hirak) und eben mit den Huthis im Norden bestanden. Beide Gruppen fühlten sich von den Regierungen marginalisiert. Die Huthis lehnen die ausgearbeitete Sechs-Regionen-Lösung ab und auch die geografische Region, die ihnen zugedacht war.

Mit einer bipolaren Spaltung des Landes wäre es vermutlich nicht getan, da zu viele Akteure mitmischen – neben den beiden Bewegungen noch der alte Machthaber, das Militär und die ehemals von Saudi-Arabien unterstützte Islah-Parbei. Zudem erscheint der Vormarsch der Huthis darauf hinzudeuten, dass sie sich mit dem Norden des Landes allein nicht mehr begnügen werden.

Infobox: Das arabische Krisenland Jemen
Im Norden grenzt der Jemen an Saudi-Arabien, im Osten an den Oman, im Süden an den Golf von Aden und das Arabische Meer sowie im Westen an das Rote Meer.
Der Jemen mit 26 Millionen Bewohnern gilt als Armenhaus Arabiens. Der Jemen ist circa anderthalb Mal so groß wie Deutschland. (Quelle: dpa)
Mit knapp zweieinhalb Millionen Einwohnern ist Sanaa die bevölkerungsreichste Stadt des Landes. Die Stadt ist besonders bekannt für ihre imposante Architektur. Auf einem großen Basar in der Altstadt werden Schmuck, Silber, Teppiche und Lederwaren gehandelt.
Im Vergleich zum großen Nachbarn Saudi-Arabien sind Wirtschaft und Infrastruktur schwach entwickelt. Zuletzt war der Jemen zudem von einem erneuten Bürgerkrieg ausgesetzt. Dazu kommt ein gewaltiges Terrorproblem. Al-Kaida nutzt das 530 000 Quadratkilometer große Land als Rückzugsgebiet.
Jemens schwache Zentralregierung unter Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi hat Probleme, die Macht gegen traditionelle Stammesstrukturen durchzusetzen. Mit dem arabischen Aufstand 2011 wurden die schiitische Huthis als politische Kraft im Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft wahrgenommen. Im vergangenen September eroberten Huthi-Rebellen die Hauptstadt Sanaa.

Droht ein langer Krieg wie in Syrien?

Das ist möglich. Denn keine der beiden Seiten ist in der Lage, militärisch oder politisch schnell die Überhand zu gewinnen – ähnlich wie in Syrien. Der Krieg dort droht die Lage im Jemen noch zu verschlimmern – über brüchige Grenzen gen Saudi-Arabien und die Einflussnahme der Regionalmächte, die mit den Luftangriffen weiter Öl ins Feuer gießen. 30 Zivilisten sind bislang ums Leben bekommen. Die Zivilbevölkerung droht weiter zu verarmen: Die Wirtschaft schrumpft seit Jahren, nach Uno-Schätzungen lebt jeder Zweite in Armut. Der Jemen hat kaum Bodenschätze wie der reiche Öl-Nachbar Saudi-Arabien. Er gilt als das Armenhaus Arabiens.

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Am Wochenende werden sich arabische Regierungschefs in Ägypten zu einem im Vorfeld geplanten Gipfeltreffen zusammenfinden, um auch über den Jemen zu sprechen. Eine politische Lösung dort wird nicht erwartet. Denn zwar demonstriert Saudi-Arabien nun militärische Potenz, eine Stabilisierung des taktisch bedeutenden Lande dürfte aber so nicht zu erreichen sein – selbst wenn der geflohene Präsident Hadi wieder eingesetzt wird. Für Stabilität und dauerhaften Frieden müsste alle Konfliktparteien an einen Tisch – anstatt aufs Schlachtfeld.

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