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NahostEU kann Angriffe der Huthi im Roten Meer nicht verhindern

Der Marineeinsatz „Aspides“ soll Handelsschiffe vor Rebellenüberfällen schützen. Trotzdem haben die Huthi jetzt erneut ein Handelsschiff überfallen und mehrere Seeleute getötet.Inga Rogg 10.07.2025 - 15:07 Uhr Artikel anhören
Angriff im Roten Meer: Die Huthi-Miliz veröffentlichte dieses Foto, das den Untergang des Handelsschiffs „Eternity C“ belegen soll. Foto: AFP

Istanbul. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage ist im Roten Meer ein Handelsschiff angegriffen worden. In beiden Fällen haben die Huthi, die vom Iran unterstützte Miliz im Jemen, die Verantwortung übernommen.

Beim zweiten Überfall gab es Tote. Mindestens vier Mitglieder der Besatzung des griechischen Frachtschiffs „Eternity C“ kamen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge bei dem Angriff ums Leben, mehrere werden vermisst. Sechs Seeleute haben die Huthi verschleppt.

Die Huthi begründeten den Angriff auf den griechischen Frachter „Eternity C“, der unter liberianischer Flagge fuhr, mit dessen angeblicher Verbindung zu Israel. Einem Sprecher zufolge war dessen Ziel der Hafen Eilat in Südisrael. Beweise dafür gibt es nicht.

Bei ihrem Angriff setzten die Huthi Schnellboote, Granaten und Raketen ein. Ein mit dramatischer Musik unterlegtes Propagandavideo zeigt, wie die „Eternity C“ von Raketen getroffen wird und im Meer versinkt. Ein  Huthi-Sprecher drohte mit weiteren Angriffen.

Die amerikanische Botschaft im Jemen forderte am Donnerstag die umgehende Freilassung der verschleppten Seeleute der „Eternity C“.

Zehn Seeleute wurden nach Angaben der europäischen Marineoperation „Eunavfor Aspides“ gerettet. Sechs Seeleute konnten sich bereits am Mittwoch in Sicherheit bringen. Drei weitere und ein Mitglied des Sicherheitsteams seien in der Nacht auf Donnerstag gerettet worden, teilte „Eunavfor Aspides“ am Donnerstag mit.

Der europäische Marineeinsatz „Eunavfor Aspides“ oder kurz „Aspides“ soll genau solche Überfälle wie den auf die „Eternity C“ am Montag verhindern. An der Marineoperation nimmt auch Deutschland teil.

Die EU-Marineoperation beteilige sich an der „Koordinierung der internationalen Reaktion“ auf den Huthi-Angriff, erklärte das „Aspides“-Kommando. Der Vorfall unterstreiche die Bedeutung der „Aspides“-Empfehlungen zur Gefahrenabwehr im Seeverkehr und die Bedeutung „einer strukturierten, multinationalen Koordination“, um das Leben von Seeleuten im Einklang mit den internationalen Verpflichtungen im Seeverkehr zu schützen, so das „Aspides“-Kommando.

Zahnlose EU-Marineoperation

Doch genau das ist in diesem Fall nicht gelungen. Die Operation „Aspides“ war kurz nach dem Überfall der Hamas auf Israel und dem Beginn der israelischen Luft- und Bodenangriffe im Gazastreifen im Oktober 2023 ins Leben gerufen worden.

Die Huthi hatten sich damals auf die Seite der Hamas gestellt und aus angeblicher Solidarität mit den Palästinensern begonnen, Handelsschiffe im Roten Meer anzugreifen. Viele Reeder zwang dies, ihre Schiffe über den langen Umweg um das Kap der Guten Hoffnung umzuleiten.

Daraufhin einigte sich die EU auf den Marineeinsatz. Seit dem Februar 2024 sind Marineschiffe aus EU-Ländern im Roten Meer und dem Golf von Aden im Einsatz. Die EU-Operation diene dazu, die „Freiheit der Schifffahrt“ im Roten Meer zu gewährleisten, heißt es auf der „Aspides“-Webseite.

Angriff im Roten Meer: Das griechische Frachtschiff „Eternity C“ sinkt, nachdem es von Raketen der jemenitischen Huthi-Miliz getroffen worden ist. Foto: AFP

Gleichzeitig ist Operation aber rein defensiver Natur, das heißt, die EU-Marineschiffe können die Angreifer nur dann zurückschlagen, wenn sie selbst angegriffen werden.

Im Roten Meer gibt es freilich mehrere weitere Marineeinsätze. Die Franzosen sind mit eigenen Kriegsschiffen präsent. Und unter Führung der USA gibt es die „Operation Prosperity Guardian“, an der neben den USA 19 weitere Länder beteiligt sind, unter ihnen Großbritannien und Norwegen.

Warum keines der vielen Länder der Besatzung der „Eternity C“ zu Hilfe eilte, ist bisher unklar. Wie die meisten Handelsschiffe hatte das griechische Schiff lediglich sein eigenes Sicherheitsteam mit an Bord.

Die USA, Großbritannien und Israel haben die Huthi im Jemen immer wieder bombardiert. Diese griffen ihrerseits amerikanische Kriegsschiffe an. Im Mai einigten sich die USA und die Huthi überraschend auf einen Waffenstillstand, an den sich beide Seiten bisher halten.

Ende 2024 stellten die Milizionäre, die im Jemen die wichtigsten Städte und den Hafen in Hodeida kontrollieren, ihre Angriffe auf Handelsschiffe vorerst ein. Seitdem nahm der Schiffsverkehr durch das Rote Meer wieder zu.

Huthi drohen mit weiteren Angriffen

Jetzt kündigten die Huthis in einem auf sozialen Medien veröffentlichten Video an, die Schiffe aller Firmen, die mit Israel Geschäfte machten, würden angegriffen. Damit solle Israel gezwungen werden, die Blockade des Gazastreifens aufzuheben. Der Krieg hat nach Angaben der lokalen Behörden bereits mehr als 57.000 Palästinensern das Leben gekostet. Hilfe kommt aufgrund der israelischen Abriegelung kaum nach Gaza.

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Am Donnerstag griffen die Huthi zudem Israel mit Raketen an. In weiten Landesteilen löste der Angriff Raketenalarm aus. Schäden gab es aber offenbar keine.

Sonntagnacht hatten die Huthi bereits ein anderes Handelsschiff attackiert: das griechische Frachtschiff „Magic Sea“, das ebenfalls unter liberianischer Flagge segelte. Die Besatzung der „Magic Sea“ konnte sich in dem Fall in Sicherheit bringen. Doch das Frachtschiff ging in Flammen auf und sank.

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