Rudi Völler: Weltmeister mit Klacks
Einst warb Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler für einen Wechsel zu Teldafax.
Foto: APVon allen Prominenten, die sich für das kriminelle System Teldafax in die Bresche warfen, ist er wohl der Prominenteste. Torschützenkönig in der Bundesliga, Pokalsieger in Italien, Champions-League-Sieger mit Olympique Marseille und Weltmeister mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Kaum ein Sportler kann eine Titelsammlung vorweisen wie Rudi Völler. Nach seiner aktiven Karriere wurde er auch noch Nationaltrainer und blieb den Deutschen im Bewusstsein. Als Völler 2005 Sportdirektor von Bayer Leverkusen wurde, war er berühmter als jeder seiner Spieler.
All diese Bekanntheit, seine ganze Beliebtheit, verwettete Völler dann auf den Billigstromanbieter Teldafax. „Wechseln is‘n Klacks, mit Teldafax“, lautete der Werbeslogan, den Völler für den Billigstromanbieter vor der Kamera aufsagte. Alles sei ganz einfach. Das Wechseln des Stromanbieters, das Einsparen von Energiekosten. Völler war so überzeugend und die Angebote von Teldafax so ungemein günstig, dass die Kunden dem Unternehmen die Türen einrannten. Teldafax war das am schnellsten wachsende Unternehmen der ganzen Branche.
Völler hatte daran einen erheblichen Anteil. Sein Ruf war nicht nur in Deutschland tadellos, sondern hatte auch international einen bemerkenswerten Klang. Teldafax nutzte das aus. Immer wieder brüsteten sich die Strom-Manager gegenüber Geschäftspartnern mit ihrer Beziehung zu Völler. Wichtige Gespräche wurden bevorzugt in der VIP-Loge der Bay-Arena geführt, so oft es ging, nahm Teldafax Völler auch mit zu externen Veranstaltungen. Und natürlich nutzte Teldafax Völlers Gesicht im Fernsehen. In einem Einspielfilm für Deutschlands größte Fernsehsendung „Wetten, dass..?“ zeigte sich der Fußballweltmeister schick im Anzug an seinem Schreibtisch in der Bay-Arena und schaltete von dort aus das Licht im Stadion ein. Dann folgte ein Gewinnspiel.
Völler ließ das alles mit sich machen. Der Weltmeister zog selbst dann noch voll mit, als der Werbepartner schon in äußerst zweifelhaftes Licht getaucht war. Am 20. Oktober 2010 berichtete das Handelsblatt, wie Teldafax mit seinen Kunden umging, dass es keine Jahresabschlüsse gab und dass der Finanzvorstand schon ein Jahr zuvor Insolvenz anmelden wollte, aber dann von einem Tag auf den anderen aus dem Unternehme gejagt wurde.
Völler machte das nicht stutzig. „Zeit für eine starke Offensive“, sagte er in einem neuen Werbefilm von Teldafax 2010. Der Billigstromanbieter hatte inzwischen alle Skrupel verloren und warb mit so extremen Dumpingpreisen, dass die Konkurrenz schon an der Geschäftsfähigkeit der Führung zweifelte. Doch all die Horrormeldungen über seinen Partner konnten Völler nicht aus der Ruhe bringen. Auf Nachfrage sagte er Journalisten: „Teldafax bleibt auf unserer Brust.“
Und so war es auch. Bayer trennte sich von Teldafax erst im Mai 2011 – wenige Wochen bevor nacheinander der Insolvenzverwalter und die Staatsanwaltschaft bei dem Unternehmen einmarschierten. Völlers ehemalige Geschäftsfreunde mussten sich dann später vor dem Landgericht Bonn verantworten – wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung. Der Prozess dauert an. Völler hat sich zu seinem Anteil an dem Chaos nie geäußert.